Ty Segall & White Fence

Album: »Hair«

Text: Margarete Stokowski

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Drag City / Rough Trade — 11.05.12

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Man kann darüber streiten, ob die Bezeichnung »Autofahrmusik« ein Kompliment ist oder eher nicht. Wenn damit lockere, gitarrenlastige Musik gemeint ist, die mit guter Laune, eingängigen Rhythmen und ohne riesige Überraschungen daherkommt, dann passt dieser Stempel auf die meisten Titel des Albums Hair, das Ty Segall & White Fence gemeinsam aufgenommen haben. 

   Von Segall erscheinen 2012 ganze drei Studioalben: zwei mit Begleitung, eines solo. Hair ist das erste, er hat dafür mit Tim Presley von White Fence zusammengearbeitet sowie mit Sean Presley und Mikal Cronin. Was dabei entstanden ist, erinnert über weite Strecken an das White Album der Beatles oder die Soloplatten von George Harrison, ist aber zusätzlich mit viel schrammelndem Garage und effektreichem Psychedelic Rock aufgemischt. 

   Falls das Autofahrmusik ist, dann vielleicht nicht solche für das morgendliche Stop-and-go-Ruckeln zum Büro. Eher für die vorfreudige Reise in einem überbesetzten, klapprigen Bus zum nächsten Festival, mit den richtigen Stimulanzien im Gepäck. Ty Segall & White Fence sind San Francisco und Psychedelic Rock nämlich doch zu sehr verbunden, um nicht immer wieder durchgedrehte, experimentell-hippieske Elemente in die Songs zu bauen. So klingt das Ende von The Black Glove / Rag wie eine Kriegsszene mit einander bekämpfenden, verzerrten Gitarren, und gleich darauf beginnt Crybaby mit einem fast gespenstisch verzerrten Heulkrampf. Der ist aber bald ausgeheult, der Rest des Stücks pendelt sich bei dynamischem Garage-Rock ein. Scissor People dagegen beginnt eingängig und harmlos, mündet aber in einen rauen Wechsel von Lautstärke- und Effektvarianten – von Indie-Rock zu Noise in dreieinhalb Minuten. Dafür wird es zum Ausklang von Hair wieder Beatles-mäßig schluffig und gutmütig. 

   Es ist dieser Wechsel von bekiffter Lockerheit mit gemütlichen Melodien hin zu schweren Gitarrenriffs und angezogenem Tempo, der das knapp halbstündige Album hörenswert macht – und vielleicht einen Tick zu durchgeknallt, um sich nebenher noch vernünftig auf den Straßenverlauf zu konzentrieren.

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