Fat Freddys Drop

Dr. Boondigga & The Big BW

Text: Christoph Braun

Fat Freddys Drop Dr. Boondigga & The Big BW CoverFat Freddys Drop sind nicht nur eine Band, sie sind ein ›System‹. In ihrem Studio in der Lyall Bay Wellingtons laufen unzählbare Fäden der Musiklandschaft Neuseelands zusammen. Hier probt das derzeit siebenköpfige Outfit; hier kocht jeden Tag Keyboarder Doobie Blaze für seine Leute. Der Chef der Sounds, DJ Fitchie, sowie Gastrapper MC Slave produzieren die Sendungen der WFFD Radiostation, die Fat Freddys Drop online stellen. Zahlreiche Musikerinnen und Musiker gehen hier ein und aus, und von nun an werden von hier aus auch die Veröffentlichungen der Band koordiniert: Ihr Label The Drop operiert weltweit.

    Den Anfang macht das zweite Album von FFD, »Dr. Boondigga & The Big BW«, wobei der Titel auf ein Comic-Szenario verweist, das Sänger Joe Dukie gemeinsam mit dem Grafi ker der Band ersonnen hat: Der irre Wissenschaftler Dr. Boondigga und sein Roboter The Big BW haben das Septett in ein geheimes Labor entführt. Doch keine Angst, das Setting sorgt bloß für sehenswertes Album-Artwork aus den Händen des neuseeländischen Graffiti-Künstlers Otis Frizzel – und eben nicht für ein ›Konzeptalbum‹. Fat Freddys Drop peilen wie schon auf ihrer Debüt-LP »Based on a True Story« nicht den straighten Song nach Plan an, sondern lassen auch vier Jahre später wieder den Sound einfach passieren, um ihm hin und wieder einen Schubs in die gewünschte Richtung zu geben.

    Und so macht »Dr. Boondigga & The Big BW« auf spektakuläre Weise entspannt. Ohne dass es ›psychedelische Musik‹ im eng gefassten Genre-Begriff wäre, versetzen die sechs, sieben, acht Minuten anhaltenden Stunts das zentrale Nervensystem in einen Zustand, in dem die Reize sehr viel langsamer verarbeitet werden als im Alltag üblich. Es ist sommerschwere Musik, darin vergleichbar mit dem Soul der Südstaaten, gesegnet aber mit dem Wissen um den Subbass, einer Liebe zum Dub überhaupt. So hält schon das eröffnende »Big BW« mit seinem unfassbar beseelten Slo-Mo-Soul, was im vergangenen Herbst die Vorab-Single »Pull the Catch« versprochen hatte: Beats bouncen bis ins Knochenmark, dazu trällert eine süsse Melodie. In der Kopfnicker-Hymne »The Nod«, die eine alte Weisheit propagiert, wonach die Party am schönsten in der Küche ist, wird im Schlussteil sogar eine an Marching Bands erinnerte Jam-Session aufgetischt: Sie kreist rund um das Spiritual »When the Saints Go Marchin’ in«, eine willkommene Gelegenheit für den neuen Saxofonisten Chopper Reedz, sich vorzustellen. Am Ende schlägt »Dr. Boondigga & The Big BW« einen Bogen und endet, wie es angefangen hat: ein sich in Raum und Zeit mit der Geduld einer Riesenschildkröte ausdehnendes Werk.

LABEL: The Drop | VERTRIEB: RTD

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1 Kommentar:
  1. Dieser Kommentar ist ein Trackback von Spex - Magazin für Popkultur » Fat Freddys Drop:

    [...] Boondigga ist in Wahrheit ein durchgeknallter Wissenschaftler, dies zeigt nicht nur das Artwork von Fat Freddys Drops jüngstem Album, sondern auch ihr Musikvideo zu »Boondigga«: In seinem Labor arbeitet der Doktor an [...]

     
 
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