Ain’t Afraid Of No Ghost
Über die Berliner Avantgarde-Popper UMA und ihre Debüt-EP »Drop Your Soul« und die Single »Wild At Heart«
Text: Michael Aniser
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Amy Jellicoe steht mitten im Leben. Die Karriereleiter bereits ein ansehnliches Stück hochgeklettert verdingt sie sich als Einkaufsleiterin in einer rätselhaften, jedoch schön hochpolierten Firma. Doch dann kommt – ganz klar – der Knacks. Nervenzusammenbruch, schlimme Szenen. Nach einem Monat ganzheitlicher Therapie kehrt sie mit neuer Kraft in die Firma Abaddonn Industries zurück. Doch alles ist jetzt anders, auf ihrer Spitzenposition sitzt inzwischen ihr jüngeres Pendant und Amy wird in den Keller, in die Deppenabteilung, versetzt. Dem nicht genug muss sie wieder zu Hause bei ihrer Mutter einziehen. Mit 40.
Laura Dern gibt in der HBO Serie Enlightened diese ausgezehrte Karrieristin zwischen emotionalen Erpressungen und perfekt getimten Neurosen bis an die Belastungsgrenze; das Bindeglied zwischen Corporate Compliance und verwaschen futuristischer Esoterik. Dreiundzwanzig Jahre früher war Laura Dern an ganz anderer Position zu sehen: Im epochalem Roadmovie Wild At Heart hat sie als Lula Pace den damals noch angesagten psychoanalytisch verschwommenen Symbolismus eines David Lynch mit geprägt, während sie jetzt in schimmernden neurowissenschaftlichen Esoterikreferenzfeldern schwebt.
Womit wir dann auch bei UMA aus Berlin wären. Doch wer jetzt eine verkopfte feel-bad-Platte erwartet liegt natürlich erstmal falsch. Wild At Heart (s.u.) ist ein perfektes Stück Post-Everything-Pop, mit verspult auf heute gedrehter Avantgarderomantik. Die Lyrics zum Song streifen Brion Gysins Dreammachine, und auch im Video wird dann ganz beruhigend mit Farben geflackert. Doch UMA sind keine Beatniks, oder Psychonauten. Mit ihrer Musik schreiben sie sich sowohl in Pop- als auch in Noise- bzw. Avantgarde-Konzepte ein und transformieren den Space-Rock etwa der legendären New Yorker Silver Apples, mit denen sie auf ihrer Debüt-EP Drop Your Soul (Stream s.u.) zusammengearbeitet haben, in genau den hypnagogischen corporate style der auch Enlightened so wunderbar gegenwärtig macht.
Live (Termine unten) wird das ganze nochmals klarer, wenn das Ehepaar Ella und Florian zur runtergepitchten Coverversion des Ghostbusters-Titelsongs ansetzen und gemeinsam über ausfasernde Flächen mit zurückgeschraubten Beats »I ain’t afraid of no ghost« nuschelrappen und an den Reglern drehen. Ein Album haben die beiden für Anfang 2013 angekündigt.
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UMA live
01.09. Berlin — Torstraßen Festival
20.09. Berlin — Festsaal Kreuzberg Als Support von Dan Deacon

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