Ja, Panik

Alles hin, hin, hin

Text: Max Dax, Walter W. Wacht

Nach den auf Spex.de bereits thematisierten jüngsten Schritten der österreichischen Gruppe Ja, Panik folgt nun das Musikvideo zur ersten Single: »Alles hin, hin, hin« stellten Ja, Panik ein Manifest voran, das, zwischen Größenwahn und Grundehrlichkeit oszillierend, die eigenen Produktionsweisen offenlegt. Gitarrist Thomas Schleicher erklärt darin: »Wir sind reine Differenz. Die Substanzlosigkeit ist unsere Substanz. Der Mangel unsere glänzendste Eigenschaft. Wir werden rauben, stehlen, plündern, niedermetzeln. Wir werden nichts erklären, nichts begründen. Wir haben nichts anderes verloren als unser Interesse.«

    Nach Konsum des rund zehnminütigen Manifests lässt sich die These aufstellen, dass Ja, Panik oder genauer gesagt: deren Sänger Andreas Spechtl seinen Distelmeyer gelesen hat. Man könnte außerdem anmerken, dass es Ja, Panik trotz ihres rasiermesserscharfen Sängers vermutlich schwerer haben werden, als es Jochen Distelmeyer je hatte, erst recht in diesen Zeiten der anhaltenden Krise der Musik und Zwischenmenschlichkeit.

    Kürzlich schickte Spechtl gegenüber Martin Hossbach voraus: »Das Stück, es ist auch das erste auf dem kommenden Album, kann man als Verbindungsstück zwischen der letztenThe Taste And the Money«, 2007) und der neuen Platte bezeichnen. Es geht um das, was war, und dass es, wie es scheint, auch alles so bleibt und weitergeht. Am Anfang der Platte befindet sich die Band an einem kritischen Punkt. ›Was jetzt, wie weiter? So besser nicht. Alles hin, hin, hin.‹« Im Spex-Interview (im ›extended Edit‹ in der kommenden Ausgabe von Spex #322) ergänzt Spechtl: »Der Songtitel ›Alles hin, hin, hin‹ stammt übrigens von Falco, aus seinem Song ›Ganz Wien‹.«

    Das neue Album »The Angst and the Money« erscheint am 25. September auf Staatsakt. Bis dahin wird gebloggt.


VIDEO: Ja, Panik - Alles hin, hin, hin


VIDEO: Falco - Ganz Wien

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4 Kommentare:
  1. Stefan Trockel:

    Warum nur?
    Ist es die Angst, dass man nur als Nischenpopband wahrgenommen und der ganze Gehirnschmalz, den man in die Texte gesteckt hat keinen Abnehmer findet? Muss wirklich auch der letzte merken, dass man „mehr“ ist, als eine "normale" Rockband? Ja, reicht es nicht eine Rockband zu sein? Wer auf gesellschaftliche Affirmation der Art „Du bist schlau und fleißig? – Hier ist dein Doktorhut“ nicht verzichten kann, sollte weniger Zeit im Proberaum und mehr in der Uni verbringen. Dort findet auch die verklausulierte und Bedeutsamkeit suggerierende Ausdrucksweise ihre dankbaren Abnehmer. Ausführungen der vorliegenden Art erwecken sehr schnell den Eindruck, man habe ein Problem damit, in die „Biographische Falle“ Musikbiz geraten zu sein, anstatt „was Ordentliches“ gelernt zu haben.

    Oder ist es die Angst, das, was man sich „dabei gedacht hat“, könne womöglich nicht beim Hörer ankommen? Wo ist das Selbstbewusstsein, nicht jeden Witz erklären zu müssen? Wenn der Depp nicht lacht ist’s doch auch in Ordnung!
    Ist die Aussagekraft von Kunst (und darunter wollen wir Musik mal wohlwollend fassen) nicht im Werk selbst zu suchen, und eben nicht in den Ausführungen der Künstler? Wer möchte sich schon die schöne subjektiv-konstruierte Bedeutung eines Bildes/Buchs/Theater- oder Musikstücks durch die meist von Selbstvermarktung, Überschätzung oder Koketterie getränkten Ausführungen des Urhebers zerstören lassen?

    P.S.: Inhaltlich will ich ja gar nicht mal widersprechen…

     
  2. Walter W. Wacht
    Walter W. Wacht:

    Eine Erfahrung des redaktionellen Alltags zeigt: Ja, es reicht nicht mehr, eine "normale" Rockband zu sein, denn deren (meist mittelmäßige) Alben stapeln sich links und rechts der Tastatur.

    Aber es stimmt: Das Manifest kann man als hochtrabend lesen/verstehen, aber andererseits auch – so sage ich jetzt mal – spitzbubisch/ironisch. Persönlich mag ich diese Form sehr viel mehr, weil sofort klar wird, das sich die Band mit dem was sie tut auseinandersetzt.

     
  3. Stefan Trockel:

    Nicht nur im redaktionellen Alltag werden wir von Mittelmaß überschwemmt. Mittelmaß ist leider Konsens. Ich würde aber nicht so weit gehen, der „normalen“ Rockband gleich Mittelmäßigkeit zu unterstellen. Mit „normal“ ziele ich in diesem Kontext ja lediglich auf solche Bands ab, die ihre Musik für sich sprechen lassen. Natürlich gehört Imagebildung auch dazu, aber Bands wie z.B. TV on the Radio, Phoenix, Grizzly Bear oder The Thermals schaffen es meines Wissens aus der Masse hervorzustehen, ohne sich durch selbsterklärendes Dozieren wichtig zu machen.

    Selbst wenn dieses Manifest spitzbubisch/ironisch zu verstehen ist, bleibt es ein mit üblem Beigeschmack behafteter Versuch, eine Band (mit nach meinem persönlichen Empfinden durchschnittlicher Musik) in den Fokus der Musikredakteure zu rücken. Das ist dann schon fast vergleichbar mit (nur leider nicht so putzig wie) Bonos Gutmenschentum, das wir lächelnd zur Kenntnis nehmen.

    Vielleicht müssen Ja, Panik einfach noch mehr üben und es so vielleicht schaffen, all ihre gar nicht blöden Gedanken in ihrem Werk unterzubringen? Ich klopf auf Holz...

     
  4. Dieser Kommentar ist ein Trackback von Spex - Magazin für Popkultur » Der Muskel in aller Munde:

    [...] Ja, Panik begleiteten die Veröffentlichung ihres Albums »The Angst and the Money« mit einem Manifest, in dem sie sich gegen die »allmächtige Liaison von Penis und Kapital&.... Im Manifest zu ihrem Vorgängeralbum hatten sie sogar gefordert: »Schneidet die Penisse [...]

     
 
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