»Du bist scheiße!« »Selber.«

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FOTO: ZDF © avanti media/Fabian Meyer/John Toft

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   Es gibt zwei Gerüchte, die sich um die neueste Folge der Arte-Reihe Durch die Nacht mit … Casper und Lena Meyer-Landrut ranken. Das Erste besagt, dass die beiden ein heimliches Paar sind; das Zweite, dass der Rapper es vorübergehend erwog, die Ausstrahlung der 51:38 Minuten noch zu verhindern1. Theoretisch müssen sich diese beiden Vermutungen nicht unbedingt widersprechen, die Wirklichkeit der in Berlin gedrehten Bilder lässt dann aber doch nur eine Variante möglich erscheinen. In jedem Fall handelt es sich um eine bemerkenswerte Episode.

  Mit Lena und Casper, der Eurovision Song Contest-Überraschungsgewinnerin 2010 und dem Rap-Durchstarter 2011, dessen Album XOXO nicht nur Platz #1 der Verkaufs-, sondern auch #6 der Spex-Redaktionscharts des Jahres belegte, hat der Fernsehsender diesmal ein überaus massentaugliches Paar zusammengebracht. Nach deutschen Maßstäben erreichte diesen gemeinsamen Bekanntheitsgrad zuletzt wohl nur die Kombination Wolfgang Joop und Bill Kaulitz von Tokio Hotel. Doch wo sich für gewöhnlich die beiden Protagonisten Einblicke in das gegenseitige Schaffen geben, ein Dirk von Lowtzow René Pollesch etwa in das Chez Cherie Studio einlädt oder der Modedesigner Joop Kaulitz in der Endphase seiner Pariser Schau über die Schulter blicken lässt, gibt es diesmal eine Beschäftigungstherapie zweier Teenie-Idole zu sehen.

   Die 20-Jährige und der 29-Jährige malen u.a. auf einem Kreuzberger Dach, spielen Galgenraten in der Akademie Deutsche POP (wo sie auch auf eine etwas übermäßig bemühte Schülerin treffen), kreieren gemeinsam eine Torte, spielen Minigolf im Schwarzlichtschein. Dabei knüpft Lena an die fragwürdigen Dauerinterviews rund um ihre gescheiterten Titelverteidigung in diesem Jahr an, als das Bild vom ganz natürlichen Liebling der Nation erste Risse bekam. Oft wirkt sie aufgesetzt, an nicht Vielem lässt sie ein gutes Haar. Caspers Oldschool-Matrosentattoos (»Super hässlich!«), sein Versuch eines Gemäldes (»Was hattest du für eine Kunstnote? Wahrscheinlich eine Fünf.«), der Besuch der spielerischen Lebensball-Utopie Cloud Cities im Hamburger Bahnhof (»Voll langweilig!«) – die Liste ist lang, dazu hasst sie Leitern, äfft Fans nach. Casper merkt schon an der zweiten Station, dem Museum, dass der Abend schwierig verläuft.

  Beim Minigolfen dann fast die Eskalation – im Wortlaut:

L: So, nächster Raum. Vergiss dein Bier nicht!
C: Sag das nicht so zynisch! (Erblickt den Raum.) Ja, das ist jetzt scheiße.
L: Wieso ist das scheiße? Du bist scheiße.
C: Du bist scheiße… (Wendet sich ab.)

  Danach wird aber tapfer gelächelt, im Grenzbereich verblieben und zu Ende gespielt, die Jungprofis ziehen das Ding durch. Weiter zur letzten Station, dem unvermeidbaren Karaoke, im Pressetext hoffnungsvoll als »die letzte Chance dieser Nacht, sich doch noch zu finden …« umschrieben. Sie bleibt vertan, die Stimmung, obwohl man miteinander auskommt, unterkühlt. Beim Verabschieden darf sich Lena noch mokieren, dass Casper bei den Passanten beliebter ist. Dem wird es dann tatsächlich doch noch zu bunt und mit entgeistertem Blick verweist er die Minidiva auf ihr vorgefahrenes Auto. Kurz winken und abhaken. So kalt ist der deutsche Pop.

   Damit wäre eigentlich alles geschrieben, gäbe es da nicht jene Szene, in der Lena seufzend preisgibt, doch lieber Konditorin sein zu wollen. (Interessanterweise direkt nachdem Casper das Musikerleben als »reine Tortur« bezeichnet.) Man ist geneigt, es ihr zu glauben und anscheinend findet sie den Rummel um die eigene Person selbst am lächerlichsten, wirkt in ihrer Rolle ebenso eingepfercht wie ausgebrannt.

   Arte zeigt Durch die Nacht mit … am Samstag, dem 7. Januar, um 23.55 Uhr. Wiederholung: 16. Januar um 05:00 Uhr. Regie führte Hasko Baumann.

*

1In einer früheren Version des Artikels hieß es, dass er die Ausstrahlung »vorübergehend verhindern wollte«. Richtig ist nur, dass er dies prüfte, jedoch nie an den Sender oder die Produktionsfirma herantrat.

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