Editorial Spex #330
Die Orgie geht weiter
Text: Jan Kedves, Wibke WetzkerDie neue Spex #330 ist ab dem 17. Dezember am Kiosk erhältlich. Wibke Wetzker und Jan Kedves geben in ihrem ersten gemeinsamen Editorial als Chefredakteure der Spex einen Überblick über die Themen und neuen Schwerpunkte in Spex und die Veränderungen innerhalb der Redaktion.

Die Spex-Redaktion im Moment nach ihrer Neuformation. Hinten v.l.n.r.: Wibke Wetzker, Patrick Klose, Jan Kedves, Anne Waak, Walter W. Wacht; vorne v.l.n.r.: Mario Koell, Kristina Schilke, Daniel Fersch, Lutz Happel
Foto: © Norman Konrad / Spex
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
herzlich willkommen zur Spex-Ausgabe #330, einem Heft, das mit dem Jahresrückblick und den Jahrescharts nicht nur eine zeitliche Zäsur setzt. 2010 war ein Jahr der kleinen und größeren Umbauten in der Spex-Redaktion, und an dieser Stelle möchten wir daher gleich mit einem Irrtum aufräumen: Die SZ vermeldete am 14. Oktober 2010, unser ehemaliger Chefredakteur Max Dax habe Spex aufgrund von »Sparmaßnahmen in der Redaktion« und eines Streits um die Nachbesetzung einer freigewordenen Stelle verlassen; die Meldung wurde von verschiedenen Medien ungeprüft übernommen. Any publicity is good publicity, wissen wir auch – aber soviel Drama hätte nun wirklich nicht sein müssen. Man vergleiche bitte das Redaktionsporträt aus der letzten Ausgabe mit dem obigen aktuellen: Wir verabschiedeten Martin Hossbach (der inzwischen beim Berghain arbeitet, für Spex aber weiterhin die Heft-CDs kompiliert), wir verabschiedeten Max Dax (der trotz seiner Flitterwochen Zeit gefunden hat, für diese Ausgabe zu schreiben), wir begrüßen neu im Team Anne Waak (Redakteurin), Kristina Schilke (Redaktionspraktikantin) und Lutz Happel (Redakteur). Ein weiteres Farewell geht an Daniel Fersch, der im Oktober und November spex.de betreut hat – in Vertretung unseres Online-Redakteurs Walter W. Wacht (der frisch aus New York zurückgekehrt ist).
Und sind wir nicht hübsch? Während der Produktion des vorliegenden Hefts fühlten wir uns von einer Botschaft aus den dunkleren Ecken der allwissenden Müllhalde Internet besonders unterhalten: Ein User des mit Popkultur befassten Diskussionsforums phoen.de beobachtete, die neuen Spex-ChefredakteurInnen Wibke Wetzker und Jan Kedves sähen aus, als könnten sie genauso ein Reisebüro oder einen Puff managen. Wenn der wüsste …
Doch zurück zu den ›Sparmaßnahmen‹: Da wir die Spex im Grunde spitze finden so, wie sie ist, führen wir vorerst nicht im Schilde, sie auf den Kopf zu stellen. Eine wichtige Modifikation gibt es allerdings zu vermelden, sie betrifft den hinteren Heftteil: Nach einem Jahr der dialogischen Plattenkritik haben wir uns entschlossen, das »Pop Briefing« nicht weiterzuführen. So produktiv diese Textform häufig auch war (wenn sich Autoren gegenseitig zu Gedanken anstachelten, die ihnen als alleiniger Verfasser einer Kritik möglicherweise nicht in den Sinn gekommen wären), so sehr hakte das Format in anderen Fällen. Vor allem Veröffentlichungen von Newcomern hatten es schwer, im »Pop Briefing« Diskussionen zu entfachen, häufig fielen sie deswegen kurz vor Drucklegung wieder aus dem Heft. Abgesehen davon sind wir der Ansicht, dass die veränderten Musikrezeptionsgewohnheiten im Internet die individuelle Meinungsbildung keineswegs überflüssig gemacht haben – allerdings wurden durch sie die Unterschiede zwischen den verschiedenen Musikformaten eingeebnet. Aus diesem Grund finden sich in unserem Rezensionsteil ab jetzt Kritiken zu Alben, Tracks, Compilations, Videos und MP3s gleichberechtigt nebeneinander.
Wir freuen uns auf das nächste Jahr mit Spex, wünschen allen LeserInnen Spaß mit dieser Ausgabe – und natürlich das Allerbeste für 2011!
Wibke Wetzker und Jan Kedves

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Schade um das Popbriefing, denn das hat mir wirklich gut gefallen.
So wie es jetzt ist, geht es aber auch nicht. Platten, Videos u.ä. bunt durcheinander zu rezensieren, dass ist mir zu kuddelmuddelig. Da muss etwas mehr Ordnung rein...
"Rezensionen verschiedener Musikformate gleichberechtigt nebeneinander" Na endlich! Gut so.
Merkwürdig, wie schnell Dinge sich ändern. Im Editorial heißt es, man finde die "Spex im Grunde spitze" und wolle nicht viel verändern. In den Plattenkritiken wird dann schnell mal Robyn, die vor einem halben Jahr noch als Topact der Spex aufgetreten ist, abgewatscht nach dem Motto, die war doch schon immer überschätzt. Sorry Leute, aber warum habt ihr sie dann im Mai eingeladen? Mich erinnert der Tonfall von Jan Kedves an übelste Spex-Zeiten mit dem Oberlangeweiler Dath als Chefredakteur, der dann folgerichtig beim Seniorenblatt FAZ entsorgt wurde. Ich hoffe, dass setzt sich nicht fort.
PS: Warum die Plattenkritiken nicht einfach mal ganz weglassen? In der jetzigen Form finde ich sie zu lang und etwas öde.
Warum die Plattenkritiken nicht einfach mal ganz weglassen? In der jetzigen Form finde ich sie zu lang und etwas öde.
Gute Idee! In der Form sind solche "Format"besprechungen tatsächlich überflüssig.