»Von und für Techno leben«


Über den Dächern Berlins: Die Dachterasse des Week End Clubs gehört seit langem zu den Fixpunkten der hauptstädtischen Feierkultur.
Foto: © Maren Sextro / 3min.de

Auf Partys gehen, lange und hart feiern, Musik leben oder konsumieren kann beinahe jeder. Eine vitale Club- und Partykultur – siehe dazu auch die Serie »After Hours« – wie die der Techno-Szene Berlins entsteht hingegen nicht aus dem Nichts. Zwar gibt es in der Hauptstadt gefühlt mehr Clubs und Orte, als Bedarf daran zu sein scheint, aber ohne die Veranstalter, Booker und Künstler wären sie tote Orte, würde auch die Subkultur abseits der touristischen Anziehungspunkte kollabieren. Die neue Web-Serie »Party. Hard. Work!« erzählt das Feiern aus der Perspektive ihrer Macher.

    Die Regisseurin Maren Sextro, lange Zeit bei Indie-Vertrieben und Labels involviert, hat zuvor bereits mit der Dokumentation »We Call it Techno!« die Techno-Szene und -Kultur Deutschlands zwischen Ende der 80er und Anfang der 90er Jahre portraitiert. Mit »Party. Hard. Work!« rückt sie nun die in der Regel hinter den Kulissen bzw. hinter dem DJ-Pult agierenden Personen in den Fokus des Geschehens. Veranstalter wie Dorian Mazurek (u.a. Golden Gate Berlin), den Club-Betreiber Marcus Trojan (Week End Club) oder die Musiker Gernot Bronsert und Sebastian Szary (Modeselektor) spielen zentrale Rollen in »Party. Hard. Work!«.

    »Party. Hard. Work!« zeigen wir in Kooperation mit dem Berliner Videoportal 3min.de, im folgenden Gespräch berichtet Regisseurin Sextro zudem von der Motivation zur Dokumentation und den Herausforderungen, die eine vom Nachtleben erzählende Serienproduktion mit sich bringt.

 

Wie bist du die Dokumentation nach Kerstin Herings »After Hours« angegangen? Welche Geschichte wolltest du erzählen?
    Maren Sextro: Da ich die Serie nicht als Nachfolgeprojekt von »After Hours« sehe, kann ich zum ersten Teil der Frage nicht viel sagen. Ich habe versucht, zu zeigen, wie es Leuten geht, die in und von der Berliner Techno-Szene leben. Wie sie sich durchschlagen, was sie antreibt und wie sich dieses Musik- und Partyleben aus ihrer Sicht anfühlt. Interessant fand ich dabei auch, welche Erfahrungen sie im Laufe der Jahre gemacht haben und welche Schlussfolgerungen sie für sich daraus gezogen haben. Im Hintergrund stand außerdem auch immer die Frage, wie sich Berlin, die Szene und das Business verändert hat und wie und ob sich der einzelne in Zukunft immer noch als Teil davon vorstellen kann.

Während »After Hours« die Feier- bzw. Openair-Kultur Berlins als solche abbildete, wird »Party. Hard. Work!« aus der Perspektive der Veranstalter und Clubbetreiber erzählt. Was ist für dich als auch die Zuschauer der Reiz an der Arbeit der Partyausrichter?
    Die Serie beschäftigt sich nicht nur mit dem Veranstalter- und Clubbetreibertum, sondern mit Leuten, die von und für Techno leben. Daher sind neben einem Veranstalter und einem Clubbetreiber auch Labelmacher, Produzenten und DJs dabei. Der Reiz ist unter anderem der Zwiespalt in dem die Leute stecken und das Allumfassende, das dieses Lebenskonzept mit sich bringt. Der Großteil ihres Lebens spielt sich in ein und demselben Bereich ab. Sie arbeiten und feiern in ein und demselben Bereich. Freunde sind gleichzeitig Kollegen und umgekehrt.

Wie reagierten die Veranstalter bzw. Protagonisten auf deine Pläne, deine Dokumentation?
    Von allen Seiten gab es Interesse beziehungsweise die Offenheit bei dem Projekt dabei zu sein. Es waren eher zeitliche Probleme, mit denen wir zu kämpfen hatten. Was findet wann statt und passt es in unsere Drehzeit? Wird der Termin dann eventuell doch verschoben oder findet er am Ende gar nicht statt? Wann sind die Protagonisten überhaupt in der Stadt, wo doch gerade Festivalhochsaison ist – was vor allem bei Modeselektor eine Schwierigkeit ist. Es war manchmal nicht leicht, die Protagonisten zu fassen zu kriegen oder genügend Zeit zum Drehen zu bekommen. Und das merkt man den einzelnen Folgen auch an: je mehr Zeit und Möglichkeiten wir hatten, desto besser sind sie am Ende geworden. Wir wollten möglichst wenig Situationen und Ereignisse inszenieren, sondern bei dem dabei sein, was die Protagonisten in unserem Drehzeitraum machen und erleben. Somit hatten wir natürlich Glück und Pech. Es passierten Dinge, die interessant waren und mit denen wir nicht rechnen konnten und es passierten Dinge nicht, mit denen wir gerechnet hatten und die vielleicht interessant geworden wären.

Gab es Bedenken, das Feiern als solches könne in den Hintergrund treten?
    Nein.

 

Wir zeigen die Dokumentation »Party. Hard. Work!« in Kooperation mit dem Videoportal 3min.de auf Spex.de in Serienform. Neue Folgen der Serie folgen immer Montags und Donnerstags. Weitere Serien zur Popkultur findet man ebenfalls auf Spex.de.