Verstrickt in Zusammenhänge
Hans Unstern zu seinen beiden Album-Release-Abenden in Berlin
Text: Wibke WetzkerHans Unsterns Album »Kratz Dich raus« zeichnet sich jetzt bereits als ernstzunehmender Kandidat für das beste deutschsprachige Album des weiterhin jungen Jahres ab, in seinem Artikel über Unstern in der neuen Spex #326 beobachtet Spex-Autor Thomas Hübener zudem: »Wie seine Freunde von der Band Ja, Panik ist Hans Unstern entschiedener Feminist. ›Kratze den Mann aus dir raus / Verrate die Laender deiner Vaeter‹, heißt es denn auch beinahe Jeansjackenaufnäher-kompatibel im Stück ›Ein Coversong‹, als wolle Unstern uns sagen: Erst dann, wenn man getreu der romantischen Programmatik die gesellschaftlichen Konditionierungen und heteronormativen Geschlechterrollen in sich ausradiert und zur entregelten Wahrnehmung eines Kindes zurückgefunden hat, lässt sich wieder das Wunderbare in der Welt sehen.« Zu »Ein Coversong« wurde nun auch ein Musikvideo (siehe unten) veröffentlicht, am heutigen Montag sowie morgen stellt Unstern sein neues Album »Kratz Dich raus« auf der Bühne des Berliner Bimah Theaters vor, Wibke Wetzker hat ihn per E-Mail zu seinem Live-Konzept und seinen jüngsten Karriere-Windungen befragt.

Hans Unstern im Januar 2010 Live, Foto: © Nein, Gelassenheit / Agnes Z
Seit dein Song »Paris« unter den Spex-»Songs der Ausgabe« war, ist einiges an Zeit vergangen, nun erscheint dein erstes Album. Was hat sich in den vergangenen Monaten für Hans Unstern verändert?
Seit ich begonnen habe, mit den Musikern von Ja, Panik auf dem Label Nein, Gelassenheit zusammenzuarbeiten, kam es zu zahlreichen Ereignissen, die mir einerseits verstärkt das Musizieren ermöglichen. Andererseits bin ich inzwischen derart in Musikzusammenhänge verstrickt, dass es mich auch vom Musikmachen abhält. Konzertreisen versus Tonträgerproduktion, Interviews und so fort.
Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Ja, Panik?
Dazu gibt es unterschiedliche Meinungen, ich jedenfalls erinnere mich so: Ich arbeitete als Kehrjunge im Zirkus und kehrte Tag für Tag die Reste und Flecken der Sensationen eines überdrehten Publikums auf. Einmal wollte ich wissen, wie es zu all dem Schmutz kommen kann und setzte mich dazu. Ein Elefant in der Manege – oben auf sitzt ein schmales Jünglein, wie ich später erfuhr, Andreas Spechtl. Er trug eine rote Rose zwischen den Lippen und sang ein trauriges Clownslied über den Zusammenhang zwischen Weisheiten und Schwarzgeld, hinter ihm eine gelassen gelangweilte Kapelle, am Boden der Elefantenkottatsachen. Die Gruppe stellte sich mit dem Namen Ja, Panik vor. Später, beim aufkehren, kamen die Fünf unerwarteter Weise zu mir her und leisteten mir Gesellschaft, sie boten mir einiges an Getränk an, und ich spielte ihnen ein Paar Stücke für Klarinette vor. Prompt luden sie mich ein, meine Lieder auf ihrem jüngst gegründeten Plattenlabel Nein, Gelassenheit zu veröffentlichen.
VIDEO: Hans Unstern - Ein Coversong
Du trittst stets in eher unkommerziellen, man könnte fast sagen »Underground Locations« auf. Deine Release-Party etwa findet im »Bimah«, einem jüdischen Theater in Neukölln, statt – ein Statement?
Ich suche Locations aus, bei denen es die Möglichkeit gibt, den Raum selbst nach meinen jeweiligen Vorstellungen zu verändern, um besondere Abende zu gestalten. Das ist auch einer der Gründe, warum ich im letzten Jahr beinahe nur Konzertreihen und weniger Einzel-Shows gespielt habe: wenn man mehrmals hintereinander am selben Ort auftritt, experimentiert und improvisiert man automatisch viel mehr. Beim Improvisieren kann man finden ohne zu suchen. Das »Bimah«-Theater, ein schöner alter Ballsaal mit blauen Sitzen, ist ein toller Ort, und ich bin sehr froh, dass ich dort mein Album präsentieren darf.
Wie sehen deine Pläne für den Rest des Jahres aus?
Es wird im Herbst eine Tour zum Album geben und ich muss hoffentlich weniger in Bildschirme starren, als es in diesem Monat der Fall war.
STREAM: Hans Unstern - Kratz Dich raus
STREAM: Ja, Panik - Paris (Hans Unstern Cover)
Spex präsentiert Hand Unstern mit Band und Schätzmeister Record Release Parties:
19. & 20.04. Berlin - Bimah Theater (Jonasstrasse 22, 12053 Berlin, Beginn: 21 Uhr, Eintritt: 5€)
(mit Ja, Panik DJ-Team)
Hans Unstern Live:
25.06. Köln - c/o pop Festival
30.07. Würzburg - Cairo
24.09. Hamburg - Reeperbahnfestival

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