Text:
Walter W. Wacht
Es ist ein Kreuz mit dem Noise. Die Hauptstadt hat für beinahe jede Musik-Spielart nicht nur ausreichend Clubs, Parties und Konzerte zu bieten, jedes Genre hat auch ein bzw. gleich mehrere Festivals. In Sachen Noise, Metal und experimentelle Lärmmusik sieht es da ganz anders aus: Zwar gastieren immer wieder Bands wie Sunn O))), Isis oder Wolves In The Throne Room in Berlin, über einen Konzertabend kommt man aber häufig nicht heraus. Diese Lücke will in diesem Jahr erstmals das Friction Fest füllen, gebucht sind u.a. Bohren & Der Club Of Gore, Efterklang, The Black Heart Procession und Grails.
Text:
Anne Waak, Max Dax, Lukas Dubro, Thomas Hübener

»Exquisite Corps« ist ein auf einer surrealistischen Technik basierendes Partygesellschaftsspiel, bei dem jeder Mitspieler ohne Ansehen der Vorarbeit der anderen ein Satz- oder Bildfragment zum entstehenden Gemeinschaftswerk beisteuert. Genau auf Basis dieser Methode schreibt das aus Brooklyn stammende, mittlerweile in Los Angeles lebende Duo High Places, bestehend aus Mary Pearson und Rob Barber, seine Songs: Ideen entwickeln die beiden nicht gemeinsam und in Abstimmung, sondern getrennt voneinander. Ergebnis dieser Methode ist ein in der anschließenden Assemblage stets eintretendes Überraschungsmoment.
Erschienen in SPEX #326 05-06.2010 | 30.04.2010 16:00
Text:
Max Dax, Thomas Hübener, Anne Waak, Ralf Krämer
Dax: Zwei, die narkotisiert in schwer fassbaren Traum- und Zeitschleifen kreisen. »Don’t you ever dream that you’re like the kings and monsters? / Sleep tight, sleep tight, sleep tight, sleep tight« – Christy Edwards und Emily Manzo driften mit ihrem direkt an die frühen The Velvet Underground anknüpfenden opaken Harmoniegesang, mit ihren dunklen, minimalistischen Arrangements und vergangene Jahrzehnte beschwörenden Melodien an Musik an, die heute so nicht mehr gemacht wird, aber nie unmodern war.
Erschienen in SPEX #325 05-06.2010 | 30.04.2010 13:15
Text:
Walter W. Wacht

Bevor morgen sein neues Album »Cosmogramma« auf Warp Records erscheint, wird noch einmal an der Marketing-Maschine nachjustiert. Seit heute bieten Warp und Flying Lotus mit »Fieldlines« eine interaktive Musikapplikation für PC- und Mac-Betriebssysteme an, mit der man als Benutzer mit einigen Musikspuren Flying Lotus’ interagieren kann. Daneben kann man »Cosmogramma« nun auch in Gänze streamen.
Text:
Christoph Braun, Max Dax, Lina Brion
Eine sich Takt um Takt emporschraubende Basslinie, ein Grundrauschen aus Perkussion, dazu jaulende Lap-Steel-Gitarren – Heaven And steigen gleich mit dem ersten, siebenminütigen Track »Babylon« auf höchstem Energie-Niveau ein und halten dieses über die sechs Stücke und 46 Minuten ihres rein instrumentalen Albums. Die beiden Schlagzeuger Tony Buck und Steve Heather spielen traumwandlerisch zusammen, dabei unterläuft ihnen keinen Beat zuviel. Zeitblom am Bass und Gitarrist Martin Siewert ergänzen die beiden zu Heaven And.
Text:
Walter W. Wacht

Man kann tolle Musikvideos also doch noch ohne Mord und Totschlag realisieren, wie Regisseur Jared Raab und der Computerkünstler Rob Bairos mit dem neuen Musikvideo zu »What to Say« der kanadischen Born Ruffians unter Beweis stellen. Ab dem 16. Mai sind die Ruffians auf Deutschland-Tournee.
Text:
Walter W. Wacht
Es gibt wenige Radiosendungen, die international immer noch einen derart guten Ruf genießen, wie Pete Tongs »Essential Mix« auf BBC Radio 1. Gespielt hat dort schon jeder DJ und Produzent von Rang und Namen, seit 1992 läuft die zweistündige Sendung in den späten Abendstunden, am vergangenen Wochenende feierte die Sendung ihre 500. Episode mit einem Live-Special aus Liverpool. Neben Sasha und Richie Hawtin spielte dort auch das belgische Produzententeam Aeroplane, ihren vorerst einzigen DJ-Termin werden sie am 12. Mai bei der Berlin-Ausgabe von Spex Live (mit Robyn, High Places, Trevor Jackson, Marcel Dettmann, Daniel Miller, Villagers u.v.a.) haben, Karten sind derzeit noch im Vorverkauf erhältlich.
Text:
Ralf Krämer

Es ist wie verflucht: Wenn in Deutschland einmal TV-Serien entstehen, die den Vergleich mit amerikanischen HBO- oder britischen BBC-Standards nicht zu scheuen brauchen, werden sie entweder bald abgesetzt, oder sie stürzen eine Produktionsfirma in die Pleite. Letzteres musste die Berliner Producerin Kathrin Bullemer miterleben, als sie den aufwendigen Zehnteiler »Im Angesicht des Verbrechens« des Regisseurs Dominik Graf stemmte. Arte zeigt die Serie ab heute immer Dienstags und Samstags, im Folgenden finden sich Auszüge aus Ralf Krämers langem Interview zum Status Quo der deutschen Serienlandschaft (aus der aktuellen Spex #326) mit Bullemer, dem Kölner Drehbuchautor Orkun Ertener und dem Kölner Film- und Fernsehwissenschaftler Christian Junklewitz, der hauptberuflich Redakteur des Serienportals Serienjunkies.de ist.
Erschienen in SPEX #326 05-06.2010 | 27.04.2010 15:54
Text:
Walter W. Wacht

Polizeigewalt, Willkür, staatliche Repression, quasi-ethnische Reinigungsversuche. Wie schon im Musikvideo für Justices »Stress« hält Regisseur Romain Gavras die Kamera gerade dann drauf, wenn es unangenehm zu werden droht. Im Falle der neuen M.I.A.-Single »Born Free« bzw. des das Stück flankierenden Musikvideos thematisiert Gavras gleichzeitig Völkermord und Rassismus, andererseits eine Episode der Comic-Serie »South Park«.
Text:
Max Dax, Lukas Dubro, Ralf Krämer
Mark E. Smith altert zwar schneller, als einem lieb ist – er sieht aus, als sei er ein 62-jähriger Alkoholiker, dabei ist er erst 52 –, aber seine Veröffentlichungen sind in letzter Zeit von radikaler Qualität. Sein neues Album »Your Future Our Clutter« reiht sich bruchlos ein in die alle Konventionen hinter sich lassenden, kryptisch betitelten letzten zwei Alben »Reformation Post TLC« und »Imperial Wax Solvent«. Neun Songs finden sich auf dem neuen Werk, und ihre Gemeinsamkeit ist: Smith löst den Song auf, er sprechsingt unverständlich, er zerstört Strukturen. Das neue Album kann man nun auch in Gänze im Stream hören.
Erschienen in SPEX #326 05-06.2010 | 26.04.2010 11:53
Text:
Walter W. Wacht
Akronyme können irritieren. Und wählen wir beispielsweise MFOC, so irritiert nicht nur die Langfassung, sondern auch die Veranstaltungsreihe, die dahinter steht. Seit 15 Jahren betreiben Ralf Köster, Booker des Hamburger Nobel-Nachtleben-Etablissements Golden Pudel Club, und Tim Lorenz die Reihe »Musik Fetischisten Ohren Charakter«, was einerseits bereits einiges über die musikalische Ausrichtung verrät, andererseits aber immer noch sympathisch hamburgisch wirr und humorvoll klingt. Ob Bodenständig 2000 oder Jamie Lidell, Kreidler oder Daedelus, Shackleton oder Wechsel Garland: Der »Musik Fetischisten Ohren Charakter« hat schon so ziemlich jeden Act an seinen insgesamt 780 Veranstaltungsabenden an die Elbe gelockt – vorausgesetzt die Künstler klangen (und klingen) irgendwo elektronisch verklackert, etwas schräg und waren mit klugem Kopf ausgestattet. Am 7. Mai begeht MFOC nun das 15-jährige Bestehen mit einer großen Clubnacht mit u.a. Clark, Untold, Move D und Voltek im Hamburger Uebel & Gefährlich.
Text:
Walter W. Wacht
Endlos lange im Raum stehen blieb Burials für 2008 angekündigter Beitrag zur DJ-Kicks-Reihe des Berliner Labels !K7 Records. Was sich mit der Release-Ankündigung anließ wie ein feuchter Musik-Geek-Traum, hinterließ nach Monaten der Ereignis- bzw. Releaselosigkeit nur noch die vage Hoffnung, dass Burial seine Master-Aufnahme vielleicht doch nur versehentlich hinter den Plattenschrank gefallen sei und er ihn früher oder später doch noch beim Aufräumen finden würde. Aber Pustekuchen! Kein DJ-Mix, nur vereinzelte Single-Veröffentlichungen bzw. Album-Beiträge gab es vom Dubstep-Wunderkind. Aber genug der Verbitterung: Mit Steve Goodman alias Kode 9 hat !K7 nun gleich den Labelbetreiber von Hyperdub Records für die DJ-Kicks-Reihe gewonnen