Die Hippies kommen, die Hipster gehen

MOON DUO bringen ihren psychedelischen Noise-Rock nach Berlin

Text: Lutz Happel

moonduo2     Haight-Ashbury avancierte vor über einem halben Jahrhundert zu einem Hauptquartier der amerikanischen Gegenkultur. Zwar ist der Stadtteil inzwischen eine Touristenattraktion für Batikschlaghosen-Fans, und der Begriff des Hipsters wird längst nicht mehr mit Jack Kerouac, sondern mit sehr engen Röhrenjeans assoziiert. Dennoch ist San Francisco immer noch ein guter Ort für musikalische Bewusstseinserweiterung – meint Ripley Johnson, die rauschbärtige Hälfte von MOON DUO.

    Als die Band Wooden Shjips, in der Johnson sonst singt, vor vier Jahren ihr Acid-Rock-Debüt veröffentlichte, zeigte das Coverfoto ihn und die restlichen Mitglieder auf den Stufen eines Hauses in Haight-Ashbury herumsitzen. Und auch als Moon Duo huldigt er mit seiner Freundin und Bandkollegin Sanae Yamada dem »spiritual home«. Auf ihrem ersten Album Mazes – es hätte genauso gut On the Road heißen können – spielen die beiden staubtrocken vor sich hinschraddelnden Psychedelic Rock und beschwören den Roadtrip, diese in der US-amerikanischen Kulturgeschichte tief verankerte Liebesbeziehung zwischen Mensch, Land und Auto.

    So wie einst die Drop-outs an die Westküste rollten, halluzinieren sich Moon Duo mit ihrem Minimal-Setup aus Gitarre, Keyboard und Drum Machine tief in die frühen Sechziger hinein und verbinden den Ethos des Wüstenrocks mit der Ästhetik repetitiver Noise-Experimente der frühen The Velvet Underground. Hier hört es mit der West-Coast-Bezüglichkeit dann allerdings auf. Denn Velvet Underground schraddelten natürlich drüben an der Ostküste, abgesehen davon leben Moon Duo inzwischen auch nicht mehr in San Francisco. Sie haben ein paar Wüsten in Richtung Osten durchquert und sich in einem Häuschen in den Bergen Arizonas niedergelassen. Das urbane Post-Beatnik-Leben war schlicht nicht mehr zu bezahlen. Haight-Ashbury ist heute dort, wo es sich hippe Gentrifizierungs-Flüchtlinge neu zusammenbauen.

    Am 27. April sind Moon Duo im Berliner Club West Germany (verlegt in den Festsaal Kreuzberg) live zu hören - präsentiert von Spex.


VIDEO: MOON DUO - Killing Time

Spex präsentiert MOON DUO live:
27.04. Berlin - West Germany Festsaal Kreuzberg

MOON DUO: Mazes | LABEL: Southern Transmissions | VERTRIEB: Rough Trade | : 01.04.2011

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4 Kommentare:
  1. Dieser Kommentar ist ein Trackback von Song des Tages » Blog Archive » Wooden Shjips: For So Long:

    [...] MySpace, Spex [...]

     
  2. Dieser Kommentar ist ein Trackback von AnaLogue’s zonderbarkeiten | lowtape.com:

    [...] als die Kollegen vom Spex Magazin kann ich die Band aus Frisco selbst nicht [...]

     
  3. Dieser Kommentar ist ein Trackback von Spex - Magazin für Popkultur » Horrortrip mit Moon Dou:

    [...]  Das Raumschiff setzt wieder zum Tiefflug an. Nach seinem Berliner April-Konzert ist das MOON DUO mit Wahlheimat in Colorado erneut in der Hauptstadt und, erstmals, auch in [...]

     
  4. Dieser Kommentar ist ein Trackback von Spex - Magazin für Popkultur » Moon Duo Circles:

    [...] »Die Hippies kommen, die Hipster gehen.« So lautete vor anderthalb Jahren die so griffige wie verwirrende Überschrift eines Artikels über Moon Duo in dieser Zeitschrift. Eigentlich ging es um Haight-Ashbury als einstigen Hippie-, dann Hipster- und zwischendurch wieder Hippie-Stadtteil San Franciscos, aus dem Ripley Johnson und Sanae Yamada alias Moon Duo zu diesem Zeitpunkt auch schon wieder weggezogen waren. Wie gesagt: verwirrend. Am besten nennt man Yamada und Johnson einfach Hippie-Hipster, denn 60er-mäßiger als die beiden kann man kaum sein, selbst wenn man den Bandnamen außer Acht lässt. Wie Nomaden ziehen sie durch die USA, lassen sich mal hier (San Francisco) und mal dort (Arizona, Rocky Mountains) nieder, und man kann sich gut vorstellen, dass sie dabei in einem mit Blumen bemalten Uralt-Van unterwegs sind. [...]

     
 
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