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Walter W. Wacht

Das neue Xiu-Xiu-Musikvideo zum Albumtitelgebenden »Dear God, I Hate Myself« wird nicht jeden Geschmack treffen: So simpel, authentisch und effektiv, gleichzeitig aber drastisch rücken nur die wenigsten Künstler das Thema Bulimie auf die Agenda. Wo sich Jamie Stewart auf dem neuen wie auf den älteren Xiu-Xiu-Alben über seine Texte der Katharsis nur inhaltlich nähert, setzt seine neue Bandkollegin Angela Seo die Selbstreinigung für das Musikvideo in die Tat um:
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Walter W. Wacht
Vor zwei Jahren waren sie zwar aufgeladen, aber noch nicht bereit*: Im Bang Bang Club Berlin-Mitte standen Doctorella erstmals auf der Bühne, es ist die Band des Geschwisterpaars Sandra und Kerstin Grethers, die durch ihre frühere Autoren- bzw. Redaktionstätigkeit einen nicht unmaßgeblichen Teil der Spex prägten. Im Februar 2008 jedenfalls wollten sich die Grethers sowie ihr damaliger Bandkollege und Freund Jens Friebe mit ihrer ersten Show in der Öffentlichkeit präsentieren, was im Vorfeld der Show bizarre Blüten trug: Konzert ja, Kritik bitte noch nicht, notierte Jens Balzer damals in der Berliner Zeitung zu einem Telefonat mit Sandra Grether. Nun kann man davon halten was man will, festhalten lässt sich nur, dass Doctorella heute aufgeladener und bereiter denn zuvor sind: In Kürze wird ihre erste Single, bald auch ein Album erscheinen, am Samstag spielen sie ihre nächste Show.
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Walter W. Wacht

Das neue Musikvideo von Pantha du Prince zu »Stick to My Side« portraitiert den gemeinen Waldschrat in freier Wildbahn: Die Kamera begleitet den Tannenmann beim tribalistischen Tanz um das prasselnde Lagerfeuer, bei der Partnersuche in winterlicher Landschaft sowie der scheiternden Domestizierung in der Hütte des örtlichen Holzfällers. Das alles ist natürliche knallharte Fiktion statt wirklichkeitsnaher Dokumentation, zeigt aber, dass – sowohl in Wirklichkeit als auch in dieser geschichte – unter der Borke ein Mensch aus Fleisch und Blut steckt.
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Michael Lutz

Mit seiner intuitiv verjazzten Sphären-Elektronik steht das Kammerflimmer Kollektief aus Karlsruhe schon seit Jahren für einen der elaboriertesten Pop-Entwürfe Deutschlands. Derzeit besteht die Gruppe aus Heike Aumüller, ihrem Mann Thomas Weber sowie Johannes Frisch. Das Trio puzzelt seine Musik aus Harmonium, Synthesizer, Kontrabass und neuerdings auch verstärkt aus Gesängen zusammen, und das nicht nur mit unbändiger Vitalität und schillernder Poesie, sondern vor allem mit beeindruckender Nervenstärke. Einen besseren Eindruck kann man sich in dem mit Hörproben aus ihrem neuen Album »Wildling« ausgestatteten Interview machen, in dem Thomas Weber über den Kompositionsprozess, Gesang und Instrumentierung von »Wildling« sowie die Bedeutung des Begriffs ›Psychedelia‹ für das Kammerfimmer Kollektief sprach.
Spex präsentiert die heute beginnende Tour. Schade bloß, dass sie es im Rahmen des aktuellen Spielplans – sieht man von einem Konzert in den Sophiensaelen Berlin einmal ab – nicht nördlicher als bis zum Mülheimer Kulturbunker schaffen.
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Walter W. Wacht
Sein Album »Butter« war eine der musikalisch vielfältigsten und vor allem eine der überdrehtesten Platten des vergangenen Jahres, der schottische DJ und Produzent Hudson Mohawke erregte aber auch schon vor seinem Wonky-Wobbel-Glitch-Pop-Debüt größte Aufmerksamkeit: Mehrere Bootlegs veröffentlichte der heute 24-jährige Brite, darunter war ein »unautorisierter Remix von Tweets großer Schubberhymne ›Oops (Oh My)‹, (in dem) Mohawke das ursprüngliche Voodoo-Getrommel von Timbalands R&B-Produktion durch ein raffiniertes, schräg angeschmirgeltes Elektropoltern « ersetzte (Jan Kedves, Spex #319). Dabei war dies noch nicht das Ende der Bootleg-Geschichte, denn neben »Oops (Oh My)« und »Still On It« drehte Mohawke als Teil des »Lucky Me«-Label-Kollektivs auch »Freek ’n You« der amerikanischen Neunziger-Schmuse-R&B-Boygroup Jodeci durch den Mixer. Dieses Bootleg als auch HudMos Valentins-Mixtapes wurden nun als Gratis-Downloads freigegeben.
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Walter W. Wacht

Vor einigen Wochen verwiesen wir an anderer Stelle auf die mit drei CDs bzw. sechs Vinyls bzw. rund zwei Stunden ungewöhnlich lange Spielzeit des neuen Joanna-Newsom-Albums »Have One on Me«, das am kommenden Freitag in Deutschland erscheinen wird. Vorab kann man das Newsom’sche Tryptichon in Gänze streamen, im ausführlichen Spex-Gespräch der aktuellen Ausgabe Spex #325 kommentierte die amerikanische Sängerin und Komponistin die aus ihrer Sicht letztlich schlüssig lange Platte:
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Walter W. Wacht
Wenn im Mai das neue, derzeit noch unbetitelte Album von LCD Soundsystem erscheint, hat der Kopf des Projekts bereits ein arbeitsreiches Jahr hinter sich. Parallel zum dritten LCD-Studioalbum mit dem um sich gescharten Musikerkollektiv arbeitete James Murphy am Soundtrack zu Noah Baumbachs Spielfilm »Greenberg«, einer Liebeskomödie mit Ben Stiller über einen von Orientierungslosig- und Antrieblosigkeit überwältigten Vierzigjährigen, der House-sittend in Los Angeles an dem eigenen alternden Freundeskreis zu nagen hat. Neben dem Soundtrack sowie dem neuen Studio-Album kommt James Murphy mit LCD Soundsystem im Mai für eine Club-Show nach Deutschland.
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Martin Eiberle
Mit ihrem Album »Reality Check« wühlte das französische Trio The Teenagers vor zwei Jahren tief in der Schublade »Lo-Fi-Indie-Pop mit ironischer Textung«, berichtete in Stücken wie »Homecoming« von schmutzigen One-Night-Stands und Urlaubsaffären und zeigte sich auch bei den übrigen Stücken mit immer wieder eingestreuten Spoken-Word-Passagen recht humorvoll.
In dieser Woche touren The Teenagers im Rahmen der Jägermeister Rock:Liga gemeinsam mit Hot Hot Heat und Official Secrets Act durch Deutschland, ihren Sinn für Humor stellten sie dieser Tage nun nochmals via Twitter unter Beweis:
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Wibke Wetzker

Der Berliner Kulturbetrieb stand in der vergangenen Woche ganz im Zeichen der 60. Berlinale. Auch Spex war auf den Filmfestspielen in der Hauptdstadt unterwegs, mit Schreibauftrag, Jurykompetenz und als Teil eines filmbegeisterten Publikums. Für Max Dax begann die Berlinale mit seiner Begrüßung als Mitglied der Kurzfilmjury im Rahmen der Eröffnungsgala im Berlinalepalast. Am Ende fiel auch sein Votum zu Gunsten eines Beitrags aus Schweden aus: »Händelse Vid Bank« von Ruben Östlund wurde mit der goldenen Trophäe für den besten internationalen Kurzfilm ausgezeichnet. Die Geschichte über einen gescheiterten Banküberfall wertete die Jury als gelungene »Reflektion unserer Zeit und wie diese von den Medien beeinflusst ist«, in seinem Spex-Blog »Dissonanz« reflektiert Dax eigene Beobachtungen der diesjährigen Berlinale. Für die Medien ist solch ein Filmfest appetitanregendes Häppchen und gefundenes Fressen zugleich:
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Walter W. Wacht

Eine kleine Sensation ist Dan Snaith alias Caribou mit seinem am 16. April erscheinenden Album »Swim« gelungen, nämlich jene Hot-Chip-Platte, die Hot Chip in diesem Jahr selbst nicht schreiben konnten oder nicht mehr schreiben wollten: Mehr Soundforschung als noch auf dem letzten Caribou-Album »Andorra«, aber eben deutlich mehr von Electronica, Techno, House und Funk inspirierte Soundforschung. Wo Snaith bei »Andorra« noch streckenweise mit dem Fuß auf der Bremse stand, gilt für »Swim« nur noch Beschleunigung. Nun wurde ein Musikvideo zur Single »Odessa« veröffentlicht, in dem eine junge Frau mitten im Nirgendwo in einen Autounfall beschleunigt.
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Walter W. Wacht

Einen weiteren Beitrag aus der beliebten Reihe »Musikvideos, die die Stadt Köln zum Thema haben« hat der Kölner Grafik- und Motion-Designer Johannes Guerreiro soeben abgeliefert. Zur bisher unveröffentlichten Instrumental-Version von Hans Nieswandts Remix von Werle & Stankowskis letztjährig auf Haute Areal erschienener Huldigung an Köln (»Cologne«) montierte Guerreiro während einer Kleinwagen-Kamerafahrt durch Köln aufgenommene Stop-Motion-Aufnahmen, was wie die Vorwegnahme des Kartendienstes Google Street View wirkt. Zu den muskolös pumpenden Beats des Nieswandt-Remixes zucken die Bilder im Takt:
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Michael Lutz
Bei Warp Records’ Bewegtbild-Dependence Warp Films erschien unlängst eine DVD zu den All Tomorrow’s Parties, jener englischen Festivalreihe, die mehrmals jährlich im Camber Sands Holiday Camp in East Sussex und im Butlins Holiday Camp in Minehead, Somerset stattfindet. Für jedes Festival wird ein anderer Künstler bzw. eine Band mit der Programmgestaltung beauftragt, weshalb die Lineups stets einen anderen Geschmack widerspiegeln und dabei nicht selten die feinsten Geheimtipps mit Größen aller erdenklichen Genres vereinen.
Im Februar und März geht die mit Gastbeiträgen von Les Savy Fav, The Gossip, Seasick Steve, Patti Smith, Daniel Johnston, Sonic Youth, David Cross, den Yeah Yeah Yeahs, Portishead, Animal Collective und vielen weiteren arbeitende Dokumentation, die weitaus mehr bereithält als nur Konzert-Mitschnitte, auf Kinotour in Deutschland – eine gute Gelegenheit also, sich von diesem Paralleluniversum einen Eindruck zu verschaffen. Und wer nun keine Zeit zum Kinobesuch hat, der kann den 82-minütigen Film auch als DVD bei Rapid Eye Movies erstehen.