Schmerzresistent, effektiv und stoisch

»The Folk Singer« auf dem Unerhört! Musikfilmfestival Hamburg

Text: Martin Hossbach

Filme über Musikbewegungen und ihre soziokulturellen Hintergründe, Filme über besessene Musiker und Filme über Festivals mit Legendenstatus: Das und mehr gibt es beim Unerhört! Musikfilmfestival vom 3. bis 6. Dezember 2009 zu sehen, das sich Filmen und Dokumentationen zum Thema Musik widmet und die Vielfalt beider Welten – die der Musik und die der bewegten Bilder – zusammenbringen will. In den nächsten Tagen stellen wir regelmäßig ausgewählte Filme des Festival-Programms vor, im ersten Teil sprach Martin Hossbach mit M.A. Littler, dem Regisseur des Folkmusik- und Reise-Fims »The Folk Singer«, am 5. Dezember wird der Film in Anwesenheit des im B-Movie Kino Hamburg gezeigt.

 

The Folk Singer Unerhört! Filmfestival 2009Worum geht es in »The Folk Singer«?
    M.A: Littler: Die Filmhandlung folgt Folk-Blues-Sänger Jon Konrad Wert alias Possessed by Paul James, der sich, um Geld für sein ungeborenes Kind zu verdienen, auf Tour von Texas nach Louisiana begibt. Auf seiner Reise trifft er auf Gleichgesinnte, Honky-Tonk-Besitzer und religiöse Außenseiter. Gemeinsam reflektieren sie über ihre Zweifel, Hoffnungen und Dämonen. »Durch das Teilen unseres Schmerzes können wir Trost finden«, sagt Jons Freund Scott Biram.

Wie bist Du auf den Hauptdarsteller, Jon Konrad Wert gestoßen?
    Ich habe einige Jahre lang Konzerte veranstaltet, und einer der Acts war ein gewisser »Possessed by Paul James« (Jon Konrad Werts Alter Ego). Wir wurden schnell Freunde und Jon Konrad wohnte immer bei mir, wenn er in Deutschland auf Tour war. Ich machte ihn mit meinem Freund »Beat-Man« und seinem Label Voodoo Rhythm bekannt, und so entwickelte sich eine Art transatlantische Underground-Infrastruktur. Wir saßen oft in meiner Küche, tranken und diskutierten – und eben diese Gespräche wurden zur thematischen Basis für den »Folk Singer«.

Das Folk-Genre hat in den letzten Jahren durch Figuren wie Bonnie »Prince« Billy oder Devendra Banhart einen Popularitätsschub erfahren. Was interessiert Dich an dieser Musik?
    Ich denke nicht, dass unser Film oder die Musiker, die in diesem Film vorkommen, viel mit den beiden Erwähnten gemein haben. Ich definiere ›Folk Music‹ als Sammelbegriff von Country, Blues, Bluegrass, Gospel, Cajun, Zydeco etc. Die Acts in unserem Film sehe ich eher als die Nachfolger Doc Boggs, Hank Williams, Leadbelly, Blind Gary Davis … und nicht so sehr als die erben Bob Dylans oder Dave van Ronks.

Die Geschichte ist »teils autobiografisch«, hält die Pressemitteilung fest. Was interessiert Dich an der Vermischung von wahren Begebenheiten und Fiktion?
    Ich denke, die Wahrheit liegt irgendwo zwsichen Fakt und Fiktion. Manchmal ist die Fiktion wahrhaftiger als die Realität und die Realität fiktiver als die Fiktion. Ich suche immer eine poetische Wahrheit, und die scheint irgendwo zwischen Fakt und Fiktion zu existieren.

Ihr habt in Louisana und Texas gedreht. Wie groß war das Team, wie hast Du diesen Film finanziert?
    Es war eine 5-Mann-Crew. Über die Finanzierung rede ich ungerne. Wenn man Filme außerhalb des Systems macht, ist man irgendwie auch immer ein ›con man‹ – ein Halbkrimineller. Die Crew war sehr schmerzresistent, effektiv und stoisch … Genau solche Leute braucht man um sich, wenn man einen Film wie den »Folk Singer« angeht und 5000 Meilen in drei Wochen fährt, auf dem Boden schläft und zahlreiche Gesetze brechen muss.

 


VIDEO: The Folk Singer (Trailer))

»The Folk Singer – A Tale of Love & Redemption«, Regie: M.A. Littler, mit u.a. Steve Dean, Scott H. Biram, Rev. Davis, Soda, Cade Callahan, Drew Landry, Miss Eliza Jane & Reverend, D 2008, 101 Min., Original mit deutschem Untertitel

Unerhört! präsentiert M. A. Littlers »The Folk Singer«:
05.12. Hamburg - B-Movie (ab 22 Uhr)

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