Text:
Alexis Waltz
House und Techno wurden in Chicago, Detroit und New York erfunden, aber seit mindestens zehn Jahren liegt der Nukleus dieser Musiken in Europa. Besonders die innerstädtischen Communities von Chicago und Detroit haben sich von der internationalen Entwicklung abgekoppelt. Dort dominiert seit Jahren ein trashig produzierter, extrem schneller House-Sound die Clubs, der Booty House oder Booty Bass und neuerdings auch Juke genannt wird. Indem die örtliche Breakdance-Szene diesen Stil an ihre Bedürfnisse anpasste, wurde ein neues Beat-Hybrid geboren: Footwork.
Erschienen in SPEX #334 09/10 2011 | 31.08.2011 21:30
Text:
Stephan Szillus
Das größte Kapital der Bay-Area-Rapperin KREAYSHAWN ist wohl ihre Unbekümmertheit. Ihr erster großer Youtube-Hit Gucci Gucci wobbelt auf Dubstep-Bässen und pumpenden 808-Subs dahin, während sie in quäkig-nasalem Tonfall rappt, als wäre die junge Roxanne Shanté zurück. In dem Song gehe es darum, »dass wir Frauen nicht die Modelabels definieren lassen sollten, wer wir sind«, sagt Kreayshawn, bürgerlich Nastassia Zolot. »Du solltest dich nicht über andere Menschen stellen, nur weil du eine verfickte Louis-Vuitton-Tasche hast.«
Erschienen in SPEX #334 09/10 2011 | 30.08.2011 19:36
Text:
Daniel Fersch
Knapp eine Woche ist noch Zeit, bis SPEX LIVE auf Tour durch die Republik geht. Höchste Zeit also, die wirklich wichtigen Fragen zu stellen. Etwa: Wo gibt es die Tickets? Oder auch: Für welchen Preis war Miracle Fortress 2007 nominiert? Die Antworten darauf, sowie Informationen über alle Bands, Termine und über unsere Ticketverlosungsaktion gibt es hier.
Text:
Holger Klein
Wenn es ein zentrales Verzeichnis der Genre-Benennungen gäbe, beim Eintrag zu Witch House würde man genervt weiterblättern, allein der Namensgebung wegen. Es will ja auch keiner mehr gewesen sein. Zwar mag der letztjährige Hype als laues Lüftchen auf der Strecke geblieben sein, dennoch gibt es abseits der Okkultismus-Fraktion Dinge in diesem musikalischen Dunstkreis zu entdecken, die noch nicht zum Klischee geronnen sind und die aller Gemeinsamkeiten zum Trotz woanders hinwollen. Da wären zum einen sich an das Südstaaten-Hiphop-Derivat Crunk anlehnende und auch mal in Richtung UK-Bass-Musik schielende Rhythmus-Tracks. Und auf der anderen Seite der Drang, in verwunschenem Habitus weit ins Ätherische zu entschweben.
Erschienen in SPEX #334 09/10 2011 | 28.08.2011 21:30
Text:
Daniel Fersch
Unter den Einsendungen zum Protestsong-Wettbewerb, den wir in diesem Frühjahr ausriefen, stach der Song Kranke Jugend von BOYS BEACH auf Anhieb hervor - nicht nur weil Fehlfarben-Sänger Peter Hein daran mitwirkte. Über Donna Hayward Discoinferno, die Dame hinter Boys Beach, war zu diesem Zeitpunkt nur wenig bekannt. Doch nun meldet sie sich mit der Junge Leute Heute EP zurück.
Text:
Daniel Fersch
Wenn in knapp zwei Wochen in Berlin die Musikmesse Popkomm beginnt, dann können sich die Hauptstädter über einen Mangel an parallel stattfindenden Konzerten und Veranstaltungen nicht beschweren. Das vielleicht spannendste Konzept hat dabei im Rahmen der Berlin Music Week das Festival ICAS SUITE zu bieten.
Text:
Daniel Fersch
Über ihren Twitter-Stream sendete ZOLA JESUS diese Woche Geburtstagsgrüße an den 1937 verstorbenen, von seiner Fangemeinde kultisch verehrten Horror-Schrifsteller H.P. Lovecraft. Dessen Bücher spielen im bisherigen Werk der 22-jährigen russisch-amerikanischen Sängerin eine nicht unbedeutende Rolle. Einen Vorgeschmack auf ihr drittes Album Conatus, das Ende September erscheint, bieten jetzt ein Video-Teaser und das vorab als Gratis-Download veröffentlichte Stück Vessel.
Text:
Nadin Wildt
Schon beim Betrachten des Albumcovers dieses Glasgower Trios fällt auf: Ihrem bisher eher friedlichen Indie-Folk versuchen SPARROW AND THE WORKSHOP durch eine leicht morbide Anmutung eine neue Facette abzugewinnen. Doch selbst in der Morbidität liegt bei ihnen etwas Niedliches, denn es handelt sich um den Totenschädel eines Vogels, vielleicht sogar eines Spatzes. Während das im letzen Jahr erschienene, etwas ziellose Debüt Crystal Fall des walisisch-schottisch-amerikanischen Trios weitgehend unbeachtet blieb, spiegelt sich die neue, düstere und kräftigere Stoßrichtung auch im Sound des Zweitlings Spitting Daggers wider – was der Sache nur gut tut.
Erschienen in SPEX #334 09/10 2011 | 24.08.2011 20:00
Text:
Holger Klein
NICKOLAS ASHFORD und seine Frau Valerie Simpson hatten in ihrer fünf Jahrzehnte währenden Karriere im Musikgeschäft nahezu alles erreicht: Gold- und Platin-Auszeichnungen, Nummer-Eins-Hits, und, und, und. 1979 wurden die beiden in einem Interview gefragt, was sie sich denn noch erträumen würden: »Wir möchten den einen Song schreiben, der jede Menge Freude und Glück verbreitet«, war die allzu bescheidene Antwort – denn die beiden haben doch mehr als nur ein solches Lied erschaffen.
Text:
Nadin Wildt
»Wir sind von einer Art / verstehen uns blind / weil wir dieselbe Gattung sind«, röhrt die fiktive Band Tier, deren Musik Alexander Hacke zum Script von Luci van Org und Ziska Riemann geschrieben hat, in LOLLIPOP MONSTER. Dieser seltsame Rammstein-Sound ist ausgerechnet das verbindende Element zwischen den konträren Figuren, Welten, sogar Generationen des Films. Während diese Düsternis ganz dem Wesen der depressiven Künstlerfamilie der 15-jährigen Oona (Sarah Horváth) entspricht, versucht die gleichaltrige Ari (Jella Haase) damit gerade gegen ihr zwanghaft harmonisches Zuhause zu rebellieren.
Text:
Jens Balzer
Zu den größten Überraschungen in der laufenden Konzertsaison gehörte der Auftritt von Tom Krell alias HOW TO DRESS WELL in Berlin in der Berghain Kantine. Nicht nur, dass Krell sich beim begleitenden Plausch im Biergarten als umfassend gebildeter und überaus kurzweiliger Gesprächspartner erwies, mit dem sich über die Philosophie von Schelling, Hegel und Frege (sein Dissertationsthema) ebenso gewinnbringend diskurrieren ließ wie über die Ess- und Ausgehgewohnheiten von R. Kelly, dessen Musik Tom Krell mindestens ebenso verehrt wie die Philosophie des deutschen Idealismus.
Erschienen in SPEX #334 09/10 2011 | 21.08.2011 11:30
Text:
Carolin Weidner
San Marcos – eine mittelkleine Stadt im staubigen Texas – hat nicht viel zu bieten, außer einem Outlet-Center und der Texas State University. Letztere führte immerhin die drei jungen Männer Nate Grace, Jesse Jenkins und Austin Youngblood zusammen. Deren Bandname Pure Ecstasy ward 2009 geändert in PURE X. Dieses X lässt sich aber nicht nur mit dem Wirkstoff MDMA assoziieren. Auch entsteht in Verbindung mit Pure daraus Purex – und dann wird es richtig chemisch. Denn PUREX ist das Akronym aus Plutonium-Uranium-Recoveryby-Extraction, und mehr: ein seit 1922 beliebtes Flüssigwaschmittel aus Los Angeles für kuschelige Wollpullover und schöne Farben.
Erschienen in SPEX #334 09/10 2011 | 20.08.2011 18:45