Massive Attack

Folter-Dokufilm zu »Saturday Come Slow«, Clip-Special mit MA-Videografie

Text: Walter W. Wacht

Das neue Musikvideo zu »Saturday Come Slow« von Massive Attack verfolgt einen ähnlichen Ansatz wie das zu »Paradise Circus«: mehr Reportage als Musikclip, mehr Erzählung als Musik. Der Unterschied: Das von den bildenden Künstlern Adam Broomberg und Oliver Chanarin gedrehte Video ist zusätzlich ein hochgradig politisches Werk, das sich speziell mit sonischer Kriegsführung beziehungsweise Folter beschäftigt.

    Gedreht wurde im Frachtcontainergroßen »Reflexionsarmen Raum« des Audio-Labors an der University of Cambridge, wobei in einem schalldichten Rau keineswegs nur Stille erklingt: Schon John Cage stellte fest, dass man bei absoluter Stille zwei Töne wahrnehme, einen hohen und einen tiefen, einmal das eigene Nervensystem, einmal den eigenen Blutkreislauf. Broomberg und Chanarin untersuchen mit ihrem Clip zu »Saturday Come Slow« nun den Einsatz von Stille und Isolation beziehungsweise hoher Lautstärke und Konfrontation als geheimdienstliche Befragungstechnik. In Interviews berichtet dazu der Brite Ruhal Ahmed von seinem Aufenthalt im Gefangenenlager Guantanamo Bay als Terrorismus-Verdächtiger.

    Die Musik selbst spielt im Video dementsprechend eine untergeordnete Rolle: Der achtminütige Kurzfilm spielt das von Damon Albarns Gesang getragene Stück nicht aus, stattdessen spricht Ahmed von der Gefangenschaft, der fünfeinhalb Monate dauerndern Isolationshaft und den zahlreichen Befragungen: Zweieinhalb Tage sei er am Stück gefoltert worden, Hundegebell aus nächster Nähe und Heavy Metal bei voller Lautstärke seien dabei zum Einsatz gekommen. Besonders perfide, so die Kommentatorenstimme von Michael Furman aus dem Off, sei der Einsatz von billigen Verstärkern: Deren Frequenzspektrum sei so limitiert, dass die Beschallung mit verzerrter Musik größere Schmerzen als hohe Lautstärke bereite.

    Das Video greift so indirekt Themen der Bewegung Zero dB auf, die sich für die Abschaffung von musikalischer Folter stark macht. Dass dies nicht die erste bewegende und politische Arbeit für Massive Attack, zeigt unser Video-Special zu Massive Attack: Darin stellen wir im Folgenden gemeinsam mit dem Berliner Internet-Musikfernsehen tape.tv 16 Clips der Karriere Massive Attacks vor, neben aktuellen Videos aus dem »Heligoland«-Album wie »Saturday Come Slow«, »Splitting the Atom« und »Flat of the Blade« sieht man darin auch die Videos zu »Butterfly Caught«, »Karmacoma«, »Teardrop«, »Be Thankful For What You’ve Got«, »Safe From Harm«, »Special Cases«, »Inertia Creeps«, »False Flags, »Protection«, »Risingson«, »Sly«, »Angel« und »Unfinished Sympathy«.

 

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5 Kommentare:
  1. Dieser Kommentar ist ein Trackback von Musikvideo / Kurzdoku über Folter mit Musik: Massive Attack - Saturday Come Slow | I Heart Pluto:

    [...] Das neue Video zu Massive Attacks Saturday Come Slow ist eine Mischung aus Musikvideo und Kurzdoku über Folter mit Musik. Im Video berichtet der Brite Ruhal Ahmed über seine Zeit als Häftling in Guantanomo und den Einsatz von musikalische Folter. Sehenswert. Mehr Infos gibt es bei Spex.de. [...]

     
  2. Dieser Kommentar ist ein Trackback von Massive Attack “Saturday Come Slow” : misterhonk.de:

    [...] iheartpluto src spex Share var button = document.getElementById('facebook_share_link_5510') || [...]

     
  3. Dieser Kommentar ist ein Trackback von 19.03.: Wir brauchen mehr 3D : ByteFM Magazin:

    [...] „Walter“ im Vornamen trägt Herr Wacht und der berichtet in der Spex über das Video von Massive Attack zu ihrer Single „Saturday Come Slow“. Das Video ist „mehr [...]

     
  4. Dieser Kommentar ist ein Trackback von Spex - Magazin für Popkultur » Massive Attack:

    [...] letzter Clip zu »Saturday Come Slow« war politisches Statement, das neue Video von Massive Attack zu »Psyche« gibt sich [...]

     
  5. Dieser Kommentar ist ein Trackback von Spex - Magazin für Popkultur » Schlag deinen Fernseher kaputt!:

    [...] Massive Attack - Saturday Come Slow (aus »Heligoland«, EMI) Regie: Adam Broomberg und Oliver [...]

     
 
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