Prince / Bria Valente
LotusFlow3er / MPLSound / Elixer
Text: Matthias Strzoda
Er kommt in Frieden, seine Botschaft heißt Liebe. Körperliche Liebe, um genau zu sein. Wie immer. Der neue Song »Wall of Berlin« hat auch nichts weiter zu bedeuten als »Everything’s better when you come around / Take me down / Like the wall of Berlin«. Ist ja auch richtig, es ist Prince, und seine guten Ansichten kann man teilen. Für alle, die kraft eines Großonkels, eines Kofferradios oder einer Mittelstufenfete mit Sixties-Psychedelia, Glamrock, Punk, Disco, Powerpop und New Wave sozialisiert wurden (vereinfachte Darstellung), kann es sowieso nichts Schöneres für den Paartanz geben als seine LPs zwei bis vier, »Prince« (1979), »Dirty Mind« (1980) und »Controversy« (1981). Unfassbar, die treibenden kleinen Gitarren- und Keyboard-Hooks in »I Wanna Be Your Lover« oder »Uptown«! Auch die von Prince produzierte – und wie bei ihm bis dahin üblich im Alleingang eingespielte – LP der Lingerie-Girlgroup Vanity 6 (1982) bündelte alle oben genannten Einflüsse aufreizend und lustig, bevor mit seiner hochkarätigen Backing-Band The Revolution eine neue Ära begann.
Dreißig Jahre später kommt Prince jetzt zum wiederholten Male mit einer Dreier-CD heraus – bei einer davon als Mentor –, und die Angst vor zu wenig Pop und Disco und zu viel gediegenem Jazzrock ist groß. Jimi Hendrix meets Galliano? Bitte nicht. Das rocklastige Album »LotusFlow3r« bedient dennoch genau diese Idee. Die acht Tracks auf »MPLSound« hingegen blicken, siehe Titel, auf die ›gute alte‹ Minneapolis-Zeit zurück: Mehr Maschinen-Beats, mehr Funk, alte Weggefährten wie Sheila E. und The Time finden Erwähnung. Insgesamt ist alles nicht sehr catchy, mit uncoolen Preset-Sounds programmiert und mit viel Gitarrengegniedel garniert. Am besten funktionieren die beiden augenfällig hingerotzten Nummern: »The Morning After« von »LotusFlow3r« ist ein irgendwie verschenkter, weil dann doch unterproduzierter Zwei-Minuten-Poprock-Knaller. (Nur erhältlich auf der Download-Version übrigens; der im Internet zu bestellende Dreierpack enthält stattdessen eine zu vernachlässigende Coverversion des großen 1969er-Hits »Crimson & Clover« von Tommy James & The Shondells.) Das leicht hysterische »No More Candy 4 U« auf »MPLSound« könnte vor allem die Fraktion überzeugen, die 1984 »Let’s Go Crazy« beim Wort nahm.
Zwei weitere Stücke fallen völlig aus dem Rahmen: Das Instrumental »77 Beverly Park« von CD Nr. 1 vermischt italienische und mexikanische Folklore und ist wohl als Reminiszenz an Prince’ unter eben jener Nobeladresse zu findendes Studio in Los Angeles zu verstehen – es darf geschmunzelt und an Nino Rota gedacht werden. Der Urlaubsschlager »Everytime«, gesungen von Bria Valente, ist dann wirklich nur für Olivia-Newton-John-Fans interessant. Ansonsten erfüllt CD Nr. 3, Valentes leicht angejazzte, softe Mainstream-R&B-Platte namens »Elixer«, nicht ganz die Ansprüche ihres Komponisten und Produzenten: Man hätte lange genug auf eine neue Platte von Sade gewartet. Deswegen jetzt Bria. Prince legt ihr folgenden Vers auf den Notenständer: »Happy people in the disco light / Dancing sexy cause the music’s right / Put your arm around me and hold me tight / There’s no tomorrow, there’s just 2nite«. Spitzenidee an und für sich, macht doch Spaß! Wenn die Musik nur nicht so schwächeln würde. Schade eigentlich, »Musicology« war doch ein ganz guter Hit neulich. Und wer denkt sich denn bitte so ein Cover-Artwork aus?
DOWNLOAD: www.lotusflow3r.com | VERTRIEB: Target

TwitThis
Facebook
Buzz
del.icio.us
Google Bookmarks
Digg
Ping.fm
FriendFeed
Yigg
MisterWong.DE
Technorati
Netvibes
MySpace
Identi.ca
StumbleUpon






[...] Zeit. Wir erinnern uns an den Vertrieb seines letzten Albums via Tageszeitung oder denken an sein neuestes Album »Lotusflow3r«, das nur online erhältlich ist. In dieser Tradition steht nun auch sein [...]