Keine käuflichen Idioten

Was kommt logischerweise nach Ja, Panik? Natürlich: Japanische Kampfhörspiele! Die aus Krefeld und Essen operierende Grindcore-Band macht nach 13 Jahren Schluss, dem Ende der Band sollen aber zahlreiche Solo-Projekte folgen. Vor der Selbstauflösung stehen aber noch das neue Album »Kaputte nackte Affen«, eine letzte Show in München und ein Tribute-Album an, zu dem jeder seinen Teil beitragen kann.

    Die ersten Musiker haben sich bereits mit konkreten Ideen bei Japanische Kampfhörspiele (JAKA) gemeldet, aber auch jedem anderen Fan und Musiker steht die Teilnahme offen. Bedienen darf man sich dabei des gesamten Katalogs, und der ist nun wirklich nicht gerade klein. Christof Kather, Sänger und Texter der JAKA, erläuterte uns das Procedere: »Bei der Umsetzung ist denkbar weitester Spielraum gegeben. Mit Glück werden auch Gameboy-Künstler, Singer/Songwriter und Filmkomponisten mit von der Partie sein, die dann hoffentlich superstrange Interpretationen von JAKA-Songs abgeben.« Zwei Tribute-Songs wurden bereits fertig gestellt, bis Mitte 2011 kann man die eigenen Cover- bzw. Tribute-Versionen per Post oder digital einreichen, veröffentlicht wird das Tribute-Album dann im Laufe dieses oder des nächsten Jahres.

    Zur Auflösung der Band sagt Kather: »JAKA haben halt alles bzw. viel mehr erreicht, als sich Klaus (Nicodem) und ich 1998, als wir JAKA gründeten, erträumt hatten. Als wir starteten, kam es auf nichts an. Wir wollten gar nicht nach oben. Klaus war sogar, kurz bevor ich ihn kennen lernte, gerade im Begriff gewesen sein Gitarren-Equipment zu verkaufen. Auf Erfolg, was immer das heißt, haben wir gepfiffen. Wir wollten Musik machen, aufnehmen, und waren mit Veröffentlichungen im Internet oder in Form von selbstgebrannten CDs vollkommen zufrieden. Dann kam, weil nicht bestellt, der Erfolg. Und wir fanden ihn auch super. Labels haben sich um uns gerissen, Auftrittsangebote bis nach Amerika, zuletzt sogar die Möglichkeit, selber ein Label zu gründen.«

    Auf diesem Label, UnUnDeux Records, erscheint in Kürze auch das letzte JAKA-Album, »Kaputte nackte Affen«. Die beiden neuen Songs »Die Krone der Schöpfung« und »Grillanzünder« hört man jetzt schon im Stream. Wird der Erfolg für JAKA damit weitergehen? Kather ergänzt: »Plötzlich verdienten wir richtig fett Kohle mit dem Scheiß und mischten immer weiter oben mit. Seit 2009 wurden JAKA sogar von den traditionellen Heavy-Metal-Magazinen gefeiert. Das muss man sich mal vorstellen: JAKA, diese Feuilletonflitzpiepen mit ihren möchtegern-sozialkritischen Texten, gleichberechtigt neben anständig zutätowierten, vollkommen unangepassten Metalcore-Bands! Und das, obwohl JAKA ja nun wirklich immer versucht haben, nicht zuviel Aufsehen zu erregen und bloß nicht allzu viele Leute anzusprechen. Als uns dann Anfang 2010 die Spielzeugfirma HABA und der Turnschuhfabrikant Converse Werbeverträge anboten, wurde es langsam mal Zeit, die Notbremse zu ziehen und dem Spuk ein Ende zu bereiten. Auf keinen Fall sollten JAKA als käufliche Idioten ins Internet eingehen. Wir machten uns also sofort daran, das Abschiedsalbum aufzunehmen und alle Vorkehrungen für unsere Auflösung zu treffen.«

    Und apropos »Feuilletonflitzpiepen«: Auch dieses Magazin hat JAKA im Rahmen der Reihe »Kunstsprache« im letzten Jahr ordentlich abgefeiert, vgl. Spex #325. Ihren letzten Auftritt spielen JAKA Ende Januar in München, Karten für die Show im Feierwerk sind erhältlich. Für die Zukunft haben die fünf Musiker auch schon einiges geplant: Christof Kather kann sich Mädchendreck als Namen einer Blackmetal-Band vorstellen, daneben will er mit Christian Neumann (Jack Slater) und Robert Nowak an ihrem gemeinsamen Projekt Fake Idyll weiterarbeiten. Nowak hat JAKA bereits 2008 verlassen, wird aber auf »Kaputte nackte Affen« als Gast auftreten und bis dahin bei Phobiatic spielen. Außerdem: »Kabuul machen so etnischen Metal, vorrangig Beats mit unkonventionell gesetzten Snares«, dort werden neben Kather auch Martin Freund und René Hauffe mitmischen.

    Und wie sich das mit den Tribute-Songs anhören könnte, kann man nun auch schon abschätzen: Einen Dronebient-Remix des JAKA-Songs »Die Opfer und die Täter« von All N4tural gibt es bereits zu hören.

 


STREAM: Japanische Kampfhörspiele – Die Opfer und die Täter (All N4tural Remix)

Japanische Kampfhörspiele Live:
29.01. München – Feierwerk / Hansa39 (mit Totenmond, Drecksau, Grantig)