Gegen die Regeln des Geschäfts

Text von Daniel Fersch
am 22. Oktober

Seit der Gründung durch Daniel Miller im Jahr 1978 zählte »Mute Records« zu den prägendsten britischen Independent-Labels und war entscheidend an der Entwicklung von New Wave, Synthpop und auch der Neuen Deutschen Welle beteiligt. Zu den Bands, die Miller für Mute unter Vertrag nahm, zählten Depeche Mode, Nick Cave and the Bad Seeds, Silicon Teens und DAF. 2002 verkaufte der Gründer das Label an den Musikriesen EMI, blieb aber weiter für die Auswahl der Künstler zuständig.

    Vor einem Monat kam dann die überraschende Meldung: Mute ist wieder unabhängig! Miller hat den Labelnamen von EMI lizensiert und einen großen Teil des Mute-Katalogs zur wiedergegründeten Firma mitgenommen. Über die Hinter- und Beweggründe dieses Deals berichtet er selbst in einem kurzen Interview für Spex.de. In Berlin ist Miller an diesem Wochenende als DJ zu hören und zu sehen: Bei der »Sandwell District« Nacht im Club Berghain.

Worin liegen für Sie die Vorteile, wieder unabhängig von einem Major-Label zu arbeiten?
    Ich passe nicht wirklich in die Umgebung eines Großunternehmens – ich bin nicht sehr gut darin, mich an Regeln zu halten! Ich hatte auch das Gefühl, dass viele der Künstler, mit denen ich arbeiten wollte, nicht zum EMI-System passen. Deshalb habe ich ein neues Label gestartet und den Namen »Mute« sowie einen Teil des Kataloges von EMI lizensiert.

Wurde diese Entscheidung auch durch die finanziellen Schwierigkeiten, in denen EMI seit einigen Jahren steckt, beeinflusst?
    Nein!

Sind sie darüber enttäuscht, dass Sie einen Teil der Künstler wie Depeche Mode und Goldfrapp, die Sie ursprünglich für »Mute« entdeckt haben, bei EMI zurücklassen mussten?    
    Natürlich ist es eine Schande, dass das neue Label nicht mehr über die Kataloge dieser Künstler verfügen kann. Aber ich habe mich im Guten von EMI getrennt. Ein Teil der Vereinbarung war dabei, dass ich und mein Team weiter eng mit diesen Künstlern in verschiedenen Bereichen wie »A+R« zusammenarbeiten werden.

Bei Spex Live in Berlin konnten Sie im Mai aus gesundheitlichen Gründen nicht als DJ auftreten. Diesen Samstag holen Sie den verpassten Auftritt bei der »Sandwell District« Nacht im Berghain nach. Was kann das Publikum von ihrem Set erwarten?
    Daran arbeite ich im Augenblick immer noch. Deshalb glaube ich, es wird für mich eine genauso große Überraschung werden wie für alle anderen vor Ort!

 

»Sandwell District« Nacht:
23.10. Berlin – Berghain

Berghain-Floor (ab 23.59 Uhr):
Daniel Miller (DJ)
Sandwell District (Live)
Damon Wild (DJ)
Silent Servant & Regis & Function (DJ)

Panoramabar:
Jürgen Junker (DJ)
Bodycode (DJ)
Nina Kravitz (DJ)
Efdemin (DJ)

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