Sechs Mai-Tanz-Veranstaltungstipps

Berlin, Hamburg, Köln und München

Text:

HGich.TSeien wir ehrlich: erfahrungsgemäß funktioniert der 01. Mai bzw. dessen Vorabend wie Silvester und Neujahr. Alle wollen feiern und am nächsten Tag katern, nur niemand weiß so recht, wo genau. Also werden jedes Jahr gegen 22 Uhr nervös Telefonate geführt, die eigene Peer-Group zu vernetzten versucht, um letztendlich doch zuhause zu bleiben oder auf einer mittelmäßigen Party zu landen. Um dieser abendgestalterischen Entwicklung vorzubeugen präsentieren wir im Folgenden sechs Tipps zum feucht-fröhlichen Absturz:

BERLIN:
Generell bietet die Stadt für jeden was, vom billigen Pub Crawl mit Druckbetankung bis zur geschmäcklerischen Galerie-Eröffnung samt obskurem DJ-Set. Zwei Veranstaltungen sind für Donnerstag hervorzuheben: die anständige deutsche Musik-Gruppe Die Türen spielt im temporär vom Volksbühnen-Programm besetzten Prater, genauer noch: im Prater-Foyer. Für das gegen 22 Uhr beginnende Konzert annoncierten die Türen einen sogenannten angeschlossenen »Getränketanz«, bei den die Freizeit-DJs Michael Saager und Ran Huber in ihre Plattentaschen greifen werden.

     Einige Straßen weiter südwestlich – genauer gesagt: in Berlin-Kreuzberg – schließt gegen 24 Uhr der Arena Club auf, bis in den späten Vormittag wird man dort zu den stets exquisiten Microhouse-Sets des Hamburger Produzenten Isolée und des Cobblestone Jazz-Mitglieds und Wagon Repair-Betreibers Mathew Johnsons tanzen können.

HAMBURG:
Vielleicht muss man nach den in den Nachmittags- und Abendprogrammen diverser Privatsender sehr beliebten Formaten »Frauentausch« und »Die strengsten Eltern der Welt« auch mal ein DJ-Tausch-Programm mit der Kamera begleiten: während Isolée also in Berlin spielt, packt Ricardo Villalobos seine Platten im Hamburger Uebel&Gefährlich aus. Gemeinsam mit dem Dial Records-Gründer Lawrence, Tobias Schmid (Mule Musiq), Maurizio Schmitz und René Dachner spielt Villalobos im besten Club Hamburgs.

     Unweit des U&G droht der Maitanz im Hafenklang Exil zu einer genial bescheuerten Extase auszuarten: der dAdA-Hop-Produzent HGich.T (siehe Foto) – bekannt aus dem Pudel Club-Dunstkreis und durch seinen Beitrag zur Compilation »Ultimate Trasher Vol. 1« – stellt das Abrisskommando des Exils, das in Kürze einem Einkaufsstraßenkompatiblen Geschäft weichen soll: IKEA will hier ein Möbelhaus hochziehen, HGich.T gibt das Fuckoff-Konzert.

KÖLN:
Oh Köln, du Brückenbogen am Rhein. Im Bogen 2 der Hohenzollernbrücke an der Trankgasse werfen Tobias Thomas und Michael Mayer ausnahmsweise schon Donnerstag die Bassboxen der »Total Confusion«-Party an. Zu Gast sind morgen die Kölner Techno-Pop-Jungs von COMA mit einem Live-Set, außerdem – man hörte es zuletzt im Nachtleben immer wieder: Trance soll angeblich bald sein großes Comeback feiern – wurde der rumänische Produzent Tudoran Andrei Adi alias ATA eingeladen. Könnte interessant werden, wieviele paar Hände zur Peaktime des Sets dann tatsächlich in der Luft kreisen.

MÜNCHEN:
Da war noch was: die erste Version dieses Artikels klammerte die bayrische Metropole leider aus, hiermit wird dieses Versäumnis nachgeholt! In der Roten Sonne spielt das ausgezeichnete New Yorker Duo Telepathe, die in Spex schon mehrmals für ihren hämmernd-träumerischen Synthesizer-Sound gelobt wurden. Das Beschallungssystem des Clubs übernehmen anschließend DAT Politics, Richard Bartz und Schlachthofbronx, man sieht das Weissbier dazu schon in Sturzbächen aus den Zapfhähnen strömen.

     Und das waren sechs Ausgehtipps für das anstehende Maifeiern. Wir sehen uns dann Tags darauf bei der Demonstration zum revolutionären 1. Mai, vorderste Reihe, ganz links.

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