Apparat The Devil’s Walk

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   Am Rande des mexikanischen Dschungels liegt die kleine Küstenstadt Sayulita, 4000 Einwohner, 340 Tage im Jahr von Sonne überstrahlt und seit den Sechzigern mit ihren tropischen Palmenstränden zunehmend vom Off -Tourismus erschlossen: Kleine Galerien, Beachbars, Restaurants und Internetcafés säumen Straßen und Strände. An diesen friedlichen Ort (häufigstes Verbrechen: Marihuana-Konsum) zog sich APPARAT aka Sascha Ring mit seinen beiden Mitstreitern Joshua Eustis (von Telefon Tel Aviv) und Fredo Nogueira Anfang 2010 zurück, um mit einem einfachen, improvisierten Studio-Setup die ersten Skizzen für den elektroakustischen, zärtlich-dunklen, mit Ukulelen, Gitarren, Schlagzeug und Keyboards komponierten Klangteppich seines neues Albums aufzuzeichnen.

    Dabei entstanden elegische Hymnen des Verlusts, der Flucht, des Verlorenseins, des Verschwindens. Trauerarbeit? »Der Tod«, erklärt Ring, »hat in Mexiko eine andere Bedeutung. Die Menschen feiern Beerdigungen. Sie sind nicht unbedingt nur Grund zur Trauer.« The Devil’s Walk, benannt nach dem satirischen Gedicht von Percy Bysshe Shelley von 1812, ist eine melancholische Feier des Nichts, finalisiert in Berlin mithilfe von Patrick Nackt Christensen (vormals Teil der Gothrocker Warren Suicide) als Ko-Produzent. Drückend wie die pazifische Mittagsschwüle, schwer und tiefgründig wie ein Regenguss im Berliner Spätherbst, eine apokalyptische Reise ohne Wiederkehr durch ständig mutierende, bei jedem Hören anders klingende Soundlandschaften, hypnotisierend und klanglich perfekt produziert.

   Nicht nur musikalisch lassen die experimentelleren Arbeiten von Radiohead grüßen. Auch die Ähnlichkeit der Stimmen von Thom Yorke und Sascha Ring, die bereits mehrfach zusammengearbeitet haben, fällt ins Ohr. Und wenn sich bereits sein letztes Album Walls (2007) vom Dancefloor entfernte, vollendet die neue Scheibe mit ihrem kontemplativen Dreampop diese Wende und verbindet epische, emotionale Texturen zu dichtem Sci-Fi-Soul.

   Labeltechnisch geht Ring jetzt mit Mute (seit kurzem wieder ein Independent) in die Vollen und hat für die Live-Umsetzung eigens eine Band ins Leben gerufen, die in einsamen, dunklen Nächten hinaus ins finstere Herz des Dschungels schallt, während der laue, pazifische Westwind die Schläfen umspielt. Wenn es dunkel wird, könnte man diese Platte einlegen und ganz weich werden über die süße, halb verlorene, halb euphorische Traurigkeit von The Devil’s Walk. »Don´t tell me why. Just kiss me goodbye«.

   Apparat The Devil's Walk ist heute bei Mute / GoodToGo erschienen. Nachfolgend gibt es das Album im Stream zu hören. Das Video zur Auskoppelung Song of Los hatten wir hier (mit allen Tourterminen) präsentiert. 

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STREAM: Apparat The Devil's Walk (Album)

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