Xiu Xiu: Neues Video zu »Dear God, I Hate Myself« & Album-Stream

Das neue XiuXiu-Musikvideo zum Albumtitelgebenden »Dear God, I Hate Myself« wird nicht jeden Geschmack treffen: So simpel, authentisch und effektiv, gleichzeitig aber drastisch rücken nur die wenigsten Künstler das Thema Bulimie auf die Agenda. Wo sich Jamie Stewart auf dem neuen wie auf den älteren Xiu-Xiu-Alben über seine Texte der Katharsis nur inhaltlich nähert, setzt seine neue Bandkollegin Angela Seo die Selbstreinigung für das Musikvideo in die Tat um:

    Mit »Dear God, I Hate Myself« ist Xiu Xiu mit einfachsten Mitteln ein gleichzeitig bemerkenswertes wie ekelerregendes, ein sozialkritisches wie politisches Video gelungen. Der Gegensatz in der Handlung könnte dabei nicht größer sein: Während Angela Seo ihre Finger bis zum Brechreiz in den Rachen führt, schiebt sich der nebensitzende Jamie Stewart genüsslich eine Tafel Schokolade rein. Dabei streift der Clip auf den ersten Blick weit voneinander entfernte aber doch recht nahe beieinander liegende Themenfelder: Schönheitsideale, Bulemie, Anorexie, orale Fixierung, Pornografie.

    Auf der Xiu-Xiu-Homepage äußerte sich Seo kürzlich zu den Hintergründen des Clips:

»(…) I grew up around a lot of people who were bulimic. Not just bulimic, but had a lot of various issues with self hatred that were expressed in a million various ways, including cutting and drug use. Although I still encounter all various sorts of self-loathing, perhaps because bulimia was the most visible, prevalent, and even normalized form of self-destruction at a very impressionable age, I will always think of it as a major form of self-hatred. There is also something very physically torturous and viscerally disturbing (aka gross!) about the act of vomiting that strikes my fancy, I guess.

I remember one night that one of my friends was completely fucked up on a few different drugs. Then she went through the pantry and fridge eating all kinds of shit. She'd then throw it up, eat more, throw up, eat more throw up. After a couple of hours of this, I told her that she was fucking stupid and dumb and left. I never saw her again, but found out she died a couple years later from overdose. I felt stupid and dumb for calling her pain stupid and dumb.

So yes, me vomiting my brains out on video was gross as hell and it made me feel like shit afterward. Those tears and the ›what the fuck is going on‹ look is sincere. But just because I look like shit does not mean that I didn't have a choice in doing that.«

 

VIDEO: Xiu Xiu – Dear God, I Hate Myself

    Gar nicht zum kotzen ist hingegen die Musik auf »Dear God, I Hate Myself«: Aufgenommen mit der bereits erwähnten Angela Seo, Ches Smith (John Zorn, Carla Bozulich), John Dieterich (Deerhoof), Gabrielle Ataladye, Caralee McElroy (Cold Cave) und dem Produzenten Greg Saunier (ebenfalls Deerhoof) ist Stewart erneut ein verstörend-entrücktes Geschmäckleralbum gelungen, musikalisch infernalisch, texterisch nahe am Morbiden. Das mittlerweile siebte Studio-Album von Xiu Xiu wird am 26. März auf Killrockstars veröffentlicht und kann vorab schon in Gänze gestreamt werden, soeben wurden neben den in Spex #325 angekündigten Shows in Leipzig und Berlin noch weitere Termine bestätigt.

 


STREAM: Xiu Xiu – Dear God, I Hate Myself

Spex präsentiert Xiu Xiu Live:
21.05. Leipzig – Conne Island (Altin Village Festival)
22.05. Berlin, Hebbel am Ufer
26.05. A-Wien – WUK
27.05. A-Graz – Postgarage
31.05. Nürnberg – K4
01.06. Frankfurt – Brotfabrik
02.06. Duisburg – Steinbruch
04.06. Trier – Ex-Haus
11.06. CH-Luzern – B-Sides Festival

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