Alle lieben Nika

David Lynch mit erstem Zola Jesus-Remix überhaupt, Amanda Brown schwärmt von Danilova & für die Spex-Redaktion ist »Conatus« das Album des Jahres

Text: , Thomas Vorreyer

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MONTAGE – PORTRÄT (rechts): Patrick Klose.

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   Es hätte auch alles ganz anders ausgehen können. Monatelang hatte sich Nika Roza Danilova mit sich selbst eingeschlossen, abgekapselt von der Welt, in der ständigen, grenzüberschreitenden Auseinandersetzung mit dem eigenen Ich. Ihre Ängste, ihre Verzweiflung bannte sie schlussendlich als Zola Jesus in einem Album, das nicht wenige überraschte. Nun waren die Erwartungen die der Vorgänger Stridulum II geschürt hatte, nicht gerade gering; damit, dass Danilova mit Conatus tatsächlich das Album des Jahres gelingen würde, hatten wir jedoch nicht gerechnet.

   Die Begeisterung der Spex-Redaktion teilt dabei David Lynch, aktuell in Spex #336 selbst prominent vertreten. Der Universalist fragte Danilova, ob er einen Remix für sie anfertigen könnte, was besonders pikant ist, da bisher alle Zola Jesus-Remixanfragen kategorisch abgelehnt wurden. Doch Lynch bekam den Zuschlag zur Ausnahme und machte aus In Your Nature etwas, das er so ähnlich auch auf seinem Album Crazy Clown Time ausbreitet: Musik, die »der Schatten einer anderen Musik [ist], die es gar nicht gibt« - wie Georg Seeßlen schreibt. Am Artikelende gibt es den Remix im Stream zu hören.

    Länger mit Danilova vertraut ist allerdings Amanda Brown, Mitgründerin von Not Not Fun Records und eine Hälfte der Band Pocahaunted. Ihre Bekanntschaft zur Künstlerin führte vorletztes Jahr zu der EP LA Vampires meets Zola Jesus, die sie auf ihrem eigenen Label herausbrachte. Mit dem NNF-Ableger 100% Silk prägte auch sie das vergangene Jahr nachhaltig (s. Jahresrückblick in Spex #336). Spex-Autorin Nadin Wildt hat nun ihre Ansichten über die geschätzte Kollegin (wie zuvor auch die von M83s Anthony Gonzalez) protokolliert.

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   AMANDA  BROWN: Als ich Nika 2009 auf dem SXSW-Festival traf, hatte ich noch kaum von ihrer Musik und der Szene in Madison gehört. Ich konnte gar nicht fassen, wie zierlich sie ist. Man hört diese enorm beeindruckende Soulstimme, und dann sieht man dieses Vögelchen. Ein wahrer Piaf-Moment! Ich war dann diejenige, die sich um eine Zusammenarbeit bemühte, mit schwacher Hoffnung. Nika war damals noch nicht die weltumsegelnde Meisterin wie heute, aber sie war schon im Aufwind und die Leute bekamen langsam mit, was sie drauf hat.

   Als ich hörte, dass Nika nach L.A. ziehen würde, dachte ich: Großartig, jetzt kann ich sie immer treffen und mit ihr abhängen! Aber da war sie schon viel zu beschäftigt mit Touren, Schreiben, Aufnahmen, Fotoshootings und so weiter. Ständig verschoben wir unsere Verabredungen, bis sie schließlich anrief: »Besuch mich mal und wir machen einen Spaziergang!« Nicht zu vergessen, dass sie mitten in Hollywood wohnt, unweit vom Melrose Place, der berühmten Touristenfalle. Aber tatsächlich gingen wir spazieren, aßen zusammen, und während sie mir von all den erstaunlichen Dingen berichtete, die sie in den vergangenen Monaten getan hatte, schoss es mir durch den Kopf: Sie hat sich kein Stück verändert! Natürlich ist das ein Klischee, aber sie ist heute noch dieselbe Frau, die ich damals getroffen habe, nur noch talentierter, weiser, weltgewandter. Sie sagt immer: »Ich bewahre mir die Werte des Mittleren Westens! Ich werde kein Hollywood-Idiot!« Wenn wir uns treffen, gibt es immer was zu lachen.

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