Videopremiere: Tocotronic »Macht es nicht selbst«

Eng sitzende Lederjacken, flüchtende Musiker, mit Prügel und Feuer randalierende Nagetiere in roten Latzhosen: Das neue Musikvideo zur ersten Single »Macht es nicht selbst« aus Tocotronics neuntem Studio-Album wirkt angenehm kämpferisch. Regisseurin Stephanie von Beauvais inszeniert die Band als dunkle Silhouetten vor weißer Leinwand inmitten eines Revier-Kampfs von Baumarkt-Maskottchen – passend zum Credo des Songs. »Plötzlich bekommen Hobbyheimwerkerei, das Wörtchen ›originell‹ und die Online-Buchung des Sommerurlaubs als Demonstrationen individuellen Handelns einen fiesen Beigeschmack«, bemerkt Spex-Redakteurin Wibke Wetzker in der Titelgeschichte unserer aktuellen Ausgabe zum letzten Teil der Tocotronic’schen »Berlin-Trilogie«. Und weiter:

    »Tocotronic (widersprechen) mit ihrer Kritik an der ›Marke Eigenbau‹ jedem Karriereratgeber, indem sie Netzwerke und Profilierungssucht als die Handarbeiten unserer Zeit identifizieren – und als Kontrollmechanismen unserer Gesellschaft, die letztendlich Zeit, Nerven und Kraft kosten. ›Macht es nicht selbst‹ ist eine dieser Lektionen, bei denen die Band den Spieß der Konventionen umdreht, präsentiert als grob gezimmertes Stück Garagen-Rock, das übertrieben gutgelaunt drauflosstampft und -schunkelt.«

    Im anschließenden Interview sagt Dirk von Lowtzow, angesprochen auf die Frage nach der Autorenschaft, dass er gerade bei diesem Stück nicht aus voller Überzeugung sagen könne, er habe es selbst geschrieben. »Ich habe es nahezu geträumt – im Urlaub am Comer See. Der Titel greift das auf: Ich habe es tatsächlich nicht selbst gemacht, es wurde mir sozusagen zuteil. Die Musik ergänzt diesen Eindruck dann, es ist primitiver Rock’n’Roll, der sich fast von selber spielt. Es ist ein bewusster Umgang mit dem Unbewussten.«

    Neben der Videopremiere zu »Macht es nicht selbst« in Kooperation mit dem Webserien-Portal 3min.de kann man sich an dieser Stelle auch einen visuellen Überblick der Tocotronic-Videografie verschaffen: Auf »Macht es nicht selbst« folgen alle achtzehn Videos der Band-Geschichte.

    Das neue Album »Schall und Wahn« erscheint am 22. Januar 2010, Karten für die Tournee im März sowie das Release-Konzert bei Spex Live sind bereits erhältlich.

 

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Tocotronic Live:
22.01. Hamburg – Spex Live / Uebel & Gefährlich (mit Final Fantasy, Pantha du Prince, u.v.a.)
03.03. Bremen – Schlachthof
04.03. Köln – E Werk
05.03. Saarbrücken – Garage
06.03. Offenbach – Capitol
07.03. CH-Zürich – Rote Fabrik
09.03. Freiburg – Alter Güterbahnhof
10.03. Stuttgart – LKA Longhorn
11.03. Heidelberg – Halle 02
12.03. Dortmund – FZW
13.03. Hamburg – Große Freiheit 36
23.03. Münster – Skaters Palace
24.03. Düsseldorf – Zakk
25.04. Würzburg – Posthalle
26.03. München – Tonhalle
27.03. A-Graz – Orpehum
29.03. A-Wien – Arena
31.03. A-Linz – Posthof
01.04. Erlangen – E Werk
02.04. Leipzig – Conne Island
14.04. Hannover – Capitol
15.04. Magdeburg – Factory
16.04. Dresden – Schlachthof
17.04. Berlin – Astra

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Wilde Tiere unter sich: Das Rock-en-Seine-Festival im Livestream

Ab heute für drei Tage im Livestream: Das Pariser Festival Rock en Seine mit SPEX-Titelstars wie den Libertines und Hot Chip.

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Fehlfarben: Videopremiere »Untergang«

Wer sind die Herren der Dinge? Fehlfarben veröffentlichen am 25. September ihr 13. Album Über… Menschen. SPEX präsentiert neben der dazugehörigen Tour nun auch die erste Videopremiere zum Eröffnungssong »Untergang«.

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Kingsizeklackern: Brandt Brauer Frick Ensemble live / Ticketverlosung

Brandt Brauer Frick sind moderne Rattenfänger: das Trio wirft die Groovebox an und in seinem Schatten formiert sich ein Schwanz von Musikern. Für zwei Aufnahmesessions zu einem Live-Album spielt das Brandt Brauer Frick Ensemble nun in Berlin. SPEX.de verlost Tickets.

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Hat Pop ein Frauenproblem? – SPEX-Diskussion heute auf dem Pop-Kultur Festival

SPEX-Chefredakteur Torsten Groß diskutiert mit Sandra Grether, Anne Haffmanns, Balbina und Theresa Lehmann in der Halle am Berghain.

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Für Poison Season gilt beinahe alles, was auch für Kaputt galt, solange man Hornsby durch Springsteen ersetzt, beim aufgeknöpften Hemd auch noch die Ärmel hochkrempelt und statt eines Saxofons eine Armada von Saxofonen zum Einsatz bringt.

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Frank nimmt die Gegenposition zur affirmativen Mythen- und Legendenbildung von Cameron Crowe und anderen Rock-Regisseuren ein. Rockmusik? Kein Traum ist, der sich auszuleben lohnt. Ab heute läuft der Film in den deutschen Kinos – dazu das komplette Feature aus SPEX N° 363.

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Kupferkesselpop: das Coffee Festival in Berlin

Genussmittel sind Popkultur. Es geht um das gute Leben, um Distinktion, Nerdtum und Festivals. So wie beim Coffee Festival Anfang September in Berlin.

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Beach House »Depression Cherry« / Review

Pluspunkt für die weiterhin konsequente Erfindung einer eigenen Welt. Der Haken: wie schon beim letzten Album Bloom fragt man sich auch bei Depression Cherry, wie zum Teufel Beach House ihre eigenen Songs auseinanderhalten können.

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Till Dawn – Modestrecke aus SPEX N° 363 / Verlosung Floris van Bommel

Die Fotoserie aus der aktuellen Printausgabe plus Verlosung.

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»Straight Outta Compton« / Review zum Filmstart

»Man könnte fünf verschiedene N.W.A-Filme drehen«, sagt Ice Cube. F. Gary Gray legt mit dem autorisierten Biopic »Straight Outta Compton« den wahrscheinlich zahmsten davon vor.