High Places
Rezension des aktuellen Albums »Original Colors« & Tourverlosung
Text: Tobi Müller
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Die Gitarren sind weg. Auf dem letzten Album des kalifornischen Popduos HIGH PLACES waren sie noch gerne zu Gast, wenn auch hypnotisiert durch viel Studiozauberei. Die Dub-Tradition, die sich schon im dialogischen Titel High Places vs. Mankind angedeutet hatte, beherrscht nun die Predigt auf Original Colors, einer Platte ganz aus dem Geiste des Mischpults und der räumlichen Manipulationen. Außer der Stimme von Mary Pearson und viel sachter Perkussion erinnert hier nur noch wenig an analoge Schwingungen. Dafür tendieren die Lyrics der High Places geradezu ins Naturreligiöse. Begleitet von gelegentlichem Vogelgezwitscher sind Wind, Baum und Wasser gern genommene Vokabeln. Zum elektronischen Dub steht diese Naturbesinnung der Texte nur in einem oberflächlichen Widerspruch. Denn wenngleich der historische Dub Jamaikas oft ins Kosmische abglitt, wurden die irdischen Freuden der Pflanzenwelt ihm nicht fremd. In ihm steckt, ebenso wie in den High Places, eher der Wille zur Synthese als der zum Widerspruch: Gott steckt überall – am Strand, im All, ganz sicher auch im Recording Studio.
Bei den High Places ist Mary Pearson die klassisch Ausgebildete, Rob Barber der Frickler. So entsteht Schichtmusik, die die beiden im Pingpong-Verfahren zusammenbauen. Erst du, dann ich, eins kommt zum anderen und so zusammen. Trotz dieses Verfahrens hört sich Original Colors weniger nach Kollektiv denn nach Arbeitsteilung an: hier die verfeinerten Tracks, da der Gesang. Pearson tritt als Stimme, als Subjekt in Erscheinung, weniger als Instrument. Schön, wie sie manchmal auf einem Intervall beharrt, es rhythmisch variiert und von allen Seiten betrachtet. Melodie als Experiment. Pearson arbeitet am Pull, wie ein Track heißt, am Sog, an der Stimme als Lockruf, an einem aufgeklärten Sirenengesang. Am besten hört man das im Indietechno-Smasher Altos Lugares oder auch in den oberen Lagen ihres Mezzosoprans auf Sonora.
Year Off deutet gleich zu Beginn an, dass künftige Konzerte der High Places tanzlastiger sein werden. Es ist ein Tanz, der die Electronica aus den neunziger Jahren gut verdaut hat – etwa die britisch-karibischen Varianten aus Bristol oder die Edelromantizismen von William Orbit aus seiner Madonna-Phase (Ray of Light); beides Schulen avancierten Klanggenusses. Nur eine Einschränkung: Leider erinnert Original Colors an manchen Stellen, wie etwa im allzu gefälligen Sophia, an den Kaffeehaus-Sound zeitgenössischer Innenstädte. Sicher, auch mit Schwergewichten wie Chet Baker und Billie Holiday im Ohr kann man überteuerte Muffins essen. Wer ihnen aber genau zuhört, dem bleibt dabei der ein oder andere Krümel im Halse stecken. Das neue Album der High Places rutscht dagegen zum großen Teil runter wie ein Smoothie.
High Places Original Colors ist bei Thrill Jockey / RTD. Derzeit ist die Band auf Europatour. Ganz smoothieversessen präsentiert Spex alle deutschen Termine und verlost 2x2 Plätze für Berlin, Wien, München, Luzern und Yverdon-les-Bains sowie weitere 3x2 für das Week-End Festival in Köln. Das Video zu Sonora wurde hier gezeigt, jenes zu Sophia mit einer Performace von Telepathes Busy Gangnes gibt es nachfolgend zu sehen.
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VIDEO: High Places Sophia, Regie: High Places, Thrill Jockey 2011.
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SPEX PRÄSENTIERT: HIGH PLACES live:
02.12.11 Köln - Week-End Festival
03.12.11 Berlin - HAU 2
05.12.11 Wien - B72
06.12.11 München - Kranhalle im Feierwerk
07.12.11 Luzern - Südpol
08.12.11 Yverdon-les-Bains - Amalgame

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