Passagen der Geisterschiffe

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Einen aufregenden 1. Mai verlebt? Es naht das Kontrastprogramm, die Erdung und Meditation. Das am Freitag bei Kompakt erscheinende dritte Studioalbum Cancerboy von Till Rohmann alias Glitterbug verrät sein Narrativ schon im Namen: Der Kölner verarbeitet in der Musik seine eigenes Krebsleiden, das er als Kind durchstand. Wo das Genre Deep Techno gerne atmosphärisch versumpft, stellt Rohmanns Bindung die Platte auf feste Füße, die emotionale Dringlichkeit bleibt auch im fließenden Ambient jederzeit spürbar. Der Künstler selbst sieht sich rückblickend als »Reisender« zwischen den verschiedensten Krankenhäusern und Behandlungszentren, zwischen Leben und Tod. Davon erzählt auch das achtminütige Vorabstück Passages, zu dem Spex und tape.tv erstmals das Video zeigen.

   Die israelische Fotografin und Künstlerin Ronni Shendar zeichnet sich hier als Regisseurin verantwortlich. Shendar arbeitet seit mehreren Jahren mit Rohmann zusammen, gestaltete für Cancerboy die Albumhülle und Videoelemente der dazugehörigen Liveauftritte, in ihrem Portfolio finden sich aber auch Videoarbeiten für Gold Panda und Christian Löffler. In Passages lässt sie nun die Kamera über die schwappende, diesige und in Grau getauchte See streifen. Das Bild vom Wasser als Quell des Lebens wird hervorgerufen, scheinbar verlassene Frachter passieren die Aufnahmen. Das menschliche Wirken wird zur Miniatur und eine tiefe innere Ruhe breitet sich aus, fremd und versöhnlich zugleich.

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Video — Glitterbug Passages — Mehr Videos gibt es auf tape.tv!