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Walter W. Wacht

Im November letzten Jahres war Jochen Distelmeyer im ARD Morgenmagazin zu Gast, um sein Solo-Album »Heavy« vorzustellen. Dort spielte Distelmeyer auch das Stück »Regen«, das nun als EP mit neuen Stücken ausgekoppelt und heute veröffentlicht wird. Im Morgenmagazin-Interview mit – wie es der Moderator formulierte – »dem ehemaligen Chef von Blumfeld« wurde über befreundete bzw. verfeindete Musiker, über Kopf-, Bauch- und Körpermusik sowie vieles weitere gesprochen und eben »Regen« Live im Studio gespielt. Dazu wurde Distelmeyer im Interview die geniale Frage gestellt: »›Regen‹ ist der Opener auf der neuen Platte, und das spielen Sie, auf der Platte ist das ohne Instrumente.« – »Ja.« – »Warum haben Sie das gemacht?« Wir verlosen nun drei Vinyls der »Regen«-EP, die punktgenau zu seinen neuen Konzertterminen erscheint.
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Ulrich Gutmair, Aram Lintzel, Thomas Hübener
GUTMAIR: Die Fehlfarben haben eine neue Platte gemacht. Da freut sich der Fan, auch wenn er erst mal skeptisch ist. Immerhin ist Peter Hein der größte lebende deutsche Popsänger. »Monarchie und Alltag« von 1980 wird von nicht wenigen als das wichtigste deutschsprachige Pop-Album aller Zeiten bezeichnet. Wenn dann die Plattenfirma Tapete heute trompetet, das neue Album sei »vielleicht die beste Platte, die der Band je gelungen ist«, dann führt dieser Claim schlichtweg in die Irre. Sie ist es natürlich nicht.
Erschienen in SPEX #324 01-02.2010 | 29.01.2010 12:10
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Walter W. Wacht

In diesem Jahr begeht nicht nur das Hamburger Techno- und Deep-House-Label Dial Records sein Jubiläum, auch David Lynchs und Mark Frosts Mystery-Krimi-Serie »Twin Peaks« feiert in diesem Jahr einen runden Geburtstag. Ist es da nur ein Zufall oder eine Bekennung zum Fantum seitens des Microhouse-Produzenten Rajko Müller alias Isolée, seinen neuen, düster pumpenden Track »Black Lodge« (zu deutsch: Schwarze Hütte) zu betiteln? Nachhören kann man das neue Stück des ausFrankfurt stammenden Produzenten auf der neuen Dial-Compilation »DIAL 2010«, welche die beiden Labelbetreiber Peter Kersten (Lawrence) und David Lieske (Carsten Jost) anlässlich des zehnten Geburtstags von Dial Records veröffentlichen. Bis dahin gehen Dial auf Reisen: Mit wechselnden Live- und DJ-Setups reisen sie bis März durchs Land, morgen bespielen sie die von grund auf sanierte Berliner Panorama Bar.
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Aram Lintzel, Jan Kedves, Andreas Reihse, Michael Lutz
LINTZEL: Ein gutes Album mit einigen Überraschungsmomenten und interessanten Wechseln und Schwüngen in der Klangarchitektur. Four Tets knöcherner Avant-Funk erzeugt an manchen Stellen eine fast schon klaustrophobische Enge, die dann an entscheidenden Stellen in ein sehnsuchtsvolles Unendliche-Weite-Feeling hinübergleitet. Das kann man auch kitschig finden, vor allem wenn allzu proggig aufgefahren wird. Aber aus den Sackgassen, in die eine zu selbstgewisse Virtuosität gerät – Drum’n’Bass konnte ein Lied davon singen – hat Four Tet gelernt. Außerdem ist die Kitschproduktion längst nicht die ganze Geschichte: Cut-up-House-Momente, knackig festgezurrte Beats, Trashfilm-Sounds, gespenstische Gesangsfetzen, Alice-Coltrane-haftes und undefinierbare (Innen-)Körperklänge schaffen einen Flow der Fragmente, in den man gerne eintaucht. Fragt sich nur, welche Liebe im Albumtitel gemeint ist: die intime oder die universelle?
Erschienen in SPEX #324 01-02.2010 | 28.01.2010 14:21
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Walter W. Wacht
Ihr neues Album wird am 1. März erscheinen, »Have One On Me« heißen, ganz unbescheiden als Dreifach-Album ausfallen, musikalisch wahrscheinlich sehr interessant und leider mit einem katastrophalen Artwork ausgestattet sein. Gestern Abend wurde nun auf der Homepage ihres Labels Drag City das erste Stück »81« des rund zweistündigen Joanna-Newsom-Albums als Stream bereitgestellt, schon kurz darauf ging der Webserver wegen des enormen Besucherandrangs in die Knie, war Dragcity.com nicht mehr erreichbar.
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Walter W. Wacht
Die Achse Berlin-Hamburg hat eine neue deutsch-englischsprachige Gruppe hervorgebracht, ihr Name lautet La Stampa, sie besteht aus den Musikern Jörg Heiser, Jan Verwoert, Jons Vukorep, Thomas Hug und Günter Reznicek. Produziert von Thies Mynther(Phantom Ghost) und Johann Scheerer in den Hamburger Clouds Hill Recordings-Studios erscheint im Februar das Debüt »Pictures Never Stop« der fünf Musiker, einen Vorgeschmack auf die auf Staatsakt erscheinende Platte gaben La Stampa im November letzten Jahres mit dem Stück »Dare to be Loved« auf der liebevoll gestalteten Clouds-Hill-Box, ihre erste Single »You Were Imagining Things« findet sich auf unserer aktuellen Spex-CD #88. Eben dieses Stück wurde nun zum Remix freigegeben.
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Walter W. Wacht

Auch 13 Tage nach dem schweren Erdbeben in Haiti ist die Lage des Landes brisant: Die Zahl der Verletzten und Toten ist enorm, die Hauptstadt Port-au-Prince zum größten Teil zerstört, Hunderttausende Menschen sind obdachlos. Im Zuge der staatlichen Hilfsprogramme und privaten Spenden kam es in den letzten Tagen immer wieder auch aus dem kulturellen Umfeld zu Hilfsaufrufen: Die gemeinschaftliche »Hope for Haiti«-Aktion sammelte Millionenbeträge mit einem Album, Take That geben sich anlässlich einer Benefiz-Single wiedervereint, gemeinsam mit Mariah Carey, Cheryl Cole, Kylie Minogue und vielen anderen nehmen sie eine Neuauflage des R.E.M.-Songs »Everybody Hurts« auf. Auch hierzulande werden Kultur und Hilfe verknüpft, für den kommenden Donnerstag hat Junior-Boys-Mitglied Matt Didemus ein beeindruckendes Line-Up für eine Benefiz-Party im Berliner Club Watergate organisiert.
Gemeinsam mit dem Groove Magazin richtet Didemus den »Haiti Relief«-Abend zugunsten der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen aus, alle DJs sowie die Mitarbeiter des Watergates verzichten auf ihren Gagen bzw. Bar-Gewinn. Die beiden Floors des Watergates werden bespielt von Didemus selbst, daneben engagieren sich Henrik Schwarz mit einem Live-Set sowie die DJs Modeselektor, Jesse Rose, Marcel Dettmann, DJ T., DJ Pete und Ben Mono für Haiti. Alle Künstler seien sofort von der Idee begeistert gewesen, so Didemus: »Without everyone contributing – either through organization, offering to perform or working for free – there wouldn't be any event.« Er habe das Gefühl gehabt, im Zuge der Berichterstattung über Haiti und das menschliche Leid moralisch zur Hilfe verpflichtet zu sein. »I felt the most efficient way for someone like myself to contribute would be to organize a benefit«, so Didemus weiter.
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Walter W. Wacht

Sollte sich sein neues Album »Swim« ebenso gut anlassen, wie dessen erste Single »Odessa«, dann steht uns eine aufregende Platte ins Haus: Im April erscheint das fünfte Album des kanadischen Multiinstrumentalisten und Sound-Geeks Dan Snaith alias Caribou, vorab wurde heute der erste Song als Gratis-MP3 veröffentlicht. Darin hört man Dan Snaiths zarte, säuselnde Stimme über einem drückenden Funk-Stück.
Text:
Michael Lutz
Ursprünglich ein Kammerorchester, hat sich das Solistenensemble Kaleidoskop inzwischen vom klassischen Ensemble zu einer Künstlergruppe entwickelt, deren szenische Produktionen schon weit über die Grenzen Berlins hinaus bekannt sind. In ihrer neuen Aufführung »Wo bist Du Licht!« bilden Kompositionen von Claude Vivier, Joseph Haydn, Salvator Sciarrino und Jan St. Werner (Mouse on Mars) den Ausgangspunkt einer ambitionierten Konzertinszenierung, die verschiedene Aspekte des Themas Licht behandelt:
Wie verwandelt das Licht einen Ort? Wie wirkt es sich auf unsere Wahrnehmung aus? Diesen und anderen Fragen will das Solistenensemble Kaleidoskop zusammen mit dem Lichtkünstler Yann Becker vom 11. bis 13. Februar im Berliner Radialsystem V nachgehen und sucht in den Übergängen zwischen Klang und Stille, Helligkeit und Dunkelheit nach Schönheit.
Text:
Oskar Piegsa
Wenn jetzt aller Orten darüber gegrübelt wird, was uns aus dem vergangenen Jahrzehnt erhalten bleibt, dann wird die Bilanz ziemlich mies ausfallen: Terror, Klimawandel, Kriege und Krisen. Da kommt »One Life Stand« gerade recht, das vierte Album von Hot Chip, die wie keine andere Band für einen positiven Trend der Nullerjahre stehen: den Aufstieg des Nerds.
Erschienen in SPEX #324 01-02.2010 | 25.01.2010 10:00
Text:
Jan Kedves, Wibke Wetzker, Max Dax, Ralf Krämer
KEDVES: Konstantin Gropper alias Get Well Soon begeht den Fehler, die Idealspiellänge von Alben zu missachten. 14 Tracks, die hier zusammen eine Spieldauer von über einer Stunde ergeben – ein nachvollziehbarer Spannungsbogen will da nicht erkennbar werden. Man muss es wohl als Hinweis darauf werten, dass der Künstler zu verliebt ist in sein eigenes Schaffen. Auch von schwächeren Songs kann er sich nicht trennen. Dabei hilft in solchen Fällen noch immer die Devise: Kill your darlings.
Erschienen in SPEX #324 01-02.2010 | 24.01.2010 09:00
Text:
Walter W. Wacht

Heute ab 20 Uhr beginnt die zweite Ausgabe von Spex Live, die Konzertteil mit Tocotronic und Owen Pallett ist restlos ausverkauft, für die ab Mitternacht beginnende Party mit DJ Sprinkles, Will Bankhead, Optimo (Espacio) und Pantha du Prince wird es – solange aufgrund von Platzkapazitäten ›der Vorrat reicht‹ – eine Abendkasse geben. Und schon im Mai geht es weiter: Wie bereits angekündigt findet dann im Berghain, Berlin die nächste Runde statt, bisher bestätigt sind die amerikanischen High Places. Schon weit vor Verkaufsbeginn kann man sich nun bzw. in den kommenden Tagen Karten für Spex Live in Berlin sichern: Dafür braucht es nur das eigene Blog, Twitter, Facebook oder Flickr.