Feinste Qualität und ironische Brechung?
Alber Elbaz von Lanvin liebt H&M, entwirft Designerkollektion
Text: Edwina Pru
Anfang dieses Jahres äußerte sich die Modetheoretikerin Barbara Vinken im Spex-Interview zu zwei Kernströmungen der aktuellen Mode: Sie sprach über die Rückkehr des Eleganz-Ideals in der Pariser Couture, exemplarisch verkörpert in den Designs von Alber Elbaz für das Modehaus Lanvin; andererseits über den anfallartigen Markenfetischismus für die Massen, die die limitierten Designerkollaborationen des Retail-Giganten H&M auslösen. Wer nun dachte, dass distinguierte Eleganz, guter Schnitt, ausgewählte Stoffe einerseits und die Hau-raus-Mentalität des schwedischen Textilgiganten andererseits einander ausschließen, kennt die Modeindustrie schlecht.
Wie gestern bekannt wurde, kommt die nächste Designerkollektion für H&M von niemand anderem als Alber Elbaz. Wie das funktionieren soll, ist momentan noch rätselhaft. Beim Marketing-Genie Karl Lagerfeld, dessen Arbeit ohnehin um Aufmerksamkeitsmaximierung kreist, mochte die Kooperation mit H&M sofort einleuchten. Ebenso fiel es leicht, bei der strengen Konzeptualistin Rei Kawakubo, die ja auch mal Badehosen für Speedo gestaltet, ein intellektuelles Interesse an der temporären Umsetzung ihrer Comme-des-Garçons-Entwürfe als Massenprodukte zu vermuten. Und beim ohnehin hysterisch hochgesexten Schuster Jimmy Choo wunderte man sich sowieso nicht über die Entscheidung, seine Pumps per H&M zu verpimpen.
Aber welchen Charme bewahren die eleganten Cocktailkleider, wie sie Elbaz für Lanvin entwirft, deren Wirkung wesentlich an feinste Qualität und subtile ironische Brechungen gebunden ist, wenn sie dann en masse auf der Stange hängen? Das wird sehen müssen, wer es am 23. November schnell genug in die nächste H&M-Filiale schafft …
VIDEO: Lanvin for H&M - Alber Elbaz
Foto: © Paolo Roversi

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