Editorial Spex #336
Lana Del Rey, Mark Greif, David Lynch, The Black Keys
Text: Wibke Wetzker, Jan Kedves
Keith Gessen (unten rechts) wird bei der Sitzblockade vor der New Yorker Börse am 17. November festgenommen.
FOTO: Mark Greif
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Liebe Leserinnen,
liebe Leser,
Stop the press! Oft genug muss man sich als Medium, das gut zwei Wochen benötigt, um von der Druckerei an die Kioske zu kommen, im Wettlauf mit der Zeit geschlagen geben. Umso schöner, wenn es einmal anders geht: Am 14. November – ein mehrseitiger Artikel über den New Yorker Autor und n+1-Herausgeber Mark Greif ist samt Interview bereits im Kasten – endet die zweimonatige Besetzung des Zuccotti-Parks in Lower Manhattan überraschend mit dessen gewaltsamer Räumung. Zu diesem Zeitpunkt ist gerade die zweite Ausgabe der Occupy! Gazette erschienen, herausgegeben von Greif und einer operativen Einheit New Yorker Heftmacher. Wie wird es weitergehen?
Kann man in Spex ausschließlich über Greifs neues Buch Wer waren die Hipster? sprechen, während vor der Wall Street aufgeräumt wird? Nein. Trotz heranrasendem Redaktionsschluss verabreden wir ein erneutes Telefonat mit Greif. Am 18. November schreibt unser Autor Oskar Piegsa: »Mein zweites Interview heute Abend mit Mark Greif ist geplatzt, weil n+1-Gründungsredakteur Keith Gessen und einige andere n+1-Autor(inn)en gestern festgenommen worden sind und offenbar immer noch in U-Haft sitzen, die New School, an der Greif lehrt, gestern besetzt worden ist, usw.« Zwei Tage später erreicht uns dann doch das Transkript eines einstündigen Telefonats mit Greif und schafft es gerade noch ins Heft.
Nicht nur aufgrund der Ereignisse in New York hat diese Spex einen starken USA-Fokus. Im Musikteil befassen wir uns unter der Klammer Albtraum Americana mit aktuellen Beispielen für Alben, die ur-amerikanische Ikonografien bearbeiten, von White Trash über Elvis Presley bis Chevrolet. Während die Bluesrocker The Black Keys haarsträubende Geschichten aus den Vorgärten ihrer Heimat Akron, Ohio, erzählen, spricht David Lynch im Kontext seines Albums Crazy Clown Time über alkoholisierte Barbecues und »diese neue Sängerin« Lana Del Rey, auf die ihn in letzter Zeit immer alle ansprechen. Del Rey, die den american dream ins Groteske kippen lässt, hat tatsächlich des Öfteren Filme Lynchs als wichtigen Einfluss auf ihre hoch nostalgische »Hollywood Sadcore«-Ästhetik beschrieben – und sie ist Titelheldin dieser Ausgabe. Fotograf Heinz Peter Knes begleitete die Newcomerin, die – während diese Zeilen online gestellt werden – mit Video Games von der Spitze der deutschen Single-Charts grüßt, in die Maske und hielt dort solange drauf, bis er vom Management mit Nachdruck darauf hingewiesen wurde, dass das Shooting noch nicht angefangen habe. Geblieben sind ein paar reizende Testaufnahmen, die Lana Del Rey jenseits aller Posen zeigen.
Um so mehr in Pose wirft sich dafür das Hündchen, das unsere 100. Spex-CD ziert. Kein Wunder, hängt es doch für Juergen Teller vor der Kamera. Dass der Hund in der Hundert steckt, fiel uns erst am 11.11. auf. Und eine andere Lieblingspointe bescherte uns Ralf Chudoba, seit 2008 hochgeschätzter Spex-Schlusslektor, bei der Korrektur eines Streitfalls: Er hielt beharrlich an seiner Meinung fest, man würde nicht »ordentlich Sex« haben, sondern »ordentlichen Sex«. Wir stimmen Ralf – der uns nach dieser Heftproduktion verlässt – im Nachhinein zu und verabschieden ihn schweren Herzens, dankbar für seine Unterstützung in den heißen Phasen der Redaktionsarbeit.
P.S.: Stop the press! Der englische Guardian meldet, Comicikone Frank Miller (siehe Holy Terror-Rezension in diesem Heft) habe die amerikanischen Occupy-Protestierer als »Diebe und Vergewaltiger« beschimpft. Zu spät …

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[...] 2011, am Kiosk. Oder schon ein paar Tage früher im Briefkasten. Enthält mein Mark-Greif-Epos. Vorwort lesen hier. Teilen Sie dies mit:DiggGefällt mir:LikeSei der Erste, dem dieser post gefällt. Beschlagwortet [...]
[...] Von Hipstern und Intellektuellen, Mark Greif / n+1, Oskar Piegsa, Spex #336, S. 86 Spex-Editorial zur Ausgabe #336 Marc Greif, Bluescreen. Essays, Deutsch, 231 Seiten, Edition Surkamp Website von n+1 Blog von [...]
[...] am Kiosk) gleich zweimal (unter widrigen politischen Umständen) zum Telefoninterview gebeten, um mit ihm neben Bluescreen und Hipster auch das von Greif [...]
[...] hatten es angekündigt und zu übersehen war es in den letzten Woche eigentlich auch nicht: Es gibt wieder ein [...]