Phantom Ghost Thrown Out of Drama School

Noch nie haben Phantom Ghost es sich scheinbar leichter und in Wahrheit schwerer gemacht – und ihren Zuhörern scheinbar schwerer, aber sie doch auch niemals leichter ihren Kern erkennen lassen als auf »Thrown Out of Drama School«.

    Ihr erstes Album war Disco, das zweite – »To Damascus« – Barock und auf »Three« gingen sie Fantasy an – natürlich immer ironisch gebrochen, wie es einer Dandy-Band wie Phantom Ghost gut zu Gesicht steht. »Eins zu eins ist jetzt vorbei«, sang Dirk von Lowtzow vor sieben Jahren in seiner Hauptband Tocotronic. Für das naturgemäß Distanzierte und Gekünstelte seines Gesangs fand er freilich schon immer bei Phantom Ghost die ideale Plattform, die ideale Stimme – und niemals besser als auf »Thrown Out of Drama School«, der Piano-Platte.

    Das neue Album, ausschließlich mit Thies Mynthers unpräpariertem und präpariertem Klavier instrumentiert, bietet von Lowtzows Stimme eine größtmögliche Bühne. Das klingt zunächst arg minimalistisch und auch schade, weil Mynther und von Lowtzow für ihre früheren Alben, allen voran »Three«, so viele schöne abseitige Klänge fanden. Wer »Thrown Out of Drama School« hört, stellt aber schnell fest, dass Phantom Ghost durch die Reduzierung auf Gesang und Klavierspiel ihrem Kern, dem Theatralischen, näher kommen als bislang gehört. Einige Stücke haben ebenso wie der Albumtitel das Theater zum Thema: »We stand behind the curtain closed / just wanting to get laid / our strategy for certain shows«, singt von Lowtzow in einem Varieté-Englisch, um mit den anschließenden Worten »The charge of the light brigade« das ebenso betitelte Stück zu beenden. Man kann sich die beiden vorstellen, hinter dem geschlossenenen Vorhang, kichernd. Aus Übertreibung entsteht nicht nur Theater, sondern auch Humor.

    Ein Lied wie »The Beautiful Fall« reflektiert anschaulich die Freude am Heiteren und Morbiden, am Überhöhten und Albernen, die Phantom Ghost schon immer ausgezeichnet und zu etwas Apartem gemacht hat. »Drama or success repeat for nothing less than for the sake of this song«, singt von Lowtzow darin. Die Platte eröffnet mit dem bereits erwähnten »The Charge of the Light Brigade«, welches der Melodie eines in den Dreiviertel-Takt transponierten Militärmarsches folgt, und endet mit der Coverversion von Right Said Freds »You’re My Mate«, das ebenfalls munter und augenzwinkernd marschiert und seit Jahren als Zugabe die Zuhörer auf Phantom Ghost-Konzerten erheitert.

    Das Leichte und Humorvolle kommen umso mehr zur Geltung, weil Phantom Ghost wie immer technisch auf hohem Niveau operieren. Da sitzt jeder Ton, in manchen Stücken steuert die Künstlerin Michaela Meise ihren Gesang bei. So spielt »Thrown Out of Drama School« in gleichzeitig dichter wie lockerer, gekünstelter wie gelöster Atmosphäre. Schenken uns Phantom Ghost hier eine Privatvorstellung?

LABEL: Dial

VERTRIEB: Kompakt

VÖ: 07.05.2009

elvy

Männer und Gürtel: El Vy veröffentlichen Video zu »I’m the Man to Be«

Matt Berninger hätte gern Erfahrungen aus dem Hotelzimmer geteilt. Brent Knopf nicht.

garbage2

Garbage-Jubiläum: Debütalbum-Neuauflage zum Zwanzigsten

Demos, Mixversionen, unveröffentlichte Tracks: Zum 20-jährigen Bestehen kündigen Garbage eine umfangreiche Neuauflage ihres selbstbetitelten Debütalbums von 1995 an.

elliottsmith2

Soundtrack zu Elliott-Smith-Dokumentation kommt mit unveröffentlichtem Material

Bereits im vergangenen Jahr ist die Songwriter-Dokumentation Heaven Adores You veröffentlicht worden. Der Soundtrack stand bis jetzt aus, nun hat Smith-Freund und Score-Verantwortlicher Kevin Moyer in einem umfangreichen Statement Hoffnungen auf eine baldige Veröffentlichung geweckt. Und nicht nur das.

Tocotronic-1-©Michael-Petersohn-Vertigo-Berlin-612x344

24 Bands für mehr Schutz von Asylbewerbern / Die Ärzte äußern sich zu »Aktion Arschloch«

Im Berliner Traditionsclub SO 36 soll heute eine Initiative gegen rechte Angriffe auf Flüchtlinge vorgestellt werden – 24 deutsche Bands sind beteiligt.

Frokedal6

Musik von morgen: Frøkedal – Vorabstream des EP-Debüts »I See You«

Pop von ganz weit oben – die norwegische Musikerin Anne Lise Frøkedal, ehemals kreativer Kopf der Osloer Band Harrys Gym, ist nun solo unterwegs. SPEX. de streamt die Debüt-EP »I See You« exklusiv vor dem offiziellen Release.

Ought-Wall-With-Sky-Full-Res

Line-up-Nachwuchs beim Le Guess Who? Festival

Neue, abwechslungsreiche Gesichter im Line-up des Utrechter Festivals, darunter: Keiji Hain, Bennie Maupin und Chelsea Wolfe.

HelenaHauff

Helena Hauff »Discreet Desires« / Review & Albumvorabstream

Das Debütalbum ist da, der Dreck ist weg. Dabei findet Hauff Sauberkeit und Vollkommenheit doch öde.

miley2

Miley Cyrus »Miley Cyrus & Her Dead Petz« / Review

Selbst das nackige Reiten auf dem »Wrecking Ball« hatte ja durchaus einen doppelten Boden. Hätte man das alles früher sehen können?

Maidan3

Maidan – Filmfeature zum Kinostart

Sergei Loznitsa zeigt in seinem heute in den Kinos startenden Film Maidan, wie die Revolution buchstäblich eine Demonstration von Bewegung ist.

TheArcs

The Arcs »Yours, Dreamily« / Review

Im Westen nichts Neues.

Perera Elsewhere

Macht Musikerinnen sichtbar: Perspectives Festival 2015 / Verlosung

Künstlerinnen sind in der elektronischen Musik noch immer unterrepräsentiert und gegenüber ihren männlichen Kollegen benachteiligt: Bei nur zehn Prozent liegt der Anteil weiblicher Acts auf internationalen elektronischen Musikevents.

Sufjan_Stevens

Sufjan Stevens live – Ticketverlosung

Im Moment tourt Sufjan Stevens mit seinem im März erschienenen Album Carrie & Lowell durch die USA. Im Herbst kommt der Singer-Songwriter auch nach Deutschland – SPEX präsentiert.