Und es gibt noch eine dunkle Seite

The Drums

Text: Aram Lintzel

Brian Wilson hasst den Strand, schon immer. Die vier Mitglieder der Drums inzwischen wohl auch. Seit »Let’s Go Surfing«, ihrem hymnisch-hysterischen Hit aus dem letzten Jahr, haben sie das Image der feucht-fröhlichen Beach-Popper weg. Ein Stigma, das die Brooklyner Band loswerden will.


Foto: © Norman Konrad / Spex

    »Schließlich gibt es auch eine dunkle, traurige Seite an uns, und ›happy songs‹ sind was für Kinder«, sagt Sänger Jonathan Pierce. Zu den Teeniebopper- und Bubblegum-Einflüssen gesellen sich auf dem ersten Drums-Longplayer deswegen Anklänge an Factory-Bands und Soft Cell. All das komprimieren sie zu einem Sound, dessen oft verhallt-entrückte Stimmung pophistorische Konjunktive aufruft: Was wäre gewesen, wenn Phil Spector New Order produziert hätte? Hätte C86-Anorakpop in einem Diner in der amerikanischen Provinz entstehen können?

    »Uns geht es um Einfachheit«, sagt Pierce, und keine Frage: The Drums schreiben sich ein in die Geschichte der großen Pop-Primitivisten, ihr simples Schlagzeugspiel erinnert nicht zuletzt auch an Jesus and Mary Chain. Die Texte sind meist bittersüß jubilierende Klagen wie in dem großartigen »Book of Stories« oder dem Schmachtfetzen »It Will All End in Tears«. Eine idiosynkratische Fifties-Begeisterung, die dank elektronischer Unterfütterungen nie irgendein muffiges Rockabilly-Revival ankündigt, schlägt sich optisch in ulkig hochgekrempelten Jeans nieder. »Ich mag einfach, wie die Jungs damals ihre Hosen trugen«, erläutert Pierce. »Man sollte in allem versuchen, einen gewissen Eigensinn zu entwickeln.«

    Verdammt eigenwillig ist denn auch seine Körpersprache: Bewegungen, die an Ian Curtis, Stricherjungs und B-Boy-Robot-Gesten erinnern, kombiniert er mit angedeuteten Cheerleader-Choreografien. Pierce’ Körperspannung, die zwischen Aura und Albernheit changiert, kann sich der Blick schwerlich entziehen, selbst der kleinste Kontrollverlust wirkt bei ihm hochkonzentriert.

 

Das Album »The Drums« von The Drums ist bereits erschienen (Cooperative Music / Universal), im Augustt, November und Dezember kann man sie Live sehen.


STREAM: The Drums - Let’s Go Surfing


STREAM: The Drums - Best Friend

The Drums Live:
15.08. Hamburg - Dockville Festival
17.08. München - Atomic Café
19.08. A-Salzburg - Frequency Festival
20.08. Großpösna - Highfield Festival
19.11. CH-Zürich - Abart
20.11. München - Backstage Halle
21.11. Berlin - Maria
22.11. Köln - Kantine
15.12. Hamburg - Uebel & Gefährlich

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1 Kommentar:
  1. housefactory:

    Diese Band schient einen starken Aussehenskult zu hegen, führt oft zu Ablenkung der wahren Beweggründe.

    Auf ARTiBerlin seht ihr kleine Band mit Stil und Klasse unter der Rubrik "Kinder, kennt ihr schon...?" Peripher werden Frisur , Klamotten und Schnickschnack behandelt. Im Mittelpunkt steht wie in den meist besingen oder adaptierten Songs der kommerziellen Bands die Mucke.

    http://www.artiberlin.de/article/Kinder_kennt_ihr_schon_Im_not_a_band

     
 
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