Text:
Daniel Fersch
Als Song an sich ist Watch Me Dance eher unspektakulär: Die Funkrock-Nummer aus dem Studio des britischen DJs und Produzenten TODDLA T ist ein netter Sommerhit zum Mitsummen, auf dem ROOTS MANUVA in seinem unnachahmlichen Rapstil von den Freuden des Tanzens schwärmt. Zwischen den Zeilen lassen sich jedoch auch Drogenbezüge aus dem Songtext herauslesen, was der Regisseur des Videos zu Watch Me Dance zum Anlass für ein symbolisches Ballett der bunten Pillen nimmt.
Text:
Gerd Janson
Das Konzept des Wunderkindes ist beliebt, besonders in der Musik. Menschen, die trotz oder gerade wegen ihrer Jugend sensationelle Fähigkeiten auf dem Gebiet der Klangerzeugung beweisen, können sich der Bewunderung ihres Alters und dem sich ins Unendliche fortsetzenden Echo darauf sicher sein. Man schlage bei Thomas Mann und seiner gleichnamigen Kurzgeschichte nach. Der Stuttgarter Danilo Plessow kennt die Leier.
Text:
Daniel Fersch
Seit 1965 dreht KLAUS LEMKE Filme außerhalb des Systems der deutschen Filmförderung. »Die Art, so Filme zu machen, halte ich für den letzten wirklich großen Jungensport«, sagt der ewige Bad Boy des deutschen Kinos. »Entweder man kriegt ein paar auf's Maul oder gelegentlich mal einen Kuss.« Spex-Redakteur Ralf Krämer hat Lemke bei den Dreharbeiten zu seinem neuen Projekt Berlin für Helden mit der Kamera besucht.
Text:
Daniel Fersch
Es ist eine seltsame Welt aus Celebrity-Besessenheit, Doppeldeutigkeit und linguistischen Späßen, die sich die in Berlin ansässigen Exil-Briten Inga Copeland und Roy Blunt für ihr gemeinsames Musikprojekt HYPE WILLIAMS zusammengezimmert haben. Das Spiel mit den Meta-Ebenen fängt schon bei den Pseudonymen der beiden Bandmitglieder an.
Text:
Daniel Fersch
»I thought, it was beautiful«, antwortete Jimi Hendrix einst in einer Talkshow, als er gefragt wurde, warum er die amerikanische Hymne in Woodstock so »unorthodox« gespielt habe. Man muss davon ausgehen, dass der Sänger und Songwriter BILL CALLAHAN im Grunde ganz ähnlich über jenes America! denkt, das er auf seinem neuen Album Apocalypse besingt.
Text:
Tim Caspar Boehme
Zwei Jahre Sendepause. In der Clubszene ist das eine ziemliche Ewigkeit. Bei ZOMBY, dem anonymen britischen Dubstep-Star, hatte es nach seinem gefeierten Debütalbum Where Were U in ’92? von 2008 gerade mal noch eine EP gegeben, dann ward nichts mehr von ihm gehört. Bis jetzt.
Erschienen in SPEX #333 07/08 2011 | 05.07.2011 15:00
Text:
Daniel Fersch
»Hier ist Platz für alle«, so lautet in einem Satz zusammengefasst die Botschaft des Songs Festung Europa, mit dem die Leipziger Electropop-Band BROCKDORFF KLANG LABOR den Protestsong-Wettbewerb von Spex und ByteFM für sich entschied. In dem Lied thematisiert das Trio die europäische Flüchtlingspolitik vor dem Hintergrund der Revolutionen und Unruhen in Nordafrika, und formuliert die poetische Vision eines offenen Europas, das einen sicheren Hafen für alle Verfolgten darstellt. Im brandneuen Video zum Song nimmt Sängerin Nadja von Brockdorff deshalb folgerichtig die Rolle einer Sirene ein, die mit ihrem Gesang die Flüchtlinge in dieses utopische Haus Europa zu locken versucht.
Text:
Daniel Fersch
Es ist das Weggelassene, das beim Hören von Re: ECM als erstes auffällt: Das Remix-Album, iür das die Produzenten Ricardo Villalobos und Max Loderbauer Stücke aus dem Katalog des Münchener Jazz- und Neue Musik-Labels ECM neu interpretiert haben, kommt fast völlig ohne das typische Techno-Element der geraden Kickdrum aus. Am kommenden Donnerstag stellt das Duo die Doppel-CD erstmals mit einem Live-Auftritt in Berlin vor - wir verlosen dafür 3x2 Eintrittskarten.
Text:
Stephan Szillus
Statt Bomberjacke und Karotte trägt er Röhrenjeans und Schlabbershirts. Musikalisch begeistert er sich für Drone Doom und sampelt die Chillwave-Hipster von How To Dress Well. Keine Frage, CASPER unterscheidet sich extrem vom aktuellen deutschen Hiphop-Durchschnitt. Dabei gehört der 28-jährige Bielefelder zu den technisch versiertesten MCs des Landes. Sein neues Album XOXO unternimmt den waghalsigen Versuch, all seine Einflüsse von Crunk bis Hamburger Schule unter einen Hut zu bringen – und meistert diesen Genre-Eiertanz über weite Strecken bravourös.
Erschienen in SPEX #333 07/08 2011 | 02.07.2011 20:00
Text:
Ulrich Gutmair
Man könnte meinen, seit die Daten in Lichtgeschwindigkeit um den Globus flitzen, wäre das globale Dorf auf denselben Takt synchronisiert. Stattdessen vermehren sich aber die Ungleichzeitigkeiten genauso wie die musikalischen Genres und die sie vermittelnden Kanäle. So sitzt man vor seinem Rechner und ärgert sich, dass einem das Trio BORIS bis jetzt entgangen ist. Dabei besteht der ganze Witz von Boris darin, sich mittels eines minimalen Rockinstrumentariums von Bass, Gitarre, Schlagzeug und Stimme eine ziemlich unwahrscheinliche Kombination unterschiedlicher Genres und Traditionen der letzten vierzig Jahre Popmusik einzuverleiben. Psychedelischer Rock und Heavy Metal treffen auf Punk, New Wave, Postrock und Techno. Can hören sich eben doch anders an, wenn man Basic Channel kennt.
Erschienen in SPEX #333 07/08 2011 | 01.07.2011 14:00