Mal pumpend, mal schlurfend

Sind Sie ein Mann zwischen 44 und 55 Jahren? Dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass Ihnen Stella, die hamburgische Band bestehend aus Mense Reents (Foto rechts), Thies Mynther und Sängerin Elena Lange bisher bereits gut gefiel. Diese Information teilten Stella jüngst auf ihrer Facebook-Seite mit der Welt, Ende August teilen sie aber etwas viel wichtigeres: Ihr neues, viertes Album »Fukui« – eine Platte für alle.

    Seit 2004 pausierten Stella in Sachen Albumproduktion. Ihre letzte Platte »Better Days Sound Great« erschien noch auf dem mittlerweile insolventen Hamburger Superlabel L’age d’or, zuletzt waren die Bandmitglieder verstrickt in andere musikalische Zusammenhänge: Mense Reents arbeitete mit Jakobius Siebel an dem Projekt Die Vögel, Thies Mynther veröffentlichte ein neues Album mit Phantom Ghost und baute als Mitbetreiber das Label und Studio Clouds Hill aus, Elena Lange wiederum beschäftigte sich mit dem Ragga-Hop-Projekt Mistake Mistake. Nun aber wird alles besser: Mit »Fukui« haben sie ihr elektronischstes Album überhaupt aufgenommen, und dazu ihr – für europäisch geprägte Ohren – kryptischstes Album: Nahezu alle Texte wurden ausschließlich japanisch eingesungen.

    Der lange Japan-Aufenthalt Elena Langes sei der Grund für die Sprachwahl und den Albumtitel, »Fukui« bezieht sich auf die gleichnamige Stadt an der Westküste Japans. Man habe sich einmal im Jahr für rund eine Woche für Aufnahmen getroffen, sagte Thies Mynther schon im vergangenen Jahr auf das Album angesprochen, die Arbeitsweise sei experimentell und skizzenhaft gewesen, alle Töne wurden gemeinsam eingespielt, nichts vorab am Rechner zwecks ›Drübersingen‹ produziert. Bei einem weiteren Track (»Sukinamono«) arbeitete außerdem Hendrik Weber (Pantha du Prince) am Bass mit, wobei es diese Zusammenarbeit nicht auf das fertige Album geschafft zu haben scheint.

    Ansonsten hört man mal pumpende, mal schlurfende Beats und vereinzelte Klavier-Akkorde (»Thunderbird«), gegenläufig blubbernde Synthesizer-Arpeggien und peitschende Claps, dazu beabsichtigt müdes, gleichzeitig jauchzendes Gelächter (»Don’t Laugh«), asynchron zum stoisch pumpenden Beat erklingende Bleeps (»Bergfest«) und den herrlich verraucht klingenden japanischen Gesang Langes zur süßlich gezupften Gitarre, angereichert durch Meeresrauschen aus dem Field Recorder (»My Favourite Things), kurz: eine ganz neue Gruppe Stella, die heute so träumerisch, komplex und spannend klingt wie nie zuvor in ihrer fünfzehnjährigen Karriere – und die ganz sicher nicht nur für männliche ›fourtysomethings‹ spannend sein wird.

    »Fukui« erscheint am 27. August auf Snowhite (CD) bzw. Clous Hill Records (Vinyl), Ausschnitte der einzelnen Songs kann man bereits auf MySpace streamen, eine Tour zum Album ist derzeit in Planung.

 

Stella – Fukui:
01. アクセサリー・アフター・ザ・ファクト (Accessory After The Fact)
02. 才能は時間の無駄 (Talent Is A Waste Of Time)
03. オフィースとストア (Office and Store)
04. サンダーバード (Thunderbird)
05. 新鮮 (Shinsen/Fresh)
06. 笑わないでよ (Don’t Laugh)
07. Nobody Can Do Me No Harm
08. バースルーム・ガール (Bathroom Girl)
09. ベアグフェスト (Bergfest)
10. 好きな物 (My Favourite Things)

Foto: © Stella / Snowhite Records

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