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Video zu »Let Go«, Album »n°3« im Stream

Text: Walter W. Wacht

Ein gängiges musikjournalistisches Klischee ist das der Album-Spielzeit: Platten einer Spieldauer von knapp 30 Minuten Länge können – so das Klischee – nur Punks, ehemalige Punks oder astreine Popmusiker zustande bringen, jedenfalls muss die Anzahl der Songs überschaubar und die Musik schnell gespielt bzw. sagenhaft gut auskomponiert sein. Im Falle des schwedischen Duos jj und ihrem exakt 27:16 Minuten langen Album »n°3« könnte sich die Musik nicht ferner des Klischees von Punk und Plastik-Pop befinden: jj stehen auch auf ihrem zweiten Album für schön introvertierten, äußerst ungefährlichen Balearic-Pop.

    Hinter der blassen Fassade von Album-Artwork und Musikvideos stehen Elin Kastlander und Joakim Benon, gemeinsam beziehen sie sich mit ihrem Projektnamen auf François Truffauts Nouvelle-Vague-Klassiker »Jules et Jim«, setzen auf elektronisch verstärkte Balearic-Gitarren und süßlichen Gesang und lassen im Stück »Golden Virginia« mittels des Querflötenmotivs mal eben Kaomas Balneario-Baller-Hymne »Lambada« aufleben. Und wer es schafft, ein biederes Instrument wie die Mundharmonika einigermaßen geschmackvoll in Popsongs (»Let Go«) unterzubringen, verdient sowieso einigen Vertrauensvorschuss. Die Widersprüchlichkeit von jj zeigt sich letztlich in ihren Texten: Wo ihre Musik distanziert und kühl klingt, beschwören die Lyrics Leidenschaft und Urlaubs-Erinnerungen. So heißt es in »Let Go« auch: »Let go / and let your skin show / that you’ve been in the sun today / Let’s go / and let your mind blow / all your sorrows away«.

    Das von Regisseur Marcus Söderlund in Szene gesetzte Musikvideo zum Track wiederum wirkt – sieht man einmal von all dem Blut ab – wie einer Werbekampagne des Modedesignhauses Calvin Klein entsprungen: Schwarz-weiße Bildästhetik, muskolöse Jungs, cleane Oberflächen. Wen dies nun anspringt, sollte sich auch gleich »n°3« im Stream anhören, bevor das Album via Secretly Canadian Records im Handel erscheint.

 

STREAM: jj - n°3


VIDEO: jj - Let Go
MP3: jj - Let Go

Still: Secretly Canadian / jj | Montage: Spex

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2 Kommentare:
  1. Dieser Kommentar ist ein Trackback von splitside.de » jj – Let Go:

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  2. Dieser Kommentar ist ein Trackback von Spex - Magazin für Popkultur » Eine seltsame Spannung:

    [...] wird, oder Tränen aus Blut, die der einzige Farbtupfer im sonst so kühlen Schwarzweiß des Videos zur jj-Single »Let Go« sind. Eine seltsame Spannung durchzieht die Ästhetik, der sich das schwedische Duo, bestehend [...]

     
 
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