Emo-Girl und Kawaii-Lolita
Mit LOLLIPOP MONSTER hat die Comiczeichnerin Ziska Riemann eine grell leuchtende Mädchentragödie gedreht
Text: Nadin Wildt
»Wir sind von einer Art / verstehen uns blind / weil wir dieselbe Gattung sind«, röhrt die fiktive Band Tier, deren Musik Alexander Hacke zum Script von Luci van Org und Ziska Riemann geschrieben hat, in LOLLIPOP MONSTER. Dieser seltsame Rammstein-Sound ist ausgerechnet das verbindende Element zwischen den konträren Figuren, Welten, sogar Generationen des Films. Während diese Düsternis ganz dem Wesen der depressiven Künstlerfamilie der 15-jährigen Oona (Sarah Horváth) entspricht, versucht die gleichaltrige Ari (Jella Haase) damit gerade gegen ihr zwanghaft harmonisches Zuhause zu rebellieren. Die beiden Teenager, die im Mittelpunkt von Lollipop Monster stehen, könnten auf den ersten Blick unterschiedlicher nicht sein: Hier trifft ein stets Schwarz tragendes Emo-Mädchen auf eine in grelle Farben gehüllte Kawaii-Lolita. In der überzeichneten Comicwelt des Films entwickelt sich zwischen ihnen dennoch eine dramatische Freundschaft in der Tradition der Heavenly Creatures. So lernt Oona ihren Weltschmerz nicht länger gegen sich selbst zu richten, sondern dem Hass Luft zu machen. Dafür erlebt Ari nach einigen hastigen erotischen Begegnungen endlich auch Zuneigung und Anerkennung. Als die berechnenden Erwachsenen das frische Vertrauen der Mädchen fast zerstören, schlägt Hilflosigkeit jäh in Gewalt um.
Ziska Riemann, bekannt durch die Ziska & Seyfried-Comics, entwarf nach eigenen Erinnerungen zusammen mit ihrer Jugendfreundin Lucy van Org den Mädchenfilm, den beide in ihrer Pubertät selbst geliebt hätten. Neben überzeugenden Hauptdarstellerinnen sind hier Sandra Borgmann und Nicolette Krebitz als selbstgerechte Mütter treffend gegen den Strich besetzt. Auf der Berlinale gleich als Anti-Berliner-Schule-Film gelobt, schafft es Lollipop Monster mit tiefschwarzem Humor und einer Überfülle an Ideen dem Teenager-Innenleben eine plastische Gestalt zu geben: Zwischen dröhnenden Musikclips, rabenschwarzen Kohlezeichnungen, schrillem Barbie-Pop und wenigen glücklichen Momenten in Super 8 entfaltet sich die Verzweiflung derjenigen, die sich noch gegen das Bedrückende der Welt auflehnen und das monotone Leben der Erwachsenen gar nicht erst zu verstehen versuchen – es sei denn, jene hören dieselbe Musik.
Zum Kinostart am 25. August verlosen wir 3x2 Freikarten für Lollipop Monster.
LOLLIPOP MONSTER (Deutschland 2011) | Regie: Ziska Riemann | mit Jella Haase, Sarah Horváth, Sandra Borgmann , Nicolette Krebitz u.a. | Länge: 96 Minuten | Kinostart: 25.09.11
*
VIDEO: ZISKA RIEMANN - Lollipop Monster (Trailer)

TwitThis
Facebook
Buzz
del.icio.us
Google Bookmarks
Digg
Ping.fm
FriendFeed
Yigg
MisterWong.DE
Technorati
Netvibes
MySpace
Identi.ca
StumbleUpon




[...] Süddeutsche Zeitung – kino-zeit.de – critic.de - artechock - taz – Spex – [...]
[...] Süddeutsche Zeitung – kino-zeit.de – critic.de - artechock - taz – Spex – [...]