»Oh how I miss you«
Trish Keenan, die Sängerin von Broadcast, ist tot
Text: Patricia Vetter
Trish Keenan, die Sängerin der britischen Band Broadcast, ist heute morgen um 10 Uhr deutscher Zeit gestorben. Wie ihr Label Warp mitteilt, befand sie sich aufgrund einer schweren Lungenentzündung seit zwei Wochen in Behandlung im Krankenhaus. Einem gestern auf Facebook veröffentlichten, inzwischen wieder gelöschten Posting zufolge hatte sie sich auf einer Australienreise im Dezember mit dem H1N1-Virus (Schweinegrippe) angesteckt. Eine Infektion, von der sie sich tragischerweise nicht erholen konnte.
Wir werden Trish Keenan, die Broadcast im Jahr 1995 gemeinsam mit Roj Stevens, Tim Felton und James Cargill in Hungerford gründete, als charismatische Frontfrau mit reizend ätherischer Ausstrahlung erinnern. Die Sängerin schien einerseits häufig – passend zum Sixties-orientierten Neo-Psychedelia-Sound ihrer Band – aus der Zeit gefallen mit ihrem schwarzen Eyeliner und dem etwas zu langen, schwarzen Pony, gleichzeitig war sie unvoreingenommen interessiert an sämtlichem Neuen und Unbekannten. So zeigte sie sich 2003, in einem Interview zum zweiten Broadcast-Album »Haha Sound«, beinahe eingeschüchtert angesichts der Fülle des von ihr noch zu entdeckenden, möglicherweise für ihre eigene Musikpraxis nutzbar zu machenden Kulturwissens (»Es gibt so viele Sachen, von denen man noch gar nichts weiß, das ist fast schon deprimierend.«), gleichzeitig schwärmte sie von Carl Orff, Gertrude Stein und von alten sowie zeitgenössischen Avantgarde-Bands wie Singers, Charalambides, October Country, Lightning Bolt und Circle.
Die letzte, in Zusammenarbeit mit The Focus Group entstandene Broadcast-Veröffentlichung »Broadcast & The Focus Group Investigate Witch Cults of the Radio Age« nahm vor eineinhalb Jahren die jüngst zu beobachtende Konjunktur von Geister- und Hexenmythen im Pop voraus und wurde im englischen Fachmagazin The Wire zum Besten Album des Jahres 2009 gewählt.
Rest in peace, Trish.
STREAM: Broadcast - Oh How I Miss You

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