»Tonarbeiter« der Fabriken

conrad-schnitzler-con-2-plus-cover    CONRAD SCHNITZLER, Klangkünstler und Pionier der elektronischen Musik, ist am Donnerstag, den 4. August im Alter von 74 Jahren an den Folgen einer Magenkrebserkrankung in Berlin gestorben, wie seine Freunde gestern auf der offiziellen Fanseite des Künstlers mitteilten.

    Jan Kedves und Jens Strüver schrieben vor vier Jahren in der Einleitung zum Spex-Vorspiel für Schnitzler:

    Er war Schüler von Beuys, besorgte Kraftwerk einen ihrer ersten Synthesizer und legt bis heute Wert darauf, nicht als Musiker, sondern als »Tonarbeiter« bezeichnet zu werden: Conrad Schnitzler, kurz »Con«, entwickelte Ende der sechziger Jahre mit Dieter Moebius und Hans-Joachim Roedelius in der legendären Band Kluster eine der frühesten Formen von Industrial-Musik. Nicht instrumentales Können und klassische Harmonien, sondern einzig der Wille, den tosenden Lärm von Fabrikhallen zu imitieren, sollten Grundlage ihres akustischen Schaffens sein. Es kam bald zum Bruch.

    Roedelius und Moebius machten als Cluster (mit ›C‹) gefälliger weiter – u.a. mit Brian Eno –, Schnitzler, der zuvor bereits eine Schlosserlehre beendet und danach entschieden hatte, Künstler zu werden, blieb seiner Idee von industrieller Klangkunst treu. In diesem Jahr ist Schnitzler 70 geworden, was ihn nicht davon abhält, mit alten Synthesizern und modernsten Plug-Ins weiterhin am laufenden Band CDs zu produzieren, die er – selbst gebrannt und signiert mit einem Daumenabdruck – an Fans in Japan und den USA verschickt. Das Problem der Titelgebung hat Schnitzler für sich mit einem simplen und zugleich strengen System gelöst: Pro produzierter Stunde Klangmaterial verteilt er einfach eine Nummer. Aktuell ist er bei 430.

    Das Spex-Vorspiel, in dem Schnitzler von seiner Zeit an der Kunstakademie in Düsseldorf berichtete und erklärte, warum er die Deutschen für »von Natur aus schon immer ein bisschen meschugge« hielt, ist hier in ganzer Länge nachzulesen.

    Rest in Peace, Conrad Schnitzler!

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STREAM: CONRAD SCHNITZLER – Auf dem schwarzen Kanal