Echo Lake Wild Peace

Verspäteter Dream Pop mit Shoegaze-Sprenglern

Text: Henning Lahmann

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No Pain In Pop / Cargo — 06.07.12 

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Echo Lake haben es nicht darauf angelegt, der Musikgeschichte ein neues Kapitel hinzuzufügen. Das wird schon Sekunden nach dem Anspielen von Further Down, dem ersten Track des Debütalbums der Londoner Band, klar. Verhuschte, im dichten Nebel aus Hall und Echo entschwindende Klänge; eine gezupfte Gitarre, eine unaufdringliche Orgel; sich langsam auftürmende Wogen aus Schall, durch die sich nach anderthalb Minuten die glockenhelle, vielfach gefilterte Stimme von Sängerin Linda Jarvis langsam in den Vordergrund kämpft: ein Traumzustand. 1990. Heaven Or Las Vegas

   Wild Peace kommt spät. Und das in gleich doppelter Hinsicht. Die Retromanie selbst ist gar nicht das Problem, zumal der offene Verweis auf den Shoegaze-Sound hier auf eine Musikalität und technische Versiertheit trifft, die den Vorbildern tatsächlich in nichts nachsteht. Aber im Jahr 2012 ist gerade dieser Rückbezug doch irritierend. Das Revival verträumten Gitarrenpops, haben wir das nicht gerade erst hinter uns? Schon vor zwei Jahren, als die Ersten aufmerksam geworden waren auf Linda Jarvis und ihren Art-School-Kumpel Thom Hill, nachdem die Songs Everything Is Real und In Dreams ihren Weg ins Netz gefunden hatten, wirkte die Musik der Band eher wie ein Nachtrag zu Bands wie The Radio Dept. oder The Pains Of Being Pure At Heart. Diese hatten im Sommer zuvor (bzw. erstere schon Jahre früher) jenen Pop wieder salonfähig gemacht, der sich ganz ausdrücklich auf die alten, zwischenzeitlich fast vergessenen Helden um My Bloody Valentine oder The Jesus And Mary Chain berief.

   Bei Echo Lake dominieren zwar nur ausnahmsweise jene für Shoegaze archetypischen Gitarrenwände, Bezugspunkt ist eher der sauberer durchkomponierte Dream Pop der Cocteau Twins, doch auch die sind in den letzten Jahren schon unzählige Male zitiert worden, von Still Corners zum Beispiel oder von den Trailer Trash Tracys: der Exzess der Referenz. So ist Wild Peace am Ende ein mitunter sehr schönes, stets außergewöhnlich gut produziertes Popalbum geworden. Vor drei Jahren hätten wir es vermutlich ungeniert geliebt.

pete-hayesANMERKUNG:   Dieser Text war schon längst geschrieben und in das System eingepflegt, da erreichte uns am gestrigen Nachmittag eine traurige Nachricht: Der Echo Lake-Schlagzeuger Peter Hayes erlag im Alter von nur 25 Jahren einer nicht genannten Krankheit, wie die Band via Facebook mitteilte. Sein Freund und Kollege Thom Hill schrieb hier: »If you knew Pete, then you'll know what an amazing person he was. If you didn't know Pete then all I can say is that he was a total one off. Always caring, always giving, always straight up and always with such a positive outlook on life. [...] I'll always remember in our first band me, Kier and Steve lying to promoters that we were over 18 and that we were old enough to play in pubs. We were 16 and Pete was even younger than us! I remember sneaking Pete in the venue hoping nobody would ask any questions and after the gig Pete's dad Antony would pick him up and take him home because he had his year 10 GCSE exam later that week! I still can't believe we got away with it really. He was like a younger brother to us and we always had a lot of fun.« Möge Pete Hayes in Frieden ruhen.

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