Phantom Ghost

Thrown Out of Drama School

Text: Stephan Loichinger

Noch nie haben Phantom Ghost es sich scheinbar leichter und in Wahrheit schwerer gemacht – und ihren Zuhörern scheinbar schwerer, aber sie doch auch niemals leichter ihren Kern erkennen lassen als auf »Thrown Out of Drama School«.

    Ihr erstes Album war Disco, das zweite – »To Damascus« – Barock und auf »Three« gingen sie Fantasy an – natürlich immer ironisch gebrochen, wie es einer Dandy-Band wie Phantom Ghost gut zu Gesicht steht. »Eins zu eins ist jetzt vorbei«, sang Dirk von Lowtzow vor sieben Jahren in seiner Hauptband Tocotronic. Für das naturgemäß Distanzierte und Gekünstelte seines Gesangs fand er freilich schon immer bei Phantom Ghost die ideale Plattform, die ideale Stimme – und niemals besser als auf »Thrown Out of Drama School«, der Piano-Platte.

    Das neue Album, ausschließlich mit Thies Mynthers unpräpariertem und präpariertem Klavier instrumentiert, bietet von Lowtzows Stimme eine größtmögliche Bühne. Das klingt zunächst arg minimalistisch und auch schade, weil Mynther und von Lowtzow für ihre früheren Alben, allen voran »Three«, so viele schöne abseitige Klänge fanden. Wer »Thrown Out of Drama School« hört, stellt aber schnell fest, dass Phantom Ghost durch die Reduzierung auf Gesang und Klavierspiel ihrem Kern, dem Theatralischen, näher kommen als bislang gehört. Einige Stücke haben ebenso wie der Albumtitel das Theater zum Thema: »We stand behind the curtain closed / just wanting to get laid / our strategy for certain shows«, singt von Lowtzow in einem Varieté-Englisch, um mit den anschließenden Worten »The charge of the light brigade« das ebenso betitelte Stück zu beenden. Man kann sich die beiden vorstellen, hinter dem geschlossenenen Vorhang, kichernd. Aus Übertreibung entsteht nicht nur Theater, sondern auch Humor.

    Ein Lied wie »The Beautiful Fall« reflektiert anschaulich die Freude am Heiteren und Morbiden, am Überhöhten und Albernen, die Phantom Ghost schon immer ausgezeichnet und zu etwas Apartem gemacht hat. »Drama or success repeat for nothing less than for the sake of this song«, singt von Lowtzow darin. Die Platte eröffnet mit dem bereits erwähnten »The Charge of the Light Brigade«, welches der Melodie eines in den Dreiviertel-Takt transponierten Militärmarsches folgt, und endet mit der Coverversion von Right Said Freds »You’re My Mate«, das ebenfalls munter und augenzwinkernd marschiert und seit Jahren als Zugabe die Zuhörer auf Phantom Ghost-Konzerten erheitert.

    Das Leichte und Humorvolle kommen umso mehr zur Geltung, weil Phantom Ghost wie immer technisch auf hohem Niveau operieren. Da sitzt jeder Ton, in manchen Stücken steuert die Künstlerin Michaela Meise ihren Gesang bei. So spielt »Thrown Out of Drama School« in gleichzeitig dichter wie lockerer, gekünstelter wie gelöster Atmosphäre. Schenken uns Phantom Ghost hier eine Privatvorstellung?

LABEL: Dial

VERTRIEB: Kompakt

VÖ: 07.05.2009

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5 Kommentare:
  1. Dieser Kommentar ist ein Trackback von Spex - Magazin für Popkultur » Phantom/Ghost:

    [...] entwarf das Artwork von Dirk von Lowtzows und Thies Mynthers jüngstem Album »Thrown Out of Drama School«, welches die beiden im Closing-Rahmen vorstellen [...]

     
  2. Dieser Kommentar ist ein Trackback von Spex - Magazin für Popkultur » Doctorella:

    [...] der Kölner Konzeptkünstlerin Cosima von Bonin, die zuletzt auch die Plattencover von Phantom Ghosts »Thrown Out of Drama School« sowie »Vertical Ascent« des Moritz-von-Oswald-Trios illustrierte und zudem mit [...]

     
  3. Dieser Kommentar ist ein Trackback von Spex - Magazin für Popkultur » Mal pumpend, mal schlurfend:

    [...] arbeitete mit Jakobius Siebel an dem Projekt Die Vögel, Thies Mynther veröffentlichte ein neues Album mit Phantom Ghost und baute als Mitbetreiber das Label und Studio Clouds Hill aus, Elena Lange wiederum [...]

     
  4. Dieser Kommentar ist ein Trackback von Spex - Magazin für Popkultur » The Final Cut:

    [...] auf, in unmittelbarer Nähe jenes tierischen Mobiles von Bonins, das auch das PG-Albumcover zu Thrown Out of Drama School zierte. Prof. Friedrich Wolfram Heubach, Spezialist der Wahrnehmungspsychologie, ehemaliger [...]

     
  5. Dieser Kommentar ist ein Trackback von Spex - Magazin für Popkultur » Phantom Ghost Pardon My English:

    [...] bricht eher Akkordfolgen auf, erdet gewissermaßen die Worte, die wie auf dem Album zuvor sich an einer Welt wie der von Noël Coward nähren – und tatsächlich auch [...]

     
 
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