Mirel Wagner
Über das gleichnamige Debütalbum der finnisch-äthiopischen Sängerin
Text: Margarete Stokowski
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In einem Interview sagte MIREL WAGNER, sie sei nervös gewesen, als sie anfing, für Menschen zu singen anstatt für Wände. Kein Wunder. Die neun Songs auf ihrem Debütalbum klingen so nackt, dass man glaubt, man habe sich zum Zuhören heimlich in ihr Zimmer geschlichen, wo die 23-Jährige mit dem deutsch klingenden Namen Musik macht, die man – um mal ein Genre zu nennen – als Bluesfolk bezeichnen könnte, besser aber als einsame Gebete in expressionistischer Sprache.
Mirel Wagner ist eine in Äthiopien geborene und in Finnland aufgewachsene Singer/Songwriterin, deren Debütalbum bereits im Februar in Finnland erschien und dort sogar bei abgehärteten Metallern auf Begeisterung stieß. Die Progressive-Deathmetal-Band Ghost Brigade lud Wagner als Special Guest für ihre Tour ein. Wahrscheinlich war man von dem tiefschwarzen Ton des jeweils anderen beeindruckt, bei gleichzeitig musikalisch maximaler Ferne, denn minimalistischer, schnörkelloser, strenger gebaut als Mirel Wagners karge Musik kann Songwriting kaum sein. Manchmal schleicht sich ihre Stimme davon wie eine Katze.
Der Assoziationsrahmen, den sie in diesen Songs, teilweise mehr leise flüsternd als singend aufmacht, kommt aus einer Welt des Jenseitigen. Mal erzählt sie von der Liebe, die sie wie Kleidung beim Schwimmen nach unten ziehe (Ophelia!), mal schaut sie in einen Brunnen schwarzen Wassers (Trakl!) oder hält sich an Schauermärchenmetaphern (Poe!), etwa in dem Song Despair: »despair came riding on the crest of a big black wave«. Das stärkste Stück ist wohl No Death (Video unten), in dem Wagner den kalten Leichnam ihrer Geliebten im aus einer einzigen Note bestehenden Refrain besingt. Die Stimmungen, die dabei entstehen, ergeben diffuse Erinnerungen an Südstaatenfolk (teilweise unterstützt durch Lyrics wie beispielsweise »when you are a dead man’s unwedded bride«), an Erlösungsfantasien früher afroamerikanischer Spirituals und den Totenkult kreolischer Religionen.
Der Begriff hauntology wurde in den letzten Jahren inflationär verwendet, wenn es um (meist elektronische) Musik ging, die durch ihre auf ferne Erinnerungen oder bloße Suggestion zielende Produktionsweise den Eindruck erweckte, dass einen ein Schauer der Vergangenheit anwehte, der wie ein Geisterwesen gleichzeitig an- und abwesend war. Mirel Wagner braucht für ihre geisterhafte Musik überhaupt keine technischen Hilfsmittel, nur eine brüchige Stimme und die einzeln angestrichenen Akkorde ihrer Gitarre.
Mirel Wagner Mirel Wagner ist bei Bone Voyage / Cargo erschienen. Nachfolgend finden sich ihre aktuellen Tourtermine.
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VIDEO: Mirel Wagner No Death
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MIREL WAGNER live:
25.10.11. Freiburg - Atlantik
26.10.11 Nürnberg - MuZ Club
27.10.11 Münster - Gleis 22
28.10.11 Weinheim - Cafe Central

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