Die Signifikanz des Hintern

zuzuka_poderosa_entra_e_saiVideo-Standbild: Zuzuka PoderosaEntra e Sai

    Jedes Jahr an Pfingsten wird Berlin zu einer Partyzone der besonderen Art: Beim Karneval der Kulturen übernehmen die Stadtbewohner aus aller Welt die Straßen von Kreuzberg und zelebrieren die Musik- und Karnevalskulturen ihrer Herkunftsländer. Einen passenderen Termin hätten sich die Veranstalter des Festivals RADICAL RIDDIMS nicht aussuchen können, denn während nur ein paar Straßen weiter die mobilen Danchall-Reggae- und Soca-Soundsysteme auf der Karnevalsparade ihre Runden ziehen, stellen sie in den Räumen der Galerie Schau Fenster und des Clubs Ritter Butzke verwandte Stile aus dem globalen Bassmusikuntergrund vor.

     Unter dem Begriff Global Ghettotech fassen die beiden Kuratoren der Veranstaltung, Christine Lang und Christoph Dreher, Genres wie Baile Funk, Baltimore Bounce, Kuduro, Kwaito oder auch Dubstep zusammen. In der Ankündigung des Festivals heißt es über diese:

»Es handelt sich um ultra-referenzielle, hybride Musiken, hergestellt auf preiswerten digitalen Instrumenten, die zu einem großen Teil in den Soundsystem- und Dancehallkulturen der Favelas, Townships und Banlieus entstehen, über das Internet eine schnelle weltweite Verbreitung und Rezeption erfahren und im nächsten Schritt in hyper-hybriden Musikstilen weiterverarbeitet werden.«

    Das Festival bietet neben Partys auch Filme und Vorträge: Auf der Clubbühne stehen unter anderem Sissy Nobby als Vertreter für den New Orleans Bounce, der südafrikanische Kwaito-MC und Musiker Spoek Mathambo, der Baile-Funk-Veteran DJ Edgar aus Rio de Janeiro und die in New York lebende, brasilianische Rapperin Zuzuka Poderosa. Das Film- und Vortragsprogramm befasst sich aus Gender-Studies-Perspektive mit den oft hypersexualisierten Tanzstilen der »Global Ghettotech«-Szenen. So geht es im dänischen Dokumentarfilm Man Ooman von Andreas Johnsen und Rasmus Poulsen um die Wechselbeziehung von Sex und Tanz im jamaikanischen Dancehall-Reggae und die Kulturwissenschaftlerin Astrid Kusser stellt in ihrem Vortrag mit dem Titel The Riddle of the Booty ihre Forschungsergebnisse zur Signifikanz des Hinterns in der amerikanischen Kultur vor.

    Die dabei gewonnenen Erkenntnisse lassen sich auch abseits des Festivals praktisch umsetzen: Bei der Karnevalsparade zum Beispiel oder bei einer der zahlreichen After- und Off-Carnival-Partys in der Stadt.


VIDEO: Man Ooman (Trailer)

Spex präsentiert RADICAL RIDDIMS: GLOBAL GHETTOTECH Festival:
10.06.-18.06. Berlin — Ritter Butzke / Galerie Schau Fenster
mit: Sissy Nobby, Spoek Mathambo, DJ Edgar, Zuzuka Poderosa, Daniel Haaksman, u.v.m.

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