Grizzly Bear Veckatimest

Ein Hoch auf das amerikanische Fernsehen! Oder beweist der Musikgeschmack einiger TV-Redakteure nur, dass Bands, die hierzulande zum Independent-Segment gezählt werden, dort längst zum Mainstream gehören? Gerade erst waren Animal Collective live bei David Letterman zu Gast, bereits seit dem Sommer letzten Jahres geistert die Aufzeichnung eines Auftritts von Grizzly Bear in der Late Show durch das Internet. Schlägt die »terrific band from Brooklyn« dann die ersten Akkorde von »Two Weeks« an, einem Doo-Wop-Schmeichler mit ergreifenden Harmoniegesängen, ist längst klar, dass das ein gutes Ende nehmen wird und schöner kaum werden kann. Dabei hatte das Quartett wenige Monate zuvor schon den sonnigen Sixties-Pop mit »While You Wait for the Others« bei Conan O’Brien zelebriert.

 


Offiziell abgesegnet ist das obige Video zu »Two Weeks« weder seitens des veröffentlichenden Labels Warp Records, noch seitens des Regisseurs Albert Lamorisse, von dem die Bilder des kleinen Jungen mit dem roten Ballon stammen. Der französische Kinderfilmregisseur produzierte »Le ballon rouge« schon im Jahr 1956 und erzählte darin die Geschichte der Freundschaft des kleinen Pascal zu einem roten Luftballon.

VIDEO: Grizzly Bear – Two Weeks

    Mehr als zwölf Monate später sind diese Songs endlich auch auf Platte zu hören: »Veckatimest«, das dritte, abermals von Bassist Chris Taylor produzierte Studioalbum der Combo, tendiert noch deutlicher zu symphonischen Strukturen als der gefeierte Vorgänger »Yellow House« – was man angesichts der stimmlich opulenten Version von »Alligator« von der EP »Friend« womöglich hätte erahnen können. Diesmal haben sich die beiden Sänger und Songwriter Ed Droste und Daniel Rossen, der mit seinem Nebenprojekt Department Of Eagles 2008 das überaus persönliche und jenseitige Album »In Ear Park« veröffentlichte, für drei Stücke gleich den Brooklyn Youth Choir ins Studio geladen, auf dass der saumselige Kammerpop von Tracks wie »Cheerleader« oder »I Live With You«, verstärkt durch Streicher des Acme String Quartet, noch ein wenig feierlicher daherkommt und in einen größeren Saal drängt.

    Bemerkenswert ist indes, dass »Veckatimest« – benannt nach einer unbewohnten Insel vor der Küste von Massachusetts – trotz der bisweilen aufwändigen Instrumentierung nie überladen wirkt oder aufdringlich parfümiert. Dafür funken die Gitarren zu spröde und harsch dazwischen, rumpelt das Schlagzeug zumeist einen Takt neben der Spur, und die Texte entbehren eines allzu ätherischen Pathos’. So macht sich zwar durchgängig eine melancholische Stimmung breit, doch selbst in scheinbar auswegloser Lage strahlt zwischen den Zeilen ein Hoffnungsschimmer durchs emotionale Gewölk: »I can’t get out of what I’m into with you« heißt es etwa im alles andere als verzweifelten Refrain von »All We Ask«, das nach einem zerbrechlichen, schwerelosen Beginn zunehmend kraftvoller wird und die suggerierte Gefangenschaft musikalisch längst hinter sich gelassen – oder freudig akzeptiert hat. Um das Ausbrechen aus einem Korsett der selbst auferlegten Reduktion und Stringenz geht es Grizzly Bear unterschwellig ständig. Dieser Versuch glückt der Band hier mehrfach, und das macht ihren neuen Longplayer so unwiderstehlich, facettenreich und betörend.

LABEL: Warp Records

VERTRIEB: RTD

VÖ: 22.05.2009

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