Der Krach nach dem Kuss

Phantogram

Text: Christoph Braun

Phantogram Eva Tuerbl Spex #321
Foto: Eva Tuerbl / Spex

In Saratoga Springs, wo New York ganz und gar Bundesstaat ist und im gemächlichen Puls des Landlebens schlägt, entstehen die mit Begehren und Coolness geladenen Songs von Phantogram. Sampler, Gitarre, sphärischer Gesang: Das Duo lässt in den besten Momenten zugleich den erotomanen Chanson-Pop der Seventies, Shoegazing und Hiphop-Beats frisch und neu und klug klingen. Das Verstörende liegt hier in den Zwischenzuständen. »Es ist wie das Oszillieren zwischen Realität und Traum«, beschreibt Sängerin Sarah D. Barthel den Sound der vor kurzem erschienenen Phantogram-EP »Running from the Cops«. Anfang September wird das in Eigenregie produzierte Debütalbum »Eyelid Movies« folgen.

    Dessen Titel spielt genau auf jenen Zeitraum zwischen Wachen und Schlafen an, dessen Vagheit und Bewusstseinsverschleierung Phantogram suchen. Dafür nutzen sie die Entlegenheit von Saratoga Springs mit seinen kaum mehr als 25.000 Einwohnern. Denn die Musik von Phantogram entsteht in der »Harmony Lodge«. Diese umgebaute Scheune dient dem Paar als Refugium und Studio. »Dort können wir nachts um vier Uhr richtig Krach machen, kein Mensch stört sich daran«, erzählt Josh Carter, der vornehmlich Beats rumpeln lässt und seine Gitarre durch Echos schleift. Und er fügt an, so einen Platz solle man mal in New York suchen – und vor allem bezahlen.


VIDEO Phantogram - Running From the Cops

    Wobei das Geld nur ein Grund ist, warum sich Phantogram bewusst für die Provinz entschieden haben. Beide sind sie hier zusammen zur Schule gegangen, sie streiften als Kinder gemeinsam durch die Wälder und tauschten aufgeregt Aufnahmen von Wu-Tang-Clan und Busta Rhymes aus. Während Carter es in New York versuchte und zurückkehrte, zog es Barthel ebenso unerfüllt nach einem Kunststudium in Vermont zurück. Man traf und verliebte sich, und nun programmiert Carter seine Beats neben der an Theater und Drama interessierten Freundin. Es ist der Moment, in dem der Vorhang sich hebt.

»Eyelid Movies« von Phantogram erscheint am 11. September (BBE / Rogh Trade), Spex präsentiert ihre Ende Oktober beginnende Tour.

Phantogram Live:
29.10. Dortmund - Suite023
30.10. Hamburg - Uebel & Gefährlich (TBC)
31.10. Würzburg - Cairo
01.11. Köln - Studio 672
02.11. TBA
03.11. Nürnberg - Club Stereo
04.11. CH-St. Gallen - Palace
05.11. CH-Basel - Kaserne
06.11. Offenbach - Hafen 2
07.11. Berlin - Bang Bang Club

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2 Kommentare:
  1. Dieser Kommentar ist ein Trackback von Spex - Magazin für Popkultur » Der Spextrakt:

    [...] Phantogram - When I’m Small In wenigen Tagen beginnt die von Spex präsentierte Tournee von Phantogram, im Stream hört man nun das mit viel »Uuuuuuh - »Uuuuuuh« arbeitende [...]

     
  2. Franzi Fnknstn
    Franzi Fnknstn:

    Dieses Duo ist überweltigend. Habe die Woche schon mehrmals Eyelid Movies durchgehört und bin immer noch beeindruckt, was für Tracks sie darauf erschaffen haben. Morgen sehe/höre ich sie dann endlich live! Yeah! It's gonna be epic!

     
 
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