Text:
Michael Lutz
Seit seinem Solodebüt »Tomorrow Right Now« aus dem Jahr 2003 gilt der New Yorker MC Beans als Meister der Akkumulation von Stilen. Anders als in seiner Arbeit mit High Priest, M. Sayyid und Earl Blaize, dem zwischenzeitlich wiedervereinigten Antipop Consortium, sind seine Solotracks nicht selten eine Hommage an legendäre Gerätschaften der Achtziger wie die Roland TR-808-Drum-Machine. Gleichzeitig baut Beans diese trockenen Rhythmen aber mit synthetischem Programming aus, das in den Nullerjahren insbesondere für das Label Warp, bei dem fast alle bisherigen Beans- und Antipop-Alben erschienen, charakteristisch wurde.
Erschienen in SPEX #331 03-04.2011 | 30.03.2011 16:26
Text:
Walter W. Wacht
Wer auf einen Konzertbesuch der einzigen Club-Show von The Kills in Berlin spekulierte, derzeit aber noch kein Ticket besitzt – Pech gehabt: die Show im Huxley’s ist ausverkauft. Schon im Januar des Jahres haben Alison Mosshart und Jamie Hince die Promo-Maschine für ihr neues Album »Blood Pressures« angeworfen, die logische Konsequenz: große Vorfreude auf ihr viertes Studioalbum und ein damit ausverkauftes Konzert. Zwei Trostpflaster gibt es allerdings:
Text:
Michael Lutz
Der Zufall spielt wie immer mit – zum Beispiel bei Jean-Luc Godard, der 1968 eigentlich einen Protestfilm über englische Abtreibungsgesetze drehen wollte, letzten Endes aber den Rolling Stones im Studio über die Schulter guckte. In »One plus One« dokumentiert er neben der Entstehung der Hymne »Sympathy for the Devil« gleichermaßen die Jugend beim Parolensprühen (»Cinemarx«) und die Entstehung der Black-Power-Bewegung, hier nachgestellt auf einem Autofriedhof. Beim Berliner Musik-Film-Marathon werden über zwei Wochen hinweg weitere vierzig ähnlich beeindruckende Filme gezeigt, die verdeutlichen, welche gesellschaftlich-kulturellen Impulse durch das Medium Musikfilm eingefangen werden können. Am 30. März steht zudem ein von dem früheren Spex-Chefredakteur Max Dax und Spex-Musikvideoblogger Moritz Schmall kuratierter Musikvideo-Abend auf dem Programm.
Text:
Walter W. Wacht
Here, here, the new Radiohead-newspaper »The Universal Sigh« with today’s topic: The Woods!! So marktschreierisch sich der Eingang dieses Textes liest, so treffend ist er. Die Ankündigung der Gruppe Radiohead um die weltweite Verteilung einer Zeitungsausgabe wurde vergangene von großem Pressewirbel begleitet – wie in den letzten Jahren immer, wenn Thom Yorke und Band ein neues Projekt lancierten. Ein guter Anlass für eine Blattkritik zu »The Universal Sigh«.
Text:
Walter W. Wacht
Seit 2005 war er ein festes Mitglied von TV On The Radio, in Zukunft wird sich Gerard Smith aber ganz auf sich selbst konzentrieren – müssen. Der Bassist der amerikanischen Band erhielt kürzlich eine Krebsdiagnose, an den Aufnahmen zu ihrem neuen Album »Nine Types of Light« hat Smith aber noch mitgearbeitet. Die Band veröffentlichte derweil das Musikvideo zu »Will Do«, das gleichzeitig einen Ausblick auf den Albumbegleitenden TVOTR-Film »Nine Types of Light« zu geben scheint.
Text:
Thomas Meinecke
»Today’s dancefloors are wakes in remembrance of a mythological era of openness that never was. Remember where you were. See where you are … I’m in Kami-Sakunobe.« Mit diesen Sätzen eröffnet das Booklet zur aktuellen CD der Kami-Sakunobe House Explosion (K-S.H.E.) des Terre Thaemlitz. Und ich kann mich in diesem Zusammenhang besonders gut an einen Moment (where I was) erinnern: Zürich (of all places), 2003, zuerst gemeinsam mit Terre Thaemlitz als genetisch männliche Feministen auf einem Podium in der Shedhalle, sechs Stunden später im Bogen 13 des alten, das Industriequartier überspannenden Eisenbahnviadukts beim Clubbing: Terre jetzt als DJ Sprinkles in action, ich als ›deck shark‹, jene Deep-House-Music genießend, von der ich immer nur gehört hatte, dass er (respektive sie) sie bereits ein Jahrzehnt vorher in den Tranny-Bars um den New Yorker Times Square aufgelegt hatte.
Erschienen in SPEX #331 03-04.2011 | 23.03.2011 09:03
Text:
Patricia Vetter
Ihre Stimme klang nach reinem Gold und in den hysterischeren Momenten auch nach ewig währender Gospelverzückung. Ohne sie wäre Disco um eine voluminöse Diva, und die elektronische Musik um eine äußerst beliebte Samplequelle ärmer gewesen. Loleatta Holloway, 1946 in Chicago geboren und als Kind bei den Holloway Community Singers – dem Gospelchor ihrer Mutter – ausgebildet, ist gestern, so meldet die Webseite Spinning Soul, im Alter von 64 Jahren gestorben.
Text:
Elias Kreuzmair
»Eine archetypische Independent Band« sei Wye Oak – so steht es im Geleitschreiben zu »Civilian«, dem dritten Album dieses Duos aus Baltimore. Natürlich, denkt man und gähnt. Sängerin Jenn Wasner bedient ja eine Gitarre und das entspricht der landläufigen Definition dessen, was ›Indie‹ ist. Dabei liegt das Problem des Begriffs natürlich in seiner Sinnverschiebung: Früher waren Bands ›Indie‹, sobald sie nicht bei Majors verlegt wurden, heute dürfen sie ob ihres Erfolgs durchaus dort landen – ›Indie‹ bleiben sie, weil sie mit ihrer Musik eine spezifische Ästhetik bedienen. Umso schöner ist es, auf eine Band zu treffen, die sich gegen die Vereinnahmung durch dieses Indie-Verständnis sträubt und stattdessen auf zwei Dinge setzt: freiwillige Selbstbeschränkung und kleine Formen. »Civilian« besteht aus zehn selbstvergessenen Songs, die auf den Moment und nicht auf Überwältigung aus sind. Reduktion lautet hier die Devise.
Erschienen in SPEX #331 03-04.2011 | 22.03.2011 09:00
Text:
Walter W. Wacht
Wo ist Dubstep? Oder anders gefragt: Wo ist Housemusik? Darren Cunningham alias Actress schob Anfang des vergangenen Jahres mit seinem Album »Splazsh« erfolgreich die Genretektonik an, die Musiken begannen seitdem immer mehr zu driften und sich zu reiben: Joy Orbison veröffentlichte zuletzt immer mehr von geraden Beats geprägte Tracks oder legte konsequenterweise auch gleich House statt Dubstep auf – so geschehen u.a. 2010 im Horst Kreuzberg, was auf der Tanzfläche durchaus für Irritationen ob der musikalischen Taktung sorgte. Mit dem neuesten Teil der Reihe »fabric Live« gibt nun der 22-jährige Produzent David Kennedy einen Überblick über seinen Output unter den Pseudonymen Ramadanman und Pearson Sound.
Text:
Ulrich Gutmair
Chuckamuck haben es drauf. Nonchalant spielen sie ihren Garagenpunk, der manchmal auch nach Beat klingt. Sie schmeißen mit Melodien um sich, schreiben Songs mit viel Oh-oh-oh und Ah-ah-oh-oh-oh, bearbeiten Schlagzeug, Bass und zwei Gitarren mit Drive und Gefühl.
Erschienen in SPEX #331 03-04.2011 | 21.03.2011 11:12
Text:
Michael Lutz
Mit schweißtreibendem Einsatz domptiert Tobias Jundt sein in Anzahl und Form ständig changierendes Kollektiv über die Bühnen des Landes. Moment mal, ›sein‹ Kollektiv? Jawoll, denn Jundt bezeichnet sich selbst als »verantwortungsbewussten Diktator« – ein Widerspruch, der für den Bonaparte-Vorstand allerdings gar keiner ist. Denn es gibt in dieser Band weder Ideal noch Demokratie, dafür aber einen unbezwingbaren Willen zum Wahnsinn und jede Menge bunter Zirkusgarderobe. Im April kann man sie ein letzte Mal mit dem Album »My Horse Likes You« live sehen.
Text:
Walter W. Wacht
Ein bisschen Blut, ein wenig reingrätschen, etwas auf die Nase und die obligatorischen Schäferhunde – ansonsten bleibt in der Welt der Reklame alles beim Alten: Niederlagen, Erfolge, große Emotionen. Der französische Regisseur Romain Gavras (u.a. M.I.A.s »Born Fee«) zeichnete für die aktuellste Werbekampagne eines deutschen Sportartiklers verantwortlich, im neuen Clip laufen die bekannten Testimonials auf: die Fußball-Profis David Beckham und Lionel Messi, die Leichtathletin Blanka Vlašić sowie die Musiker B.O.B (Bobby Ray Simmons) und Katy Perry. Die wahren Stargäste dürften aber mittlerweile Justice sein, die für den Clip einen Ausschnitt ihrer neue Single »Civilization« zur Verfügung stellten.