Professionell und unbeeindruckt
Janelle Monáe, Bread & Butter, Flughafen Tempelhof, 9. Juli 2010, Berlin
Text: Walter W. Wacht
Da hilft selbst das beste Haarspray nicht: der bretthart zur Tolle toupierte Afro hält nicht länger Stand. Die afroamerikanische Soul-Sängerin Janelle Monáe ist gerade in der Mitte ihres rund 45-minütigen Sets im Rahmen der Modemesse Bread & Butter angelangt, als ihre Frisur hitzebedingt kollabiert. Kein Wunder: 37 Grad Celsius zeigt das Thermometer auf dem Rollfeld des früheren Verkehrsflughafens Berlin Tempelhof an, und die gefühlte Temperatur liegt weitaus höher. Die 24-jährige Monáe trägt's mit Fassung, rückt die Haare zurecht und setzt ihre furiose Live-Show fort.

Was passt schon besser zu einem nostalgischen Song, als ein richtig nostalgisches Musikvideo? Für »Sweetheart«, die neue, bereits auf Moshi Moshi erschienene Tour-EP des britischen Yelp-Folk-Trios The Wave Pictures hat Regisseur Ben Reed zahlreiche Second-Hand-Bücher zur Hand genommen, Motive und Wortfetzen ausgewählt und ausgeschnitten und schließlich in den Zusammenhang des Songs überführt.
Auf die Frage »Mann oder Maus?« würde Jeremy Jay wohl mit einem deutlichen »Maus« antworten. Denn als Wimp und coole Sau in Personalunion schätzt der Kalifornier mit frankoprovenzalischen Wurzeln das großspurige Understatement. Der Junge, der aussieht wie der Teenager, auf dessen Opferrolle sich alle einigen können, veröffentlicht jetzt sein drittes, unverschämt kurzes und unverschämt gutes Album.
Alex Paulick, eine Hälfte des Duos Coloma, hat zusammen mit Min Stiller die Band Narrow Bridges ins Leben gerufen, deren aktuellstes Projekt die Sensibilisierung der Hörgewohnheiten verfolgt: In einem ausgefegten Galerieraum in Berlin-Kreuzberg, keine dreißig Quadratmeter groß, betreiben die beiden eine temporäre Hörgalerie, in der sie neu bearbeitete oder extra komponierte Stücke von u.a. Kreidler, Kante, Barbara Morgenstern, Phillip Sollmann (Efdemin) und Narrow Bridges zum Erklingen bringen.
»Bemerkenswert sind der Ernst, die Liebe und der Argumentationseifer, die Fricke den Objekten der Populärkultur angedeihen lässt«, schrieb 
Eine geniale 80s-Platte, nichts anderes ist das neue Album der Future Islands aus Baltimore geworden. Auf »In the Evening Air« fügt die Band gekonnt Elemente aus den Genres New Wave, Post Punk und Synthpop zu einem vielschichtigen Sound zusammen, den sie selbst als »Post Waffe« bezeichnet. In allen neun Songs von »In the Evening Air« beweist die Gruppe dabei nicht nur, dass sie geschickt zitieren, sondern auch großartig arrangieren kann. Der hitverdächtige Song »Vireo’s Ehe« veranschaulicht wieso:

Ja, ist denn schon wieder Jakob Dylan? Sowohl bei diesem als auch bei Bernadette La Hengst, Knarf Rellöm und Guz von den Aeronauten, die sich zu dritt neuerdings Die Zukunft nennen, hören wir Westerngitarren und die sonore Stimme eines Cowboys, oft begleitet von weiblichem Harmoniegesang. Zwar liegen Lichtjahre zwischen den beiden Entwürfen, aber in beiden Fällen wird das Gefühl unendlicher Weiten verbreitet, die keinen Sonnenuntergang benötigen, um uns mit selbstgenügsamer Entspannung zu benetzen.
Eindeutig unneindeutig, so klingt die Musik von Chaz Bundick alias Toro y Moi. Doch wenn der erst 23 Jahre junge Amerikaner diesen Sommer in Deutschland auftritt, kann man möglicherweise besser verstehen, was ihn umtreibt. Denn er selbst erklärt sich ungern, was es umso schwerer macht, seinen Popentwurf zu dechiffrieren. Im Juli und August kann man Toro y Moi präsentiert von Spex Live in Deutschland sehen.
Kunden, die Platten von Luke Haines kauften, kauften auch Bücher von Stewart Home, Guy Debord, Andy Warhol, Julie Burchill, Tracey Emin, Georges Bataille, Sadie Plant, Thomas Pynchon, Mishima Yukio, Louis-Ferdinand Céline, Pier Paolo Pasolini, John Milton, Bret Easton Ellis und Musik von Black Box Recorder, The Auteurs, Baader Meinhof, Serge Gainsbourg, The Kinks, The Divine Comedy, Sparks, Neu!, Denim, The Passage, The Virgin Prunes, Patrik Fitzgerald, Moondog, Jacques Brel, Josef K, Marquis de Sade, Bill Pritchard, Brian Eno und Roxy Music. Und für den Satz »Life is unfair / Kill yourself or get over it«, der 1998 erwartbar zum Radio- und MTV-Boykott der Black-Box-Recorder-Single »Child Psychology« führte, könnten sie den Selbstsaboteur und diplomierten Sarkasten Haines noch heute herzen.







