Purity Ring Shrines

Eingängigkeit an der Grenze zur Überproduktion

Text: Bianca Heuser

purity-ring-shrines
4AD / Beggars Group — 20.07.12

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Montreal scheint ein düsterer Ort zu sein. Vor ein paar Monaten erst säuselte von Québec aus Claire Boucher unter ihrem Alias Grimes mit finsterem Pop alle Welt in Trance. Jetzt erscheint Shrines, das Debütalbum des kanadischen Duos Purity Ring, dessen Anleihen an kontemporären R’n’B in eine andere Richtung zielen mögen, die besagte Düsternis aber auch mit ihren eingängigen Hooks nicht loswerden.

   Obwohl sich die 24-jährige Megan James und der drei Jahre jüngere Corin Roddick schon seit Kindertagen in Edmonton kennen, entstand die Idee zu einem gemeinsamen Projekt erst Ende 2010. Der mittlerweile in Montreal lebende Roddick, bisher als Teil der Hyper-Pop-Gruppe Gobble Gobble beziehungsweise Born Gold aktiv, fand solo mehr Interesse an slicken HipHop-Beats und bat die alte Freundin, ihm dafür ihre Stimme zu leihen. Seitdem mailt er seine Produktionen an die vier Stunden entfernt in Halifax lebende Megan James, die sich aus alten Tagebüchern ihre Lyrics zusammenklaubt. Die teilweise etwas vernuschelten Texte scheinen sich vor allem aus teenage angst und abstrakten Albtraumschilderungen zu speisen. »Grandma, I’ve been unruly in my dreams and with my speech / Drill little holes into my eyelids that I might see you when I sleep«, singt James im Song Belispeak, der bereits auf einer EP bei Fat Possum Records veröffentlicht wurde.

   Mit dem ersten Album wechseln Purity Ring zum britischen Traditions-Label 4AD, in dessen Katalog sich ihr düster-moderner Sound bestens einfügt. Die Beats, an der Grenze zur Überproduktion, und die süßlichen Vocals erinnern stellenweise an AraabMuzik, dessen Electronic Dream letzten Sommer kaum ein Release an Modernität und Leichtfüßigkeit gleichkam. Diese und weitere Referenzen sprechen für die Aktualität des Sounds, lassen Purity Ring im Vergleich aber leider auch etwas blass aussehen. Denn obwohl sich die verspielten Indie-Melodien und Megan James’ zarter Gesang auf Shrines ziemlich toll anhören, wirkt die okkult anmutende Ästhetik des Projekts neben dem leichten, spirituellen Feel der abgerufenen Vorbilder doch ein klein wenig schwerfällig.

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Video — Purity Ring Fineshrine

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