Zwischen Monstern und Stofftieren

Text von Thomas Vorreyer
am 2. Februar 2012

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STILL: art21 #117 - Mike Kelley: Bad Boy

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Der Künstler und Musiker Mike Kelley ist tot. Kelley, aufgewachsen in einfachen Verhältnissen in einem Vorort Detroits, gründete 1974 als Student in Ann Arbour gemeinsam mit Jim Shaw, Niagra und Cary Loren das Kollektiv Destroy All Monsters, zu dem Dominikus Müller noch kürzlich in Spex #335 notierte: »Heute gelten Destroy All Monsters als visionäre Industrial- und Noiseband und werden neben Mayo Thompsons The Red Krayola und Sonic Youth als eine der paradigmatischen ›Art Bands‹ geführt – wie Kelley jene Bands nennt, die konzeptuelle Strategien der bildenden Kunst auf das Feld der populären Musik anwendeten. [Sie] enterten die Bühne mit Staubsaugern, modifizierten Tapedecks, sägender Violine und unsäglich verzerrter Gitarre für über weite Strecken improvisierte Gigs.« Später, am California Institutes of the Arts in Valencia gehörten u.a. Laurie Anderson und John Baldessari zu seinen Lehrern. Zudem gründete er ein weiteres Kollektiv namens Peotics zusammen mit Tony Oursler und Don Krieger.

  Als Künstler bewegte sich Kelley, der zeichnete, drehte, skulptierte, kurzzeitig auch performte, im Spannungsfeld von Kunst und Pop. Anders als viele seiner Kollegen wollte er aber nie ein bad boy sein, verweigerte sich dem allgemeinen Kunstbetrieb und rebellierte gegen die Gesellschaft lieber über den Weg des Kindlichen und Naiven. Letzteres fand Ausdruck in seiner vielbeachteten Reihe Half a Man. Eines der hierfür bearbeiteten Stofftiere landete 1992, zehn Jahre nach seiner ersten Einzelausstellung, dann auf dem Cover des Sonic Youth-Albums Dirty. Mit der Band stand Kelley auch darüber hinaus in einem jahrelangen künstlerischen Austausch. In deutschen Galerien und Museen war er des Öfteren zu sehen, zuletzt noch 2011 mit der Skulpturengruppe Kandors im Haus Lange und Haus Esters zu Krefeld.

  Im Alter von 57 Jahren ist Mike Kelley gestern in seinem Heim in South Pasadena, Kalifornien, gestorben. Laut der örtlichen Polizei, handelt es sich höchstwahrscheinlich um einen Suizid. Aus seinem Umfeld hieß es, Kelley habe an Depressionen gelitten. Möge er in Frieden ruhen.

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