Ein Monat im »Madhouse«

Der Produzent Andi Teichmann berichtet von seinen Erfahrungen mit dem deutsch-kenianischen Musikprojekt BLNRB

Text:

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    Vor zwei Jahren lud das Goethe-Institut in Nairobi den Technoproduzenten Andi Teichmann ein, in der kenianischen Hauptstadt bei einer Vernissage aufzulegen. Der Auftritt wurde zum Ausgangspunkt für das Austauschprojekt BLNRB (Berlin-Nairobi). Bei weiteren Besuchen in Ostafrika knüpfte Teichmann, der zusammen mit seinem Bruder Hannes das Duo Gebrüder Teichmann bildet, erste Kontakte mit kenianischen Musikern, die Interesse an einer Zusammenarbeit zeigten.

    Anfang 2010 brachen schließlich drei Berliner Bands – die Teichmann-Brüder, Modeselektor und Jahcoozi – nach Nairobi auf, um einen Monat lang in einem eigens eingerichteten Tonstudio mit kenianischen Musikern wie Ukoo Flani, Nazizi, Mister Abbas und Just a Band an gemeinsamen Stücken zu arbeiten. Das Ergebnis des Experiments ist nun als Album bei Out Here Records erschienen. BLNRB – Welcome to the Madhouse lautet der Titel der CD, denn das Tonstudio in Nairobi entwickelte sich durch Mundpropaganda zu einem viel frequentierten Treffpunkt, an dem immer wieder spontan neue Künstler auftauchten – weshalb es von allen Beteiligten nur noch »Madhouse« genannt wurde.

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INTERVIEW: Andi Teichmann

 

andi-teichmann-blnrb-2Welche Erwartungen hattet ihr, als ihr nach Anfang letzten Jahres nach Kenia geflogen seid?

    Es war ein großes Experiment und zwar in musikalischer, sozialer, wie auch kultureller Hinsicht.  Wir haben sehr viel Zeit auf engem Raum miteinander verbracht und es war nicht von Anfang an klar, wo die Reise hingeht. Es war auch nicht wirklich zwingend geplant, dass am Ende ein Album dabei herauskommt. Man hat sich aneinander herantasten müssen und sehen, was passiert. Das war eigentlich das Spannende an dem Projekt, und im Rückblick denke ich, dass jede Seite um einen wahnsinnigen Erfahrungsschatz reicher geworden ist.

Zum Beispiel?

    Etwa, dass ich öfter mal dachte: »So, ich möchte jetzt einmal die Türe zu machen und meine Ruhe haben. Ich mag nicht immer 24 Stunden lang mit 100 Leuten rumhängen und alles teilen.« Im Laufe des Monats, den wir in Nairobi verbrachten, hatte es sich herumgesprochen, dass wir da sind, und es kamen immer mehr Musiker oder andere Leute im »Madhouse« vorbei, die nicht von vornherein eingeplant waren. Rund um die Uhr kamen da einfach mal wieder ein paar MCs hereingeschneit und haben gesagt: »Hey, jetzt hab ich Lust, lass uns was aufnehmen!« Über vier Wochen hinweg geht das natürlich nicht! Irgendwann muss man schlafen, und irgendwann muss man auch all die schönen Aufnahmen bearbeiten. Aus solchen Gründen gab es dann auch wirklich mal Streit.

Gab es auch musikalisch unterschiedliche Auffassungen oder Reibungspunkte?

    Auf jeden Fall gab es unterschiedliche Herangehensweisen. Zum einen dass die Deutschen – das ist jetzt echt ein Klischee, aber das stimmt irgendwie – sehr viel technischer denken. Das heißt, wir waren sehr penibel, wollten alles zehn Mal machen und immer weiter perfektionieren. Das wird in Kenia, gerade wenn man mit MCs und Sängern arbeitet, ganz anders gemacht. Dort wird eher schneller aufgenommen und nicht alles so super genau auf den Punkt bearbeitet. Dafür geht es mehr um die Lebendigkeit der Aufnahmen, und um Spontanität.

    Den Kenianern waren hingegen unsere Beats ziemlich fremd, vor allem die eher finsteren. Sie mussten sich erst daran gewöhnen, dass bei uns nicht immer alles positiv klingt. Da mussten wir einen Mittelweg finden.

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VIDEO: TEICHMANN BROS. feat. ABBAS, LON JON & KIMYA – Dirty Laundry (Soul Boy Soundtrack)

 

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Welchen sozialen Hintergrund haben die kenianischen Musiker, mit denen ihr gearbeitet habt?

    Die 25 kenianischen Musikern sind wirklich ein Querschnitt durch die gesamte Gesellschaft. Die Rapperin Nazizi war zum Beispiel schon sehr erfolgreich, hat Mann und Kind und eine kleine Villa. Auch unsere kenianischen Produzenten-Kollegen von Just a Band hatten in dem Jahr, als wir dort waren, in  Kenia großen Erfolg und sind ziemliche Stars geworden. Andere leben dagegen wirklich auf der Straße. Dazwischen gibt es alles: Die gesamte Spannweite.

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