Das schlechteste Plakat der Welt

»Wir brauchen einen großen Namen, eine Koryphähe seines Fachs außerdem«, muss man sich in der SWR3-Öffentlichkeits- und Marketingabteilung gedacht haben, als es um die Auftragsvergabe zum Plakat-Design des hauseigenen Festivals in Baden-Baden ging. Schnell die Gala zur Hand genommen, das Fotoregister überflogen, ach, richtig: der Herr Sachs, hier, zwanzigtausend Mark (nur damit wir uns nicht missverstehen: Gedankengang und Betrag sind fiktiv) bitte danke, und schon liefert Fotograf Gunter Sachs ein Plakatdesign für das »SWR3 New Pop Festival« ab, das an – nunja – mäßiger Gestaltung kaum zu überbieten ist. Dass solch ein Design Vati und Mutti aus Gaggenau, Sandweier oder eben Baden-Baden ansprechen und zum Festival locken mag, wollen wir hier gar nicht bestreiten. Dass man sich als Sender mit einem derart misslungenen ›Artwork‹ aber zu schmücken versucht, ist schon eine starke Nummer:

»Fliegende Notenlinien schmiegen sich in warmem Dämmerlicht um einen nackten Frauenkörper in Ballettpose. Weibliche Silhouetten performen schattenwerfend Musik und Tanz auf dem schwarzen Linientrapez – so sieht Gunter Sachs das ›SWR3 New Pop Festival‹, dessen offizielles Plakat er dieses Jahr kreiert hat.«

Gunter Sachs unterstreicht sein ›Werk‹ zudem mit den Worten:

»Das Festival vermittelt mir Musik, Leichtigkeit und Anmut, so konzipierte ich auch das Plakat.«

Der Spex-Redaktion vermittelt dieses Plakat nun eher den Eindruck eines guten, schnellen Geschäfts für Sachs, aber wer will in Fragen der Kunstproduktion schon kleinlich sein?