Sex mit erhobener Faust

Men

Text: Oskar Piegsa


Foto: © Frank Johannes / Spex

Das Thema Regenbogenfamilie ist im Pop angekommen: »I’m gonna fuck my friends and get a little tiny baby«, singt JD Samson im Song »Credit Card Babie$« ihrer queeren Elektropop-Band Men. »Es geht um die Hürden, die dem Kinderwunsch von Lesben und Schwulen in den Weg gelegt werden«, sagt Samson und meint damit auch finanzielle Hürden. »Why don’t you adopt / Borrow someone’s cock«, heißt es in dem Song – schließlich gibt es billigere Wege, an ein Kind zu kommen, als für den Gegenwert eines Kleinwagens in der Samenbank shoppen zu gehen. Strategischer Sex mit schwulen Freunden zum Beispiel.

    Begonnen hat Men in New York als DJ-Team von Samson und Johanna Fateman. Beide kannten sich aus der feministischen Band Le Tigre, für deren letztes Album Samson »Viz« schrieb, einen Song über die Sichtbarmachung queerer Identitäten. Für »Viz« (lang: ›visibility‹) verzichtete Samson, damals schon Pin-up-Butch der lesbischen Community, auf die in anderen Le-Tigre-Stücken nachhallenden E-Gitarren des Riot-Grrrl-Punk. Stattdessen setzte sie auf Synthies.


VIDEO: Men - Credit Card Babie$

    Mit Men, einem Projekt, das sich im Zuge von Fatemans Babypause mit den neuen Mitgliedern Ginger Brooks Takahashi und Michael O’Neill zur Band auswuchs, knüpft sie nun an diesen Sound an. In der Tradition von Disco und Europop klingen Men synthetisch, catchy und klischiert ›gay‹ – ohne dabei bloß hedonistisch zu sein. Denn es geht dem Trio lyrisch auch um ökonomische Machtverhältnisse. Oder, wie es im bisher unveröffentlichten Song »Who Am I to Feel so Free« heißt: »There’s always money and issues of class«.

    Trotz Formulierungen wie aus dem Soziologie-Seminar toben die Clubs, wenn Samson mit erhobener Faust zum Call and Response ansetzt und das Publikum Teil der Performance wird. »Wir singen über ernste Anliegen, aber wir wollen nicht didaktisch sein«, sagt Brooks Takahashi. »Uns geht es um die Schaffung positiver, queerer Räume.«

 

Die »Limited Edition Demo EP« von Men ist bereits erschienen (Men Make Music / iTunes).

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4 Kommentare:
  1. Dieser Kommentar ist ein Trackback von 25.06.: Zwei Tote : ByteFM Magazin:

    [...] Toten gibt‘s bei der Spex, sondern „Sex mit erhobener Faust.“ Es geht um die queere Elektropop-Band „Men“, die gegen [...]

     
  2. Dieser Kommentar ist ein Trackback von Hearing to English lyrics is hard, män! Über Musikjournalisten, die Songtexte falsch zitieren. Aus aktuellem Anlass & eigener Erfahrung. « a c h t m i l l i a r d e n . c o m:

    [...] nämlich »I’m gonna fuck my friends to get a little tiny baby«, während in dem Musikvideo, das die Zweitveröffentlichung des Textes auf spex.de begleitet, nur »I’m gonna fuck my best« gesungen wird. Zu meiner Verteidigung: Der Song im [...]

     
  3. Dieser Kommentar ist ein Trackback von Spex - Magazin für Popkultur » Eindeutige Signale:

    [...] folgt schließlich die erneute »Sichtbarmachung queerer Identitäten«, wie Oskar Piegsa in Spex #327 anlässlich der »Limited Edition Demo EP« schrieb: Ein Leuchtturm zeigt eindeutige [...]

     
  4. Dieser Kommentar ist ein Trackback von Eindeutige Signale | KulturSzene:

    [...] In der Drehung Samsons folgt schließlich die erneute »Sichtbarmachung queerer Identitäten«, wie Oskar Piegsa in Spex #327 anlässlich der »Limited Edition Demo EP« schrieb: Ein Leuchtturm zeigt eindeutige [...]

     
 
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