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Walter W. Wacht

Gestern erst ließen Massive Attack verlauten, dass ihrem neuen, am kommenden Freitag erscheinenden Album »Heligoland« bestenfalls schon im Mai eine zweite EP folgen solle: Aus den Aufnahme-Sessions seien mehrere Stücke übrig geblieben, eines davon sei eine noch nicht fertig gestellte Kollaboration mit dem Elbow-Sänger Guy Garvey. Robert Del Naja sagte dazu im Interview mit BBC6 Radio: »Es gibt diesen Song ›Red Light‹, den wir schon seit zwei Jahren bei Konzerten spielen, aber immer noch nicht fertigstellen konnten. Ich bin mir nicht sicher, ob wir ihn beenden werden können … Manche Stücke sind einfach so. Einige klappen auf Anhieb, andere machen dir laufend Ärger.«
Ein anderer Song schien dabei weniger Probleme bereitet zu haben: Für »Flat of the Blade«, ebenfalls mit dem Gesang Guy Garveys, wurde soeben ein Musikvideo freigegeben.
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Michael Lutz, Walter W. Wacht
Dem Londoner Label und Plattenladen Honest Jon’s kommt eine geradzu kulturkonservative Funktion zu: Seit Jahren graben sich die Betreiber Mark Ainley und Alan Scholefield durch einen Bestand von über 150.000 alten Schellack-Platten, die das Tonträgerunternehmen EMI im nahe gelegenen Städtchen Hayes in speziell temperierten Stahlkammern hortet. Der Branchenriese ließ zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts Volksliedgut aus aller Welt aufnehmen und in Hayes auf Tonträger pressen, um mit diesem Material weltweite Märkte zu erschließen. Der Krieg und die Rezession lenkten die Firmengeschichte aber in andere Bahnen, weshalb die meisten dieser Schätze seit ihrer Archivierung in Vergessenheit gerieten. Am 5. Februar gibt es die seltene Gelegenheit, einem von Honest Jon’s gestalteten Abend im Berghain beizuwohnen. Unter anderem mit der Detroit-Deep-House-Legende Moodymann und dem Dubstep-Wunderkind Joy Orbison.
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Ralf Krämer
Das Schreien hat ein Ende. Als würde der historische Übergang von Punk zu Wave als Blaupause für seine persönliche Entwicklung herhalten, hat Wesley Eisold aus Philadelphia dem Hardcore seiner früheren Bands Give Up The Ghost und Some Girls laut Servus gesagt. Nun singt (!) er richtig, zum Beispiel Zeilen wie »Look outside, world is exploding / Stay inside, so never knowing« im Titeltrack des Cold-Cave-Debütalbums »Love Comes Close«. Man versteht jedes Wort. Eine Melodie ist nicht nur erkennbar, sie wird durch ihre Wiederholungen sogar manifestiert. An die Stelle des Gitarrengewitters ist synthetische Klarheit aus Yamaha- und Casio-Keyboards getreten.
Erschienen in SPEX #324 01-02.2010 | 02.02.2010 13:39
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Walter W. Wacht
Sein letztjährig erschienenes Album »Los Angeles« dürfte auch den letzten Skeptiker von Steve Ellisons alias Flying Lotus’ genialen Wonky-Wobbel-Jazz-Beats überzeugt haben, am 30. April soll nun schon sein neuestes Album »Cosmogramma« auf Warp Records erscheinen. Der Titel beruhe auf der etwas vernuschelten Aussprache des Begriffs »Cosmic Drama« seiner Tante Alice Coltrane und bezeichne »die Lehre der Kartierung des Universums und der Relationen zwischen Himmel und Hölle«, wie es FlyLo im Interview mit Pitchfork-Autor Tom Breihan formulierte. Das Album soll dabei wesentlich stärker als zuvor von Live-Instrumentierung geprägt sein, die Liste der beteiligten Musiker lässt sich mit Miguel-Atwood Ferguson (Shafiq Husayn, DNTEL), Laura Darlington und dem früheren Suicidal-Tendencies-Bassisten Stephen ›Thundercat‹ Bruner bereits gut an, zuletzt wurde eine Kollaboration mit Radiohead-Sänger Thom Yorke bestätigt. Neben einem ersten neueren Track produzierte Flying Lotus zuletzt außerdem für José James und Gonjasufi, außerdem soll ein Massive-Attack-Remix in der Pipeline liegen.
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Max Dax, Mark Stewart
Sie liefen Gefahr, zu einer Supergroup zu werden, auf die sich alle einigen können – und daran zu ersticken. Also ließ sich Robert »3D« Del Naja, der Gründer und zuletzt alleinige Lenker der Band, acht Jahre Zeit, löschte ein bereits komplett eingespieltes Massive-Attack-Album und hieß seinen alten Mitstreiter Grantley »Daddy G« Marshall wieder in der Band willkommen. Mit »Heligoland« wärmen Massive Attack ihren auf »100th Window« auf Eiseskälte heruntergefahrenen Sound wieder spürbar auf. Warm ist auch die Umarmung, als sich Mark Stewart und Del Naja im Berliner Tempodrom wiedersehen. »How do you get the cheese from the bear in the woods?«, fragt Stewart zur Begrüssung. Und als Del Naja verdutzt guckt, feuert Stewart die Pointe ab: »C’mon, bear!«
Erschienen in SPEX #324 01-02.2010 | 01.02.2010 16:35
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Walter W. Wacht
Das Jahr 2010 begeht gerade erst seine sechste Woche, und schon wird das Rennen um den miesesten Song des noch jungen Jahres ziemlich eng. Zugegeben: Das Kampflied »Purple and Gold«, das Prince für das Football-Team Minnessota Vikings geschrieben hat, wurde bereits in der vergangenen Woche während der Begegnung der Vikings mit den New Orleans Saints vorgestellt, es drang aber leider jetzt erst bis in diese Redaktion vor. Dazu einige Worte: Er habe »die Zukunft gesehen«, soll Prince anlässlich eines Vikings-Spiels gesagt und noch in derselben Nacht mit der Arbeit an »Purple and Gold« begonnen haben.
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Walter W. Wacht
Die beiden schwedischen Whimpster-Popper Leo Drougge und August Hellsing alias Lo-Fi-Fnk haben für ihre neueste Single »Marchin’ In«, die sie aktuell als MP3 verschenken, die beiden Filmemacher Mattias Erik Johansson und Isak Martinsson mit einem so niedlichen Musikvideo wie die begleitende Musik beauftragt: Wir sehen zu den wenigen Bassgitarren-Griffen und fröhlichen Ballerbeats durch das Wasser gleitende Seelöwen, im Fjord schwimmende Orca-Gruppen, auf Fischjagd befindliche Tümmler und allerlei andere Meeresbewohner. Dabei bricht der Clip stellenweise die Gute-Laune-Atmosphäre, färbt sich das Bild und Wasser blutrot – immer dann, wenn irgendwo der Fressfeind den Schwächeren gefunden hat.