Rebellion eines Heiseren

casper-by-kristin-loschertFoto: Kristin Loschert

    Statt Bomberjacke und Karotte trägt er Röhrenjeans und Schlabbershirts. Musikalisch begeistert er sich für Drone Doom und sampelt die Chillwave-Hipster von How To Dress Well. Keine Frage, CASPER unterscheidet sich extrem vom aktuellen deutschen Hiphop-Durchschnitt. Dabei gehört der 28-jährige Bielefelder zu den technisch versiertesten MCs des Landes. Sein neues Album XOXO unternimmt den waghalsigen Versuch, all seine Einflüsse von Crunk bis Hamburger Schule unter einen Hut zu bringen – und meistert diesen Genre-Eiertanz über weite Strecken bravourös.

    »Ich habe in meiner Jugend The Smiths und Morrissey gehört, später Tocotronic und Blumfeld, aber auch Fehlfarben oder Slime. Insofern ist mein neues Album ein erstmaliges Darlegen meiner musikalischen Sozialisation«, so Casper. Der Sohn eines US-Soldaten und einer deutschen Mutter, der zur Hälfte in einem Trailerpark in den amerikanischen Südstaaten und zur Hälfte in der ostwestfälischen Provinz aufgewachsen ist, will Hiphop wieder cool machen – und mutiert dabei regelrecht zum Songwriter. Über zwei Jahre lang hat er mit seinem Team in Berlin, wo er seit letztem Jahr auch lebt, an XOXO gearbeitet. Neben Thees Uhlmann von Tomte waren an der Produktion Steffen Wilmking, Drummer von Timid Tiger, und Rapper-Kollege Marteria beteiligt.

    »Zwischendurch war es ein absolut vertracktes Kunstprojekt. Wir haben eben keine Standard-Rap-Platte gemacht, sondern versucht, alles zusammenzubringen.« In den Songs, die Casper im charakteristisch heiseren Tonfall rappt, geht es um gescheiterte Beziehungen, juvenile Rebellion, um Tod und ein latentes Gefühl des Aufbegehrens. Emo-Rap lautet der Neologismus, mit dem man diesem Stil noch am ehesten habhaft wird. Die Klischees des deutschen Gangster-Rap – Homophobie, implizite Räuberpistolen etc. – sind hier meilenweit entfernt. »Ich möchte lieber für etwas anderes stehen«, sagt Casper.

CASPERXOXO | LABEL: Four Music | VERTRIEB: Sony | : 08.07.2011

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VIDEO: CASPER – Der Druck steigt / Blut sehen

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CASPER live:
07.07. München – Atomic Café
08.07. Moosburg an der Isar – Red Corner Festival
09.07. Gräfenhainichen – Ferropolis (Splash! Festival)
22.07. Bochum – Bochum Total
23.07. Bad Doberan – Searock Festival
30.07. Großefehn – Oma´s Teich Festival    
05.08. Bad Oeynhausen – Parklichter 2011
06.08. Horb am Neckar – Mini Rock Festival    
13.08. Hamburg – Dockville
19.08. Fischbachtal – Nonstock Festival    
20.08. Wirges – Spack Festival
26.08. Trier – Exhaus (Landstreicher Festival)
10.09. Berlin – Flugahafen Tempelhof (Berlin Festival)    
17.09. Kummerfeld – Ackerfestival
24.09. Berlin – Astra