Au Revoir Simone
Still Night, Still Light
Text: Wibke Wetzker
Glücklich sein gehört nicht zu den vorrangigen Aufgaben des Elektropop-Trios Au Revoir Simone – eher unschuldig und versunken dreinblicken, die langen Haare glattbürsten oder zu keuschen Zöpfen flechten und dann singen: »Play me a sad song / Cause that’s what I want to hear / I want you to make me cry«. So stimmten es Heather D’Angelo, Erika Forster und Annie Hart im »Sad Song« ihres zweiten Albums »The Bird of Music« im Jahr 2007 an, und damit reihten sie sich neben Françoise Hardy und Tracyanne Campbell (Camera Obscura) in die Galerie unnahbarer junger Damen ein, denen wohl ein scheues Lächeln entgleiten mag, aber bestimmt kein schallendes Lachen. Hinreißend und glaubwürdig vereinten sich die Erinnerung an das Geschlecht der Undinen und der intuitive musikalische Gestus eines authentischen Weltschmerzes in rhythmusverliebten kleinen Melodien, gespielt von zarter Mädchenhand auf diversen Vintage-Keyboards.
Wie sich das Image der drei Musikerinnen aus Brooklyn in Musik einschreibt, das zeigte sich zuletzt in einem Remix des Friendly-Fires-Hits »Paris«: dort tauschte das belgische Musikproduzententeam Aeroplane den Männergesang des Originals gegen den Nimbus der Stimmen von Au Revoir Simone, flößte der Fantasterei über Frankreichs Hauptstadt die Zärtlichkeit eines Mädchens ein, das alles gibt, aber nichts verspricht. Ergebnis: Melancholie, in deren Rhythmus man sich sanft wiegen kann, und Entschleunigung auf ein für wunde Seelen erträgliches Maß. Dieser Dornröschenzauber liegt auch auf »Still Night, Still Light«, dem neuen Album von Au Revoir Simone, konzentriert auf die Formel des zweiten Songs »Shadows«, dessen Magie im Zuge des Albums aber auch nichts mehr hinzugefügt wird.
Au Revoir Simone schmeißen wieder die Beat-Box an (von ›Marsch‹ bis ›Mambo‹), dazu gesellen sich eine Keyboardmelodie in hoher und tiefer Tonlage, als Effekte kommen auch synthetische Streicher, Bläser und Handharmonika in Stellung, und natürlich ätherischer Gesang. In ihren Texten hingegen scheinen die drei gereift zu sein: Das erzählende weibliche ›Ich‹ will weiterziehen und hofft, der Liebste werde mitkommen, weil warten kann sie nicht, aber sie weiß auch: »I’m not strong without you«. Also visualisiert sie eine Linie (»Trace a Line«) zwischen sich und dem anderen und macht daran altbekannte Verhaltensmuster fest, um sie zu analysieren. Das Glück verortet sich auch auf dieser Linie (»Only You Can Make You Happy«), und in »Take Me As I Am« lernen wir dann, dass jeder Mensch mit einem fixen Charakter geboren wurde, zu dem er aber erst finden muss. Die Suche nach sich selbst beinhaltet die Suche nach jemandem, der die pränatale Determinierung akzeptieren kann.
Während »The Bird of Music« das Korrektiv zur Traurigkeit in einem bipolaren Spannungsgelage mitbrachte und darauf seine Schwerelosigkeit aufbaute, wird das Fragen, Suchen, Reflektieren auf »Still Night, Still Light« zum Kraftakt der traurigkeitsgeschulten Lebenshilfe: Balance wird angestrebt, Einheit aber nicht erreicht.
LABEL: Moshi Moshi | VERTRIEB: Cooperative Music / Universal Music
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MP3: Au Revoir Simone - Knight of Wands
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MP3: Au Revoir Simone - All or Nothing
MP3: Friendly Fires - Paris (Aeroplane Remix feat. Au Revoir Simone)

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[...] Brooklyn trio, Au Revoir Simone are on their run. Taken from their last years classy album Still Night, Still Light via Moshi Moshi Records, this is new video 4 their dreamy track Another Likely Story. [...]